Mit neuen Rechtsverordnungen und laufenden Pilotprojekten nimmt die EU Digital Identity Wallet (EUDIW) konkrete Formen an. Bis 2030 sollen 80 Prozent der Bürger Zugang zu einer digitalen Identität haben.
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Rechtsrahmen für die digitale Identität gefestigt
Ein entscheidender Schritt gelang am 7. April 2026: Die EU-Kommission verabschiedete die Durchführungsverordnung CIR (EU) 2026/798. Diese legt verbindliche Standards für die Remote-Onboarding-Prozesse aller EUDIW-Nutzer fest. Grundlage ist der technische Standard ETSI TS 119 461 V2.1.1, der ab sofort für alle Mitgliedsstaaten verbindlich ist.
Parallel dazu nimmt der Europäische Gesundheitsdatenraum (EHDS) Gestalt an. Die Kommission veröffentlichte Entwürfe für Durchführungsverordnungen, die vorschreiben, dass Mitgliedsstaaten sektorspezifische elektronische Eigenschaftsbescheinigungen (EAAs) ausstellen müssen. Das Gesundheitswesen wird damit zur zentralen Anwendung für die digitale Brieftasche.
Pilotprojekte und Akzeptanzhürden
Die Technik steht, doch die größte Herausforderung bleibt der Mensch. „Die Technologie ist bereit, aber die Menschen zur aktiven Nutzung zu bewegen, ist eine ganz andere Aufgabe“, sagt John Erik Setsaas, Principal Advisor bei Setsaas Trust Advisory.
Ein Blick nach Deutschland verdeutlicht das Problem: Die deutsche EUDI Wallet soll zwar Anfang 2027 für alle Bürger starten, doch aktuell kann nur ein Bruchteil der Bevölkerung erklären, was die digitale Brieftasche eigentlich ist. Diese Wissenslücke müssen Unternehmen berücksichtigen, die auf Wallet-basierte Onboarding-Strategien setzen.
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Für Banken kommt erschwerend hinzu: Viele Kreditinstitute sehen in der EUDIW lediglich ein weiteres Login-Verfahren – und übersehen dabei das Potenzial. Die Brieftasche könnte digitale Onboarding-Prozesse revolutionieren, die gerade bei Geschäftskunden oft zeitaufwendig und kostspielig sind. Verifizierte Informationen direkt aus der Wallet und verbesserte Betrugsprävention durch Zwei-Wege-Verifikation sind nur zwei Vorteile.
Die Europäische Agentur für Cybersicherheit (ENISA) stellte Anfang 2026 allerdings fest: Noch keine EUDIW wurde vollständig eingesetzt oder zertifiziert. Die Spezifikationen werden noch verfeinert. Das wirft Fragen auf, ob alle Mitgliedsstaaten die Dezember-Frist 2026 einhalten können.
Zeitplan und sektorale Anforderungen
Der Rollout der EUDIW beginnt schrittweise ab 2026, die breite Einführung ist für 2027 geplant. Bis Ende 2026 müssen die Mitgliedsstaaten mindestens eine nationale digitale Brieftasche für Bürger und Unternehmen bereitstellen.
Dienstleister in Bereichen mit starker Kundenauthentifizierung – insbesondere Banken, Gesundheitswesen und Telekommunikation – sind ab 2027 verpflichtet, die Wallet zu akzeptieren. Die Nutzung ist freiwillig und für private Zwecke kostenlos.
Ausblick: Vertrauen als Schlüssel
Die EU Digital Identity Wallet ist ein Eckpfeiler der digitalen Transformation Europas. Sie verspricht ein nutzerkontrolliertes digitales Werkzeug für Identitätsnachweise, Dokumentenspeicherung und elektronische Signaturen über alle Mitgliedsstaaten hinweg.
Doch der Erfolg hängt an zwei entscheidenden Faktoren: der Aufklärung der Bürger und der nahtlosen Integration in bestehende Systeme. Während die Mitgliedsstaaten ihre Systeme anpassen und kompatible Anwendungen entwickeln, bleibt die zentrale Aufgabe, Vertrauen aufzubauen und die praktischen Vorteile für die Menschen erlebbar zu machen.

