EU-Kommission fordert 300 Milliarden Euro für Künstliche Intelligenz

Strategieberater fordern 300 Milliarden Euro Investitionen, um Europas technologische Souveränität im KI-Wettlauf zu sichern.

Brüssel – Europa droht im globalen KI-Wettlauf abgehängt zu werden – das wollen Strategieberater der EU-Kommission nun mit einem massiven Investitionsprogramm verhindern. Die Empfehlung: 300 Milliarden Euro in die europäische Künstliche Intelligenz pumpen, um die technologische Souveränität des Kontinents zu sichern.

Die Forderung kommt genau ein Jahr nach dem Start des sogenannten „KI-Kontinent-Aktionsplans“ der EU. Das Geld soll in eine zweite Auflage des „Chips Act“ fließen und den Aufbau riesiger KI-Rechenzentren finanzieren. Ohne diese Summe, warnen Experten, drohe Europa in eine „technologische Abhängigkeit“ von den USA und China zu schlittern.

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Woher soll das viele Geld kommen?

Die Finanzierung ist ambitioniert: Zwischen 30 und 60 Milliarden Euro soll direkt aus dem EU-Haushalt kommen, weitere 50 bis 60 Milliarden von den Mitgliedsstaaten. Den Löwenanteil – rund 200 Milliarden – sollen private Investoren stemmen. Locken will die Kommission mit neuen Regeln und Risikoabsicherungen.

Das passt zur „Spar- und Investitionsunion“, die die EU im Frühjahr 2025 gestartet hat. Die Idee: Europäisches Kapital soll stärker in heimische Technologien fließen. Bislang wandern rund 300 Milliarden Euro jährlich aus EU-Haushalten ins Ausland – vor allem in die USA. Genau diese Summe will man nun umlenken.

Ein weiteres Instrument ist die „InvestAI Facility“. Sie soll Risikokapital und Beteiligungen an KI-Startups fördern. Das Ziel: Europäische Firmen sollen endlich so skalieren können wie ihre Konkurrenten aus Übersee, die von liquideren Kapitalmärkten profitieren.

Gigafabriken für die digitale Souveränität

Das Geld soll vor allem in die Recheninfrastruktur fließen. Schon heute betreibt die EU 19 sogenannte „KI-Fabriken“ und 13 Antennen-Standorte für Supercomputer. Doch das reicht nicht. Die nächste Stufe heißt „KI-Gigafabriken“ – riesige Anlagen, die die weltweit leistungsfähigsten KI-Modelle trainieren können.

Jede dieser Gigafabriken braucht mindestens 100.000 hochspezialisierte KI-Chips. Bislang kommen die meisten davon aus dem Ausland. Der „Chips Act 2.0“ soll das ändern: Bis 2030 will die EU ihren globalen Marktanteil bei Halbleitern auf 20 Prozent verdoppeln. Dafür muss die KI-Energiekapazität auf 20 Gigawatt steigen – das entspricht rund 16 Prozent der weltweiten KI-Rechenleistung.

Frankreich und Polen drängen die Kommission bereits, konkrete Regeln für die Ausschreibung der Gigafabriken vorzulegen. Frankreich selbst hat ehrgeizige Pläne: 109 Milliarden Euro will das Land langfristig in KI-Projekte stecken. Und die Vereinigten Arabischen Emirate haben im Frühjahr 2025 zwischen 30 und 50 Milliarden Euro zugesagt – für Europas größtes KI-Rechenzentrum auf französischem Boden.

Der Wettbewerbsdruck wächst

Die Forderung nach 300 Milliarden Euro kommt nicht aus heiterem Himmel. Schon im Herbst 2024 hatte Mario Draghi, der frühere Chef der Europäischen Zentralbank, in einem Bericht zur europäischen Wettbewerbsfähigkeit vor einem „existenziellen“ Rückstand gewarnt. Seine Empfehlung: 750 bis 800 Milliarden Euro jährlich in alle Sektoren investieren, um nicht abgehängt zu werden. Rund 70 Prozent aller KI-Modelle weltweit entstehen derzeit in den USA.

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Der „KI-Kontinent-Aktionsplan“ setzt auf fünf Säulen: Infrastruktur, Daten, Qualifikation, Anwendung und vereinfachte Regeln. Erste Erfolge gibt es: Die „Datenunion-Strategie“ wurde Ende 2025 gestartet, ein „KI-Omnibus“ soll Rechtssicherheit für Unternehmen schaffen. Erst Anfang dieser Woche stellte die Kommission 63,2 Millionen Euro für KI-Innovationen im Gesundheits- und Online-Sicherheitsbereich bereit.

Doch die Industrie bleibt skeptisch. Manager großer europäischer Konzerne wie Siemens fürchten, dass die strenge Regulierung des KI-Gesetzes Investitionen in liberalere Märkte treiben könnte. Die 300-Milliarden-Empfehlung gilt daher als notwendiges Gegengewicht – die finanzielle „Zuckerbrot“ zur regulatorischen „Peitsche“.

Entscheidende Jahre für Europas digitale Zukunft

Die 300-Milliarden-Forderung markiert den Übergang von der Pilotphase zur industriellen Strategie. Die nächsten zwei Jahre werden zeigen, ob Europa die „digitale Souveränität“ erreicht oder ein Nebenplayer bleibt.

Wichtige Meilensteine: Im Herbst 2026 startet der „Europäische KI-Innovationsmonat“, der erste Ergebnisse der Förderung präsentieren soll. Eine geplante „KI-Akademie“ soll zudem Forscher und Ingenieure für die neue Infrastruktur ausbilden.

Die 300 Milliarden sind ein gewaltiger Brocken. Doch Befürworter argumentieren: Der Einsatz ist es wert. Wenn Europa seine digitalen Dienste auf eigener Infrastruktur, mit eigenen Daten und nach demokratischen Werten aufbaut, hat der Kontinent eine echte Chance. Ob das gelingt, wird sich im Laufe dieser Dekade entscheiden – und über die Rolle Europas in der globalen Technologielandschaft bis 2030.