Die Europäische Union startet eine Offensive für eigene KI-Hardware. Mit einem neuen Industriepaket und milliardenschweren Investitionen will der Block seine Abhängigkeit von China und den USA durchbrechen.
Brüssel setzt damit einen strategischen Schwerpunktwechsel um: Von der reinen Regulierung hin zu einer aktiven Industriepolitik. Kern ist der geplante Industrial Accelerator Act, der noch im Januar vorgestellt werden soll. Ein zentrales Element ist die „Made in Europe“-Initiative, die europäische Lieferketten für strategische KI-Komponenten absichern soll.
Industriepaket soll „Lead Markets“ schaffen
Das Gesetzespaket zielt darauf ab, Europas angeschlagene Industriebasis zu revitalisieren. Ein Schlüsselmechanismus sind sogenannte Lead Markets. Diese sollen eine verlässliche, großvolumige Nachfrage nach nachhaltigen und hochtechnologischen Produkten „Made in Europe“ generieren – von grünem Stahl bis zu hochspezialisierten KI-Chips.
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Die EU-Kommission sucht aktuell die Unterstützung der Schwerindustrie für diesen Plan. Branchenvertreter zeigen sich laut Berichten vom 16. Januar aufgeschlossen. Als Treiber gelten die hohen Handelsdefizite und die wachsende Sorge um wirtschaftliche Souveränität.
KI-Gigafabriken erhalten grünes Licht
Parallel hat der Rat der EU am 16. Januar den Weg für den Bau großer KI-Gigafabriken in den Mitgliedstaaten freigemacht. Diese Großanlagen für Entwicklung und Training komplexer KI-Modelle sollen durch beschleunigte Genehmigungsverfahren, erleichterte Finanzierung und klare regulatorische Unterstützung gefördert werden.
Die Fabriken sind ein Eckpfeiler der digitalen EU-Strategie und werden mit dem EU-Chips Act sowie den Digitalzielen für 2030 verknüpft. Ziel ist ein eigenständiges Ökosystem, das weniger anfällig für geopolitische Spannungen und Lieferkettenbrüche ist.
Digitale Souveränität als übergeordnetes Ziel
Die Initiativen sind die jüngsten Schritte im langjährigen Streben der EU nach digitaler Souveränität. In Brüssel wachsen seit Jahren die Bedenken, dass die Abhängigkeit von ausländischer Technologie – besonders bei der Hardware – die Wettbewerbsfähigkeit und Sicherheit Europas gefährdet. Analysten warnen, diese Abhängigkeit könne „waffenfähig“ gemacht werden.
Die neue Industriestrategie baut auf der regulatorischen Vorarbeit wie dem KI-Gesetz auf, das 2026 vollständig anwendbar wird. Während das Gesetz die Regeln für sichere KI setzt, sollen die Hardware-Initiativen nun die physischen Werkzeuge für Innovationen liefern. Dabei will Europa auch seine bestehenden Stärken in der Halbleiter-Wertschöpfungskette nutzen, etwa bei Weltmarktführern wie ASML oder Merck.
Wettbewerbsdruck treibt Ambitionen voran
Die aggressive Industriepolitik der Kommission ist eine klare Reaktion auf den internationalen Wettbewerbsdruck. Zur Unterstützung hat die EU am 15. Januar über 300 Millionen Euro an neuen Fördermitteln für digitale Technologien, KI und strategische Autonomie angekündigt. Die Finanzspritze soll private Investitionen absichern und Innovation in Schlüsselsektoren anschieben.
Die Debatte dreht sich nicht mehr darum, ob gehandelt werden muss, sondern wie. Die Erfolge ähnlicher Industriepolitiken in den USA und Asien haben in Europa zu einer neuen Dringlichkeit geführt. Jetzt geht es um die konkrete Ausgestaltung von Anreizen, staatlichen Beihilfen und möglichen Produktionszielen.
Ausblick: Entscheidende Wochen stehen bevor
Die formelle Vorstellung des Industrial Accelerator Act ist für den 29. Januar geplant, Verzögerungen sind jedoch möglich. Noch werden Schlüsseldetails zu Finanzierungsmechanismen, möglichen Quoten für europäische Produkte und Anpassungen der Beihilferegeln finalisiert.
Doch diese Woche markiert einen Wendepunkt. Die EU ergänzt ihre regulatorische Führungsrolle entschlossen durch eine kraftvolle Industriestrategie. Mit der Förderung heimischer KI-Hardware-Produktion und der nötigen Infrastruktur unternimmt Brüssel einen kalkulierten Vorstoß, um die wirtschaftliche Zukunft zu sichern und im KI-Zeitalter eine echte Technologiemacht zu werden.
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