Die EU-Kommission hat eine neue Untersuchung gegen Google eingeleitet. Sie prüft, ob der Tech-Konzern die Preise für Suchanzeigen künstlich in die Höhe treibt. Diese Vorwürfe treffen den profitabelsten Kern von Googles Geschäft.
Kernvorwürfe: Manipulierte Auktionspreise?
Im Zentrum der Ermittlungen steht der Verdacht, Google manipuliere den „Clearing-Preis“ in seinen Echtzeit-Auktionen für Suchanzeigen. Laut Dokumenten, die diese Woche bekannt wurden, hat die Kommission am 9. Februar 2026 formelle Informationsanfragen an Werbetreibende und Marktteilnehmer verschickt. Sie sollen bis zum 2. März 2026 Auskunft geben.
Betreiber von Werbeplattformen und Entwickler algorithmischer Auktionssysteme sollten jetzt prüfen, ob ihre Systeme die Anforderungen der EU‑KI‑Verordnung erfüllen. Ein kostenloser Leitfaden erklärt übersichtlich, welche Pflichten, Risikoklassen und Dokumentationsanforderungen für KI-Systeme gelten – besonders relevant für alle, die mit automatisierten Gebots- und Matching‑Algorithmen arbeiten. Jetzt kostenlosen Leitfaden zur EU‑KI‑Verordnung herunterladen
Konkret geht es um die Algorithmen, die festlegen, was ein Unternehmen pro Klick zahlt. Die EU-Wettbewerbshüter fragen, ob spezielle Anpassungen oder Mindestpreisgrenzen die Transaktionskosten über ein faires Marktniveau heben. Bislang betonte Google stets, die Preise entstünden durch echten Wettbewerb und Nachfrage.
Googles milliardenschwere Risiken
Die Vorwürfe könnten für den Alphabet-Konzern teuer werden. Für das Gesamtjahr 2025 meldete das Unternehmen einen Umsatz von rund 402,8 Milliarden US-Dollar. Nach EU-Kartellrecht drohen Bußgelder von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Im theoretischen Maximum wären das über 40 Milliarden Dollar.
Google verteidigt sein Modell. Die Auktionspreise seien das Ergebnis von Nachfrage, Wettbewerb und Anzeigenqualität, so ein Unternehmenssprecher. Das System sei effizient und gerade für kleine Unternehmen ein wichtiges Werkzeug. Die Konzernanwälte dürften argumentieren, dass Auktionsinnovationen die Relevanz der Werbung verbessert hätten.
Chronik eines Dauerstreits
Die neue Prüfung ist nur das jüngste Kapitel im jahrelangen Machtkampf zwischen Brüssel und dem Tech-Riesen. Erst im September 2025 verhängte die Kommission eine Rekordstrafe von 2,95 Milliarden Euro gegen Googles Werbetechnologie-Geschäft (Adtech). Damals ging es um unfaire Bevorzugung eigener Dienste.
Seitdem hat der Druck nicht nachgelassen. Bereits im Dezember 2025 startete die EU eine separate Kartelluntersuchung zur Nutzung von Online-Inhalten für das Training von Googles KI-Modelle. Die neue Ermittlung zielt nun direkt auf die lukrativen Suchanzeigen – die Cash-Cow des Konzerns.
Was kommt auf die Werbebranche zu?
Aktuell sammelt die Kommission in einer Vorprüfung Beweise. Bestätigen die Antworten der Werbetreibenden bis März die Bedenken, könnte ein formelles Kartellverfahren folgen. Für die gesamte Digitalwerbebranche bedeutet das neue Unsicherheit.
Werbetreibende klagen seit langem über intransparente „Blackbox“-Algorithmen. Ein regulatorischer Erfolg der EU könnte sie ermutigen, mehr Transparenz und sogar Schadensersatz einzufordern. Juristen betonen jedoch, dass der Nachweis einer Manipulation in komplexen Algorithmen-Auktionen technisch äußerst schwierig ist.
Weitreichende Folgen für den globalen Markt
Sollte die EU Google zu Änderungen an seiner Auktionslogik zwingen, könnte das die Werbekosten für Unternehmen in Europa senken. Es würde zudem einen Präzedenzfall für andere Jurisdiktionen schaffen – auch für die USA, wo das Justizministerium ähnliche Fragen zu digitalen Werbemonopolen verfolgt.
Bis dahin steht Google vor der Doppelbelastung, diese neue Untersuchung zu managen und gleichzeitig die Milliardensstrafe vom Vorjahr anzufechten. Die nächsten Wochen bis zum Antwortschluss am 2. März werden zeigen, wie ernst die neuen Vorwürfe sind.





