EU-Label für Rechenzentren: Energie- und Wasserklassen ab 500 kW

Ein neues EU-Label soll Strom- und Wasserverbrauch von Rechenzentren erfassen; der Energiebedarf könnte bis 2030 auf 114 TWh steigen.

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Die Europäische Kommission beabsichtigt, die Installation intelligenter Stromzähler in den Mitgliedstaaten deutlich zu beschleunigen. Hintergrund dieser Maßnahme ist die rasant steigende Nachfrage nach Rechenkapazitäten für Künstliche Intelligenz (KI), die zu einer erheblichen Belastung der Stromnetze führt.

Durch den Einsatz der sogenannten Smart Meter soll die Netzlast besser gesteuert und die Transparenz über den tatsächlichen Energiebedarf erhöht werden.

Neue Effizienzklassen für Rechenzentren

Um den Ressourcenverbrauch der digitalen Infrastruktur zu begrenzen, verabschiedete die EU-Kommission am 21. September 2026 die Einführung eines Energie- und Wasserlabels für Rechenzentren. Diese Regelung betrifft primär Anlagen mit einer installierten Leistung von mehr als 500 kW.

Betreiber kleinerer Anlagen haben die Möglichkeit, sich auf freiwilliger Basis an dem Kennzeichnungssystem zu beteiligen. Das Label umfasst die Klassen A bis G und bewertet die Energieeffizienz (PUE) sowie die Effizienz der Wassernutzung (WUE).

Erste elektronische Labels werden laut Planungen bis zum 15. August 2027 erwartet und sollen jeweils für ein Jahr gültig sein. Eine erste umfassende Überprüfung des Systems ist für Ende 2028 vorgesehen, woraufhin ein Turnus von drei Jahren für weitere Evaluierungen folgen soll.

Neben den reinen Verbrauchsdaten kündigte die Kommission zudem Effizienzklassen an, die auch Netzdienste wie die Nutzung von Abwärme berücksichtigen. Eine öffentliche Konsultation zu den künftigen Mindeststandards für diese Anlagen läuft noch bis zum 14. Dezember 2026.

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Steigender Energiebedarf und regionale Folgen

Die Notwendigkeit dieser Maßnahmen verdeutlichen aktuelle Verbrauchsdaten. Einem Bericht über 770 Rechenzentren zufolge – was etwa 36 % der geschätzten Anlagen in der EU entspricht – lag die durchschnittliche Energieeffizienz (PUE) in Europa zuletzt bei 1,36. In Italien wurde ein Wert von 1,46 ermittelt. Bei der Wassernutzung (WUE) liegt der europäische Durchschnitt bei 0,58, während für Italien 0,70 verzeichnet wurden.

Branchenanalysen zeigen, dass Rechenzentren in der EU im Jahr 2024 rund 68 TWh Strom verbrauchten. Bis zum Jahr 2030 wird ein Anstieg auf 114 TWh prognostiziert. Dies würde einem Anteil von 3,2 % am gesamten Strombedarf der Union entsprechen.

In Finnland geht der Netzbetreiber Fingrid davon aus, dass der Stromverbrauch bei einer vollständigen Umsetzung aller Projekte mit bereits unterzeichneten Netzanschlussverträgen um fast 40 % steigen könnte. In den Niederlanden könnten die neuen EU-Vorgaben Cloud-Anbieter dazu zwingen, bestehende Serverfarmen nachzurüsten, was den Ausbau der digitalen Infrastruktur zusätzlich belasten dürfte.

Ressourcenverbrauch und Stabilisierungsmaßnahmen

Neben dem Strombedarf rückt der Wasserverbrauch in den Fokus. Das deutsche Wirtschaftsministerium beziffert die zur Kühlung benötigte Wassermenge auf durchschnittlich 0,4 bis 4,4 Liter je verbrauchter Kilowattstunde Strom.

Als mögliche Entlastung für die Netze und zur Steigerung der gesellschaftlichen Akzeptanz sehen Betreiber die Nutzung von Abwärme sowie den Anschluss von Notstrombatterien an das öffentliche Stromnetz. Eine Umfrage von E.ON belegt, dass fast drei Viertel der Befragten die Nutzung der entstehenden Abwärme als wesentlichen Faktor für eine positive Wahrnehmung von Rechenzentren einstufen.

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Flankiert werden die infrastrukturellen Pläne durch allgemeine Energiesparappelle. EU-Energiekommissar Dan Jørgensen forderte die nationalen Regierungen laut einem am 27. September 2026 bekannt gewordenen Schreiben dazu auf, freiwillige Maßnahmen zur Reduzierung des Gas- und Stromverbrauchs fortzusetzen.

Aktuelle Daten von Gas Infrastructure Europe zeigen, dass die europäischen Gasspeicher derzeit zu rund 70 % gefüllt sind. Dies liegt etwa 12 Prozentpunkte unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums.

Jørgensen regte an, das Füllziel bei 80 % statt der ursprünglich angestrebten 90 % zu gewichten. Trotz der geringeren Vorräte bestehe laut Einschätzung der Kommission derzeit kein unmittelbares Risiko für die Versorgungssicherheit.