EU AI Act: KI-Kompetenz der Mitarbeiter ist bereits Pflicht

Der Digital Omnibus verschiebt Fristen für Hochrisiko-KI, doch die Pflicht zur Mitarbeiter-KI-Kompetenz gilt bereits seit Februar 2025.

Juni 2026 den Digital Omnibus verabschiedet und verschiebt zentrale Fristen des EU AI Acts. Doch die Pflicht zur KI-Kompetenz der Mitarbeiter gilt bereits heute.

Verschnaufpause für Hochrisiko-Systeme

Die neue Verordnung, auch als Omnibus VII bekannt, bringt Unternehmen in stark regulierten Branchen mehr Zeit. Stand-alone-Hochrisiko-KI-Systeme müssen die Anforderungen erst ab dem 2. Dezember 2027 erfüllen. Noch mehr Luft verschafft die Regelung für KI-Komponenten in bereits regulierten Produkten wie Medizinprodukten oder Maschinen: Hier gilt der 2. August 2028 als Stichtag.

Doch die verlängerten Fristen täuschen. Die eigentliche Herausforderung liegt woanders.

KI-Kompetenz: Pflicht seit Februar 2025

Artikel 4 des EU AI Acts ist bereits seit dem 2. Februar 2025 in Kraft. Die Vorschrift verlangt von Unternehmen, sicherzustellen, dass ihre Mitarbeiter über ausreichende KI-Kenntnisse verfügen. Das klingt harmlos, ist aber eine Daueraufgabe – kein einmaliger Workshop, sondern ein kontinuierlicher Prozess.

Besonders tückisch: Die Regelung gilt auch für Unternehmen außerhalb der EU, die hierzulande geschäftlich aktiv sind. US-Konzerne eingeschlossen. Das geforderte Kompetenzniveau richtet sich nach der konkreten Rolle des Mitarbeiters und den Risiken der eingesetzten KI-Systeme.

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Die Realität in den Unternehmen sieht ernüchternd aus. Gerade einmal 38 Prozent der Organisationen erfüllen die Anforderungen ansatzweise. Noch alarmierender: Nur 28 Prozent haben überhaupt einen Verantwortlichen für KI-Governance benannt. Dabei nutzen bereits 75 Prozent der Wissensarbeiter KI-Tools – aber 63 Prozent der Arbeitgeber sehen erhebliche Qualifikationslücken.

Neue Schulungsangebote für die Compliance-Pflicht

Der Markt reagiert. Der technische Prüfdienst VdS startete am 1. Juli 2026 ein spezielles Web-Training, das genau auf Artikel 4 zugeschnitten ist. Das 45-minütige Programm vermittelt Grundlagen der KI-Mechanik, Risiken, rechtliche Rahmenbedingungen und die Überprüfung KI-generierter Ergebnisse.

Andere Anbieter bringen Bewertungstools auf den Markt, die „KI-Flüssigkeit“ in fünf Dimensionen messen. Unternehmen können so gezielt Schulungsbedarf identifizieren und prüffeste Nachweise über die Kompetenz ihrer Belegschaft führen. Diese Dokumentation wird ab August 2026 zum entscheidenden Faktor – dann beginnt voraussichtlich die Durchsetzung der Vorschriften.

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Neue Verbote und drastische Strafen

Der Digital Omnibus verschärft auch die Verbotsliste. Ab dem 2. Dezember 2026 sind KI-generierte nicht-einvernehmliche intime Bilder und Material über sexuellen Kindesmissbrauch explizit verboten. Gleichzeitig werden Wasserzeichen für KI-Inhalte zur Pflicht.

Wer gegen die Regeln verstößt, dem drohen Bußgelder bis zu 35 Millionen Euro oder 7 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes – je nachdem, welcher Betrag höher ist.

Europäische Regulierungswelle rollt weiter

Der AI Act ist nur ein Puzzleteil. Das Data Act gilt bereits seit September 2025. Der Cyber Resilience Act bringt ab September 2026 neue Meldepflichten. Und die NIS2-Richtlinie führt die persönliche Haftung von Geschäftsführern für Cybersicherheitsverstöße ein.

Für Unternehmen bedeutet das: Wer jetzt auf die verlängerten Fristen setzt, verspielt wertvolle Zeit. Die KI-Kompetenz der Mitarbeiter ist kein Zukunftsthema mehr – sie ist geltendes Recht.