EU geht gegen Meta vor: WhatsApp soll KI-Konkurrenz öffnen

Die EU-Wettbewerbshüter beschuldigen Meta, durch den Ausschluss von Dritt-KIs auf WhatsApp das Kartellrecht zu brechen und drohen mit sofortigen Gegenmaßnahmen.

Die EU-Kommission wirft Meta vor, mit seiner KI-Politik auf WhatsApp gegen Wettbewerbsrecht zu verstoßen. Notfallmaßnahmen könnten den Messengerdienst kurzfristig für Dritt-Anbieter öffnen.

Brüssel erhöht den Druck auf Meta massiv. Die EU-Wettbewerbshüter haben dem Tech-Konzern offiziell mitgeteilt, dass seine Praxis, fremde KI-Assistenten von WhatsApp auszuschließen, gegen EU-Kartellrecht verstößt. In einer sogenannten Einwendungsschrift legte die Kommission ihre vorläufige Einschätzung dar: Meta missbrauche seine marktbeherrschende Stellung, um den eigenen Dienst Meta AI zu begünstigen.

Besonders brisant: Die Behörde droht mit einstweiligen Maßnahmen, um einen „ernsten und irreparablen Schaden“ für den aufstrebenden KI-Markt abzuwenden. Diese seltene, schnelle Intervention zeigt, wie dringlich europäische Regulatoren die Rolle großer Plattformen als Türsteher für neue Technologien sehen. Meta könnte gezwungen werden, seine Blockade rivalisierender Chatbots auf WhatsApp noch während der laufenden Untersuchung aufzuheben.

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Kern des Streits: WhatsApp als geschlossenes Ökosystem

Der Konflikt entzündet sich an einer Richtlinienänderung vom Oktober 2025. Seit ihrer vollständigen Umsetzung Mitte Januar dieses Jahres verbieten die aktualisierten WhatsApp Business-Nutzungsbedingungen generische KI-Assistenten von Drittanbietern. Die Folge: Für die rund 400 Millionen europäischen Nutzer ist nur noch Metas hauseigene KI erreichbar.

Die EU-Kommission, die ihre Untersuchung bereits im Dezember 2025 einleitete, sieht darin einen illegalen Machtmissbrauch. Messaging-Dienste wie WhatsApp gelten in Brüssel als kritischer Zugangspunkt für KI-Dienste zum Verbraucher. Die Blockade könne Wettbewerber aussperren und kleinere Player im hochdynamischen KI-Sektor marginalisieren. „Wir müssen einen wirksamen Wettbewerb in diesem lebendigen Feld schützen“, betonte Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera.

Wettlauf gegen die Zeit: Regulatoren unter Druck

Die schnelle Gangart der Behörde erklärt sich aus der rasanten Entwicklung der KI-Märkte. Die vorläufige Schlussfolgerung lautet: Metas Vorgehen könnte das Wettbewerbsgefüge irreparabel schädigen – ein klassischer Fall für Notfallmaßnahmen.

Die EU handelt nicht allein. Wettbewerbsbehörden in Italien und Brasilien sind bereits mit ähnlichen Vorwürfen gegen Metas KI-Politik auf WhatsApp vorgegangen. Diese globale Skepsis signalisiert einen wachsenden Konsens: Die Schnittstelle von etablierter Plattform-Macht und aufstrebender KI-Technologie braucht scharfe Kontrolle, um faire Chancen für alle zu gewährleisten. Der EU-Fall könnte einen weltweiten Präzedenzfall für KI-Interoperabilität auf großen Digitalplattformen schaffen.

Metas Verteidigung: „Keine faktische Grundlage“

Der Konzern wehrt sich entschieden gegen die Vorwürfe. Ein Unternehmenssprecher wies die Einwände als „sachlich unbegründet“ zurück. Die Logik der Kommission sei fehlerhaft. Metas Position: Die WhatsApp Business API sei kein primärer Vertriebskanal für KI-Chatbots. Verbraucher hätten zahlreiche alternative Zugänge – über App-Stores, Websites oder Betriebssysteme.

Meta hatte zuvor argumentiert, eine Flut von Dritt-KIs auf der Plattform könnte die Systeme überlasten, die ursprünglich nicht für solch intensive Nutzung ausgelegt waren. Das Unternehmen bestreitet zudem die Marktdefinition der EU und die These, WhatsApps Rolle als „Gatekeeper“ sei so entscheidend, wie Regulatoren behaupten.

Was kommt als Nächstes?

Die formellen Vorwürfe aus Brüssel sind eine der bislang schärfsten regulatorischen Herausforderungen für die KI-Strategie eines Tech-Giganten. Sie zielen direkt auf Metas Kontrolle über sein riesiges Kommunikations-Ökosystem. Die Androhung einstweiliger Maßnahmen – ein Werkzeug, das die Kommission sparsam einsetzt – signalisiert eine geringe Toleranz für wettbewerbswidriges Verhalten in diesem Schlüsselsektor.

Die nächsten Schritte sind klar: Meta hat nun Gelegenheit, offiziell auf die Einwände zu antworten. Anschließend entscheidet die Kommission über die Verhängung der Notfallmaßnahmen parallel zur Hauptuntersuchung. Sollte es dazu kommen, würde eine der größten Messaging-Plattformen der Welt vorübergehend für KI-Konkurrenten geöffnet – ein Sieg für kleinere KI-Firmen und ein Dämpfer für Metas Strategie, die eigene KI tief in alle Apps zu integrieren.

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