Die Warnung vom gestrigen Dienstag ist Teil einer laufenden Kartelluntersuchung und fällt in eine Phase tiefgreifender Umwälzungen in der gesamten Kommunikationsbranche.
Meta unter Druck: KI-Gebühren und Messenger-Strategie
Die EU-Behörden sehen in den Zugangsgebühren, die Meta von Drittanbietern für KI-Integrationen in WhatsApp verlangt, einen möglichen Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung. Das Unternehmen argumentiert, die Gebühren seien nötig, um Qualität zu sichern und unfaire Subventionierung zu verhindern. Die Kommission fürchtet jedoch, Innovation im aufstrebenden Markt für KI-Assistenten zu ersticken. Die Entscheidung dürfte wegweisend für die Frage sein, wie viel Kontrolle Plattformbetreiber über ihre Ökosysteme ausüben dürfen.
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Parallel stellt Meta seinen Messenger-Dienst um. Seit heute ist die eigenständige Website messenger.com abgeschaltet. Nutzer müssen nun entweder die Mobile App oder die Facebook-Hauptseite verwenden – eine Änderung, die vor allem Geschäftskunden mit etablierten Desktop-Workflows treffen wird.
Der Messaging-Markt bleibt in Bewegung: Samsung stellt seinen hauseigenen Nachrichtendienst „Samsung Messages“ bis Juli ein und verweist Nutzer auf Google Messages. Für Besitzer älterer Geräte wie der Galaxy Watch 3 könnte das den Verlust des gesamten Chat-Verlaufs bedeuten. Andere Anbieter rüsten auf: Signal erhöhte die maximale Teilnehmerzahl bei Gruppenanrufen auf 75, während Binance heute einen In-App-Chatraum mit integriertem Krypto-Transfer startete.
Amazon steigt mit Milliardendeal ins Satellitengeschäft ein
Die Zukunft der Mobilfunknetze wird zunehmend im All entschieden. Amazon gab gestern die Übernahme des Satellitenbetreibers Globalstar für rund 10,8 Milliarden Euro bekannt. Das ist ein klarer Schachzug im Wettlauf mit SpaceX und dessen Starlink-Projekt. Amazon sichert sich wertvolle Frequenzen und plant, ab 2028 eigene Direct-to-Device-Systeme (D2D) zu starten. Zuvor muss der Konzern jedoch bis Juli 1600 Satelliten ins All bringen – eine gewaltige Steigerung gegenüber der aktuellen Flotte von etwa 250 Einheiten.
Auch in Europa schreitet die satellitengestützte Mobilkommunikation voran. Die britische Regulierungsbehörde Ofcom erlaubte gestern dem Mobilfunker VodafoneThree, D2D-Dienste im 900-MHz-Band anzubieten. Das soll 4G- und 5G-Abdeckung in bisherigen Funklöchern ermöglichen. Partner AST SpaceMobile will noch im Sommer Kundentests starten und seine Satellitenflotte bis Jahresende von 6 auf 45 bis 60 Einheiten ausbauen.
Android 17 und KI-gesteuerte Netze stehen vor dem Start
Auf der Softwareseite bereitet Google die Enthüllung von Android 17 für die I/O-Konferenz am 19. und 20. Mai vor. Das Betriebssystem setzt stark auf „Agentic AI“ – KI-Tools, die über Google Gemini komplexe Aufgaben automatisch erledigen können. Erste Canary-Builds zeigen bereits ein neu organisiertes Benachrichtigungsmenü. Die stabile Version wird für Juni oder Juli erwartet und bringt strengere Datenschutzkontrollen, etwa einen systemweiten Kontakt-Auswahldialog.
Die Netzinfrastruktur wird ebenfalls intelligenter. Nokia und Orange gaben gestern eine mit NVIDIA unterstützte Kooperation bekannt, um KI-gesteuerte Funkzugangsnetze (AI-RAN) zu evaluieren. Ziel ist eine bessere Spektraleffizienz. Ähnliche Pläne verfolgt SK Telecom mit Partner Ericsson. Diese Netze sollen den Datendurchsatz erhöhen und gleichzeitig den Energieverbrauch senken – eine strategische Vorbereitung auf die 6G-Ära ab 2031.
Globale Initiativen und wachsende Sicherheitsrisiken
In Asien schmiedeten japanische Telekomriesen wie NTT DOCOMO und SoftBank gestern ein Bündnis. Der „Tokyo Accord“ definiert eine gemeinsame 6G-Agenda und priorisiert den flächendeckenden 5G-Ausbau. Ein zentrales Thema ist die Überwindung der „digitalen Kluft“ bei Senioren über 80 Jahren. Der Pakt warnt auch vor den wirtschaftlichen Folgen digitaler Betrugsmaschen, die 2025 Schäden von umgerechnet rund 1,9 Milliarden Euro verursachten.
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Die Bedrohung durch Cyberangriffe wächst global. Das FBI und CISA warnten im April vor ausgeklügelten Phishing-Kampagnen, die auf Nutzer verschlüsselter Messenger wie WhatsApp und Signal abzielen. Angreifer, mutmaßlich staatliche Akteure, kompromittieren dabei nicht die Verschlüsselung, sondern übernehmen gezielt Konten von Regierungsmitarbeitern oder Journalisten.
Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich die Grenzen zwischen terrestrischen und satellitengestützten Netzen endgültig auflösen. Während Technologiekonzerne in eine integrierte Zukunft drängen, behalten die Regulierungsbehörden das letzte Wort – wie der aktuelle Disput zwischen der EU und Meta eindrucksvoll beweist.





