Die Europäische Kommission hat das Bieterverfahren für bis zu sieben KI-Gigafabriken eröffnet – ein Projekt, das Europas technologische Souveränität sichern soll. Doch Wien bleibt außen vor, was in Österreich für heftigen politischen Zündstoff sorgt.
Milliarden für Europas KI-Infrastruktur
Mit dem Ende Juli gestarteten Programm will die EU leistungsfähige Rechenzentren aufbauen, um die Abhängigkeit von amerikanischer und chinesischer Technologie zu verringern. Insgesamt sind 30 Milliarden Euro an Investitionen geplant. Zehn Milliarden davon kommen aus öffentlichen Mitteln, die sich die EU und die teilnehmenden Mitgliedstaaten hälftig teilen. Die Kommission erwartet, dass diese Summe weitere 20 Milliarden Euro an privaten Investitionen anzieht.
Die technischen Anforderungen sind ambitioniert: Jede Gigafabrik soll mehr als 100.000 KI-Beschleuniger beherbergen. Als Hauptlieferanten der Hardware gelten die großen Halbleiterhersteller wie Nvidia, AMD und Qualcomm. Das Projekt ist in zwei Kategorien aufgeteilt: Die erste umfasst bis zu vier Standorte mit kleineren Fördersummen, die zweite bis zu drei Großanlagen mit Fördergeldern von bis zu einer Milliarde Euro pro Standort.
Wiener Aus bootet politische Debatte aus
Ausgerechnet Wien, das zunächst Interesse signalisiert hatte, geht bei der Vergabe leer aus. Wiens Vizebürgermeisterin Barbara Novak machte ihrer Kritik Luft – sowohl an der EU als auch an der österreichischen Bundesregierung. Ihre Analyse: Die Ausschreibung habe sich stärker auf die langfristige Beschaffung von KI-Rechenleistung verlagert statt auf den Infrastrukturaufbau. Das habe Wiens Bewerbung benachteiligt.
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Novak betonte, Österreich habe sich nicht an dem geforderten gemeinsamen Beschaffungsansatz beteiligt. Dabei hatte die Stadt die Grundlagen längst vorbereitet: ausreichende Energiekapazitäten und Pläne, die Abwärme der Anlagen ins Fernwärmenetz einzuspeisen.
Die Opposition reagiert scharf. Dominik Nepp, Wiener FPÖ-Chef, fordert volle Transparenz über die für Öffentlichkeitsarbeit ausgegebenen Steuergelder. Er wirft der Stadtverwaltung vor, Projekte gefeiert zu haben, die letztlich scheiterten.
Europas Antwort auf die US-Dominanz
Trotz der österreichischen Verstimmung ist das Interesse auf dem Kontinent enorm: Rund 18 Mitgliedstaaten sind beteiligt, 76 Konsortien haben bereits Interesse angemeldet. Auch deutsche Schwergewichte wie die Telekom und Ionos sind offenbar mit von der Partie.
Koordiniert wird das Netzwerk von der EuroHPC Joint Undertaking (EuroHPC JU). Ziel ist es, Europas derzeitige KI-Rechenkapazität zu vervierfachen. Branchenkenner relativieren jedoch: Die 30-Milliarden-Euro-Planung der EU sei zwar beachtlich, stehe aber in hartem Wettbewerb mit US-Tech-Konzernen, die allein 2026 voraussichtlich über 600 Milliarden Dollar in Rechenzentren investieren werden.
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Zeitplan: Wann die ersten Fabriken laufen
Interessierte Konsortien und Mitgliedstaaten können sich noch bis zum 12. November 2026 bewerben. Die Vergabeentscheidung will die Kommission Anfang 2027 abschließen, der Bau soll noch im selben Jahr beginnen. Nach 18 Monaten Bauzeit könnten die ersten Anlagen Mitte 2028 in Betrieb gehen.
Ein Wermutstropfen: Im aktuellen EU-Haushalt sind nur eine Milliarde Euro verfügbar. Der Rest hängt von den Verhandlungen über den nächsten mehrjährigen Finanzrahmen ab – ob die ehrgeizigen Ziele also wirklich erreicht werden, bleibt abzuwarten.

