EU-KI-Rechenzentrum: Wien fliegt aus Rennen um Milliarden

Österreichs Hauptstadt scheitert bei EU-Ausschreibung für KI-Rechenzentren. Kritik an Bundesregierung und EU wird laut, während 76 Konsortien im Rennen bleiben.

Österreichs Hauptstadt geht bei der Vergabe eines europäischen KI-Rechenzentrums leer aus – ein Streit über die Gründe ist entbrannt.

Wien wird keinen der geplanten EU-Standorte für Hochleistungs-KI-Rechenzentren erhalten. Das Projekt scheiterte an geänderten Anforderungen der Ausschreibung und fehlender Beteiligung Österreichs an einer gemeinsamen Beschaffungsinitiative. Der Zeitpunkt ist brisant: Erst am 30. Juli startete die EU-Kommission offiziell das Bewerbungsverfahren für das Milliardenprogramm.

Der Streit um die Gründe

Wiens Vizebürgermeisterin Barbara Novak übt scharfe Kritik – sowohl an der EU als auch an der Bundesregierung. Die Stadt hatte ihre Hausaufgaben gemacht: Energieversorgung stand, sogar die Nutzung der Abwärme für das Fernwärmenetz war geplant. Doch die finale Ausschreibung verlagerte ihren Schwerpunkt auf die langfristige Beschaffung von KI-Rechenleistung. Österreich beteiligte sich nicht an dem dafür nötigen gemeinsamen Beschaffungsverfahren. Die Folge: Wien flog aus dem Rennen.

Die politische Aufarbeitung lässt nicht lange auf sich warten. Die Wiener FPÖ um Dominik Nepp wirft Bürgermeister Michael Ludwig vor, das Projekt für PR-Zwecke genutzt zu haben, ohne konkrete Ergebnisse zu liefern. Nepp fordert Transparenz über die bereits investierten öffentlichen Mittel für Vorarbeiten und Werbung.

Befürworter des Standorts verweisen dagegen auf die technische Eignung Wiens. Die bestehende Energieinfrastruktur und das Potenzial für nachhaltigen Betrieb durch Wärmerückgewinnung hätten die Stadt zum idealen Kandidaten gemacht.

Europas Milliarden-Wette auf KI-Souveränität

Das Aus für Wien kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die EU-Kommission will mit dem Programm die europäische Souveränität im globalen KI-Wettrennen gegen die USA und China stärken. Rund zehn Milliarden Euro fließen aus öffentlichen Mitteln, weitere mindestens 20 Milliarden Euro sollen private Investoren beisteuern.

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Das Programm ist in zwei Kategorien aufgeteilt:

  • Lot 1: Bis zu vier Projekte mit jeweils 100 Millionen Euro Startfinanzierung und weiteren 400 Millionen Euro
  • Lot 2: Bis zu drei Projekte mit jeweils 200 Millionen Euro initial und 800 Millionen Euro in der Folge

Jede Fabrik soll mit mindestens 100.000 KI-Chips ausgestattet werden. Um die Hardware-Lieferungen zu sichern, hat die Kommission bereits Absichtserklärungen mit Halbleiterriesen wie AMD, Nvidia und Qualcomm unterzeichnet.

Wer sind die Favoriten?

Von den 18 beteiligten Mitgliedsstaaten haben sich bislang nur wenige direkt um einen Standort beworben: Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Polen und Tschechien. Frankreich erwägt offenbar sogar ein eigenständiges Angebot.

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Interessierte Konsortien können sich noch bis zum 12. November 2026 bewerben. Die Entscheidung über die Gewinnerstandorte will die Kommission Anfang 2027 verkünden. Der Bau soll noch im selben Jahr beginnen – die Anlagen müssen dann innerhalb von 18 Monaten nach Vertragsunterzeichnung betriebsbereit sein.

Die aktuellen Zahlen zeigen das enorme Interesse: 76 Konsortien und 60 mögliche Standorte in 16 Ländern haben sich bislang für das Programm registriert. Ein Wettbewerb, bei dem Wien nun nur noch zuschauen kann.