Die Europäische Kommission hat eine großangelegte Ausschreibung für den Aufbau von bis zu sieben KI-Gigafabriken gestartet, um die digitale Souveränität Europas zu stärken. Das Vorhaben umfasst öffentliche Mittel in Höhe von bis zu €10 Mrd. (entspricht 11,4 Mrd. US-Dollar), wobei zusätzliche private Investitionen von mindestens €20 Mrd. (22,8 Mrd. US-Dollar) erwartet werden. Damit beläuft sich das geplante Gesamtvolumen des Projekts auf über €30 Mrd. Ziel der Initiative ist es, eine weitreichende Unabhängigkeit von US-amerikanischen Cloud-Anbietern zu erreichen.
Strukturierte Förderung in zwei Losen
Die aktuelle Ausschreibung der EU-Kommission ist in zwei Lose unterteilt, um unterschiedliche Projektgrößen und Anforderungen abzudecken. Los 1 sieht die Förderung von bis zu vier Projekten vor. Jedes dieser Vorhaben kann in einer ersten Phase bis zu €100 Mio. erhalten, gefolgt von weiteren €400 Mio. in der zweiten Phase. Los 2 umfasst bis zu drei Projekte, die mit jeweils bis zu €200 Mio. in Phase 1 und zusätzlich €800 Mio. in Phase 2 gefördert werden können.
Das Projekt wird durch das Gemeinsame Unternehmen für europäisches Hochleistungsrechnen (EuroHPC JU) koordiniert. Die Anzahl der geplanten Gigafabriken wurde im Rahmen der aktuellen Strategie von ursprünglich fünf auf sieben erhöht, um die bestehende Infrastruktur von 19 KI-Fabriken in der Union signifikant zu erweitern.
Zeitplan und Beteiligung der Mitgliedstaaten
An dem Vorhaben sind insgesamt 18 Mitgliedstaaten beteiligt. Bisher haben zehn Länder konkret ihr Interesse bekundet, darunter Deutschland, Italien, Frankreich, Polen und Tschechien sowie Dänemark, Finnland, Griechenland, Portugal und Spanien. Frankreich plant zudem die Einreichung eines eigenständigen Angebots.
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Interessierte Konsortien können ihre Bewerbungen bis zum 12.11.2026 einreichen. Eine Entscheidung über die Auftragsvergabe soll Anfang 2027 fallen. Der Baubeginn der Gigafabriken ist ebenfalls für das Jahr 2027 vorgesehen, wobei die Anlagen innerhalb von 18 Monaten nach der Vertragsunterzeichnung den Betrieb aufnehmen sollen. Laut Planungen soll jede dieser Fabriken mit über 100.000 Hochleistungs-KI-Chips ausgestattet sein.
Strategische Partnerschaften und industrieller Kontext
Um die Versorgung mit der notwendigen Hardware sicherzustellen, hat die EU-Kommission bereits Absichtserklärungen mit den Chip-Herstellern AMD, Nvidia und Qualcomm geschlossen. EU-Kommissarin Henna Virkkunen bezeichnete das Projekt als eine strategische Notwendigkeit im globalen Wettbewerb mit den USA und China. Aktuell haben bereits 76 Konsortien ihr Interesse an dem Programm signalisiert, wobei 60 potenzielle Standorte in 16 Ländern zur Auswahl stehen.
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Der Vorstoß erfolgt vor dem Hintergrund eines wachsenden Bedarfs an heimischen Kapazitäten. Analysten von Forrester wie Dario Maisto weisen darauf hin, dass europäische Anbieter derzeit nur etwa 15 % des Cloud-Marktes halten. Unternehmen würden jedoch zunehmend dazu übergehen, technologische Souveränität von Beginn an in ihre Projekte zu integrieren.
Parallel zur Kommissionsinitiative fordert eine Gruppe europäischer Tech-Unternehmer um Armand Thiberge zusätzliche öffentliche Investitionen von €20 Mrd. in ein europäisches Frontier-KI-Modell. Diese schlagen eine staatlich-private Partnerschaft vor, bei der Regierungen eine „Golden Share“ halten sollten. Ziel sei die Entwicklung eines Modells unter den weltweiten Top 3, das von 2.000 Ingenieuren betreut wird. Hintergrund dieser Forderung ist die aktuelle Marktposition: Unter den Top 100 der KI-Modelle ist mit Mistral AI auf Platz 78 derzeit nur ein einziger europäischer Vertreter gelistet.

