EU AI Act: Neue Compliance-Fristen ab Dezember 2026

Zahlreiche Legal-Tech-Anbieter kündigen Plattform-Updates an. Der EU AI Act erhält neue Compliance-Fristen bis 2028.

Innerhalb von nur zwei Tagen kündigten zahlreiche Anbieter neue Lösungen an, die administrative Routinearbeit automatisieren und interne Daten zentral zusammenführen sollen.

Automatisierte Datenflüsse statt manueller Eingabe

Am 16. Juni gaben Anytime AI und SmartAdvocate den Abschluss einer vollständigen Integration ihrer Plattformen bekannt. Die Neuerung erlaubt es, KI-generierte medizinische Chronologien und Fallnotizen automatisch mit dem SmartAdvocate-System zu synchronisieren. Für Kanzleien, die auf Personenschäden und Litigation spezialisiert sind, entfällt damit das manuelle Exportieren und doppelte Dateneingeben. Die Funktion ist ab sofort über die Anytime-AI-Kontoeinstellungen aktivierbar.

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Im Vertragsmanagement-Sektor zog LinkSquares AI nach. Dessen agentische CLM-Plattform steht ab sofort der gesamten Kundenbasis von über 1.200 Organisationen zur Verfügung. KI-Agenten übernehmen hier die Erstellung, Prüfung und Nachbereitung von Verträgen. Erste Nutzerdaten zeigen: Die automatisierte Prüfung reduziert die Bearbeitungszeit von mehreren Stunden auf rund zwei Minuten.

Wissensmanagement und Recherche auf neuem Niveau

Thomson Reuters machte am 17. Juni die Integration zwischen CoCounsel und DeepJudge für alle Kunden verfügbar. Juristen können nun kanzleispezische Arbeitsergebnisse zusammen mit Westlaw-Recherchen und Practical-Law-Marktstandards in einer einzigen Oberfläche abrufen. Die DeepJudge-Technologie indexiert das bestehende Dokumentenmanagementsystem (DMS) einer Kanzlei, ohne dass Inhalte migriert werden müssen. Alle bestehenden Sicherheitsberechtigungen bleiben erhalten.

Für große Dateninitiativen wählte die Kanzlei Mintz am 16. Juni die Azure-Databricks-Lakehouse-Plattform von Entegrata. Das System soll als Fundament eines kanzleiweiten Datenprogramms dienen, das Informationen aus Finanz-, Marketing- und Fallverwaltungssystemen zusammenführt. Ziel ist eine zentrale Datenbasis für künftige KI-Innovationen und geschäftsentwickelnde Maßnahmen.

Spezialisierte KI-Tools für Einwanderungsrecht und Unternehmensjuristen

Auf der AILA-Jahreskonferenz in San Diego, die am 17. Juni begann, präsentierte Mitratech gleich drei neue KI-Integrationen für seine Plattform INSZoom. Dazu gehören Visalaw AI für Recherche und Textentwurf sowie Lawfully für Echtzeit-Fallverfolgung mit KI-Benchmarking.

Eine dritte Integration mit Candle AI ermöglicht Einwanderungsanwälten den direkten Zugriff auf INSZoom-Fallinformationen aus Gmail und Outlook heraus. Entwickler berichten, dass Kanzleien mit dieser Lösung täglich ein bis zwei Stunden bei der E-Mail-Verwaltung sparen und Anfragen 75 Prozent schneller beantworten können. Zudem gab Mitratech einen Ausblick auf ein KI-gesteuertes Kundenportal mit automatisierter Dokumentenverarbeitung im Rahmen seines ARIES-AI-Ökosystems.

Am selben Tag launchte Dialogica mit Dia eine sprachgesteuerte KI-Plattform speziell für Anwälte. Das Tool automatisiert nicht-abrechenbare Verwaltungsaufgaben wie Zeiterfassung, Terminplanung und Dokumenten-Redlining. Es läuft lokal in der Kanzlei-Umgebung, um Datenschutz zu gewährleisten.

Neue Regularien zwingen zur Anpassung

Das Europäische Parlament stimmte am 16. Juni mit 423 Ja-Stimmen, 57 Nein-Stimmen und 174 Enthaltungen für mehrere Änderungen am EU AI Act. Die Abstimmung legte einen neuen Zeitplan für die Einhaltung fest:

  • 2. Dezember 2026: Wasserzeichen-Pflicht für bestehende Systeme tritt in Kraft, zusammen mit einem Verbot von „Nudifier“-Apps und KI-generiertem Kindesmissbrauchsmaterial
  • 2. August 2027: Frist für die Einrichtung nationaler KI-Regulierungssandkästen
  • 2. Dezember 2027: Compliance-Frist für Hochrisiko-KI-Systeme (Anhang III)
  • 2. August 2028: Compliance-Frist für eingebettete Systeme (Anhang I)
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Als Reaktion auf die verschärfte Regulierung brachte Jalubro am 16. Juni seine Governance-Plattform J-10 auf den Markt. Das System fungiert als Audit- und Durchsetzungsebene über bestehenden KI-Tools, blockiert potenzielle Regelverstöße und entfernt vertrauliche Daten vor der Verarbeitung.

HaystackID stellte auf der LegalTechTalk 2026 in London die Lösung COMET vor. Das Tool automatisiert die Erfassung geschäftlicher Mobilkommunikation für Finanzunternehmen, die von Aufsichtsbehörden wie der FCA oder BaFin reguliert werden. Einen Tag später launchte Centersky mit Centersky Secure ein Betriebssystem für Microsoft 365, das Datenlecks durch generative KI mittels Echtzeit-Scoring und Warnmeldungen verhindert.

Marktanalysten von Gartner zeichneten Trustible am 17. Juni als „Honorable Mention“ im ersten Magic Quadrant für KI-Governance-Plattformen aus. Branchenprognosen gehen von einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 67,5 Prozent für den KI-Governance-Markt aus, der bis 2030 umgerechnet rund 1,3 Milliarden Euro erreichen soll. Unternehmen, die solche Governance-Plattformen einsetzen, berichten von einer Vervierfachung genehmigter KI-Anwendungsfälle und 60 Prozent schnelleren Governance-Zyklen.