EU Kids Act: Kommission stellt Mindestalter für soziale Medien vor

Der EU Kids Act soll Minderjährige durch Altersgrenzen, datensparsame Verifikation und Vorgaben gegen Suchtfunktionen im Netz besser schützen.

Die Europäische Kommission bereitet für Donnerstag, den 17. September 2026, die offizielle Vorstellung des sogenannten EU Kids Act vor. Das Gesetzespaket soll erstmals ein EU-weites Mindestalter für die Nutzung sozialer Medien festlegen und verbindliche Sicherheitsstandards nach dem Prinzip „safe by design“ einführen.

Wie Kommissionssprecher Olof Gil bestätigte, richtet sich der Entwurf gegen Risiken auf sozialen Netzwerken, Videoplattformen, in Online-Spielen sowie bei KI-basierten Chatbots und digitalen Begleitern.

Umfassende Sicherheitsvorgaben für digitale Produkte

Kern des Gesetzesvorhabens ist die Verpflichtung für Plattformbetreiber, die Sicherheit ihrer Produkte für minderjährige Nutzer proaktiv nachzuweisen. Unter den Begriff „Social Media Plus“ fallen demnach nicht nur klassische Netzwerke, sondern auch Gaming-Plattformen mit integrierten Chat-Funktionen sowie KI-Chatbots. Von den neuen Regelungen ausgenommen bleiben sollen hingegen digitale Werkzeuge, die primär Bildungszwecken dienen.

Ein zentraler Aspekt der Initiative ist die Entschärfung von Funktionen, die ein hohes Suchtpotenzial aufweisen. Dazu gehören personalisierte Empfehlungsalgorithmen sowie sogenannte Lootboxen in Spielen. Plattformen, die nachweislich auf solche Mechanismen verzichten und stattdessen kindgerechte Strukturen implementieren, könnten von bestimmten Beschränkungen ausgenommen werden.

Zur Durchsetzung der Regeln plant die Kommission eine Aufsichtsstruktur, die sich am Digital Services Act (DSA) und dem KI-Gesetz orientiert. Dies schließt die Erhebung von Aufsichtsgebühren bei den betroffenen Unternehmen ein.

Debatte um die Altersgrenze und Verifikationssysteme

Obwohl die Vorstellung des Entwurfs unmittelbar bevorsteht, herrscht über die genaue Altersgrenze noch keine vollständige Einigkeit. Berichten zufolge forderte Frankreich zuletzt eine Grenze von unter 15 Jahren, während Spanien eine Anhebung auf 16 Jahre befürwortet.

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Experten der Kommission plädierten unterdessen für ein Mindestalter von 13 Jahren, sofern ein kontrollierter Zugang gewährleistet ist. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte bereits im Juli ein Stufenmodell als eine sehr überzeugende Lösung bezeichnet. Laut Informationen von Bloomberg wird derzeit eine Beschränkung für Kinder unter 15 Jahren geprüft.

Um diese Grenzen wirksam zu kontrollieren, sieht der EU Kids Act verschiedene Methoden der Altersverifikation vor. Diskutiert werden die Vorlage von Ausweisdokumenten sowie die Schätzung des Alters mittels biometrischer Verfahren. Ein geplantes EU-weites System soll es ermöglichen, das Alter eines Nutzers rechtssicher zu bestätigen, ohne dabei dessen vollständige Identität gegenüber der Plattform offenzulegen.

Initiativen der Mitgliedstaaten und internationale Entwicklungen

Die Niederlande und Spanien hatten bereits am 11. September 2026 in einem gemeinsamen Vorschlag an die Kommission ein EU-weites Mindestalter gefordert. In ihrem Koalitionsvertrag für die Jahre 2026 bis 2030 favorisieren die Niederlande eine Grenze von 15 Jahren, während Spanien auf 16 Jahre setzt. Beide Länder betonten die Notwendigkeit eines Rahmens zur Bewertung der Kindersicherheit und drängten auf datenschutzfreundliche Verifikationslösungen.

Parallel zu den europäischen Bestrebungen verschärfen auch andere Regionen ihre Regulierung. Auf den Philippinen wurde am 13. September 2026 über den „Children’s Social Media and Online Gaming Safety Bill“ beraten. Dieser sieht vor, Kinder unter 13 Jahren gänzlich von sozialen Medien auszuschließen.

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Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren sollen zudem vor potenziell schädlichen Funktionen wie Kurzvideos und Gruppenchats geschützt werden. Auch dort wird an Modellen gearbeitet, die eine Altersprüfung ohne Preisgabe persönlicher Daten ermöglichen, wobei nationale Identitätsdokumente als Basis dienen könnten.

Der Entwurf der EU-Kommission wird nach seiner Vorstellung am Donnerstag als Grundlage für die weiteren Verhandlungen mit dem Europäischen Parlament und den 27 Mitgliedstaaten dienen. Der Text gilt zum jetzigen Zeitpunkt noch als verhandelbar.