Die Europäische Kommission hält im Arbeitsalltag an Microsoft Teams als primärem Kommunikationswerkzeug fest. Zwar führte die Brüsseler Behörde im Sommer 2026 die Open-Source-Software Element Pro ein, um die eigene digitale Souveränität zu stärken und den Datenschutz zu verbessern. Die neue Anwendung dient derzeit jedoch vor allem als Absicherung und Ausweichlösung, während der US-Dienst weiterhin das dominierende Werkzeug der Belegschaft bleibt.
Interne Kritik und Anlaufschwierigkeiten
Der Schritt hin zu mehr Unabhängigkeit verläuft in der Praxis holprig. Im Gegensatz zu Microsofts Cloud-Lösung wird Element Pro direkt auf der eigenen Infrastruktur der Kommission betrieben. Unter den Beschäftigten regt sich allerdings deutlicher Unmut über den praktischen Nutzen.
Mehrere anonyme Kommissionsmitarbeiter äußerten massive Kritik an der Funktionalität und sprachen der Software jeglichen Mehrwert ab. Ein Beamter bezeichnete das System intern sogar als absolut unbrauchbar, während ein Kollege die Befürchtung äußerte, die USA würden bei einem Technologieausfall sofort die Oberhand gewinnen.
Der Anbieter hält den Bedenken die frühe Phase des Projekts entgegen. Matthew Hodgson, Chief Executive Officer von Element, erklärte laut Berichten vom 30. September 2026, dass sich die Software noch in der Erprobung befinde und Anfangsschwierigkeiten aufweise.
Eine Umstellung von einem etablierten, intensiv genutzten Programm wie Teams sei stets mit schmerzhaften Anpassungen verbunden. Zu den konkreten Konditionen des Vertrags mit der EU machte das Unternehmen keine Angaben. Die Software kommt nicht nur in Brüssel zum Einsatz, sondern wird nach Angaben vom 30. September 2026 auch von der NATO und den Vereinten Nationen verwendet.
Weitreichende Abhängigkeit von US-Dienstleistern
Die anhaltende Nutzung von Microsoft Teams verdeutlicht ein tiefer liegendes Problem der europäischen Verwaltungen. Einer Auswertung des niederländischen Rundfunksenders NOS zufolge, über die am 30. September 2026 berichtet wurde, leiten fast drei Viertel der EU-Institutionen ihre E-Mails über Server US-amerikanischer Technologiekonzerne.
Demnach wickeln die EU-Kommission, die Europäische Verteidigungsagentur sowie mehrere Behörden der Finanzmarktaufsicht, der Terrorismusbekämpfung und der Geldwäschebekämpfung ihren Mailverkehr über Microsoft-Systeme ab. Die Europäische Zentralbank bedient sich eines anderen US-Anbieters.
Auf Nachfragen konnte oder wollte die EU-Kommission laut den NOS-Erhebungen nicht mitteilen, an welchen physischen Standorten ihre E-Mail-Daten gespeichert werden.
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Andere europäische Institutionen gehen hingegen restriktivere Wege: Das Europäische Parlament, Europol und der Gerichtshof der Europäischen Union verzichten auf US-basierte Mailserver. Mehrere Abgeordnete fordern mittlerweile eine strikte europäische Kontrolle über diese essenziellen Dienste.
Einem Bericht vom 1. Oktober 2026 zufolge laufen rund 70 % der E-Mails von EU-Institutionen über US-eigene Server. Microsoft allein betreibt die Mailserver von mehr als der Hälfte aller Institutionen, Behörden und Agenturen.
Weitere 14 % nutzen Dienste anderer US-Anbieter, während nur rund 30 % auf europäischen Servern verbleiben. Dies steht in einem bemerkenswerten Kontrast zur Stimmung in der Bevölkerung: Laut einer Politico-Umfrage, die im selben Bericht erwähnt wird, vertrauen rund 84 % der Europäer ihre persönlichen Daten US-Technologieunternehmen nicht an. Einen tatsächlichen Dienstestopp durch die Anbieter stufen Fachleute gegenwärtig allerdings als höchst unwahrscheinlich ein.
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Initiativen zur digitalen Eigenständigkeit
Der Vorstoß der Kommission reiht sich in diverse Bemühungen öffentlicher Institutionen in Europa ein, sich aus der Bindung an US-Technologie zu lösen. Frankreich verfolgt den Plan, bis zum Jahr 2027 Millionen von Beamten von Videokonferenzwerkzeugen aus den Vereinigten Staaten auf die eigene Plattform Visio umzustellen.
In Österreich vollzog das Militär im vergangenen Jahr einen Systemwechsel und stellte auf die Open-Source-Bürosoftware LibreOffice um. Dass Teams in der EU-Kommission trotz der Bereitstellung von Element Pro weiter die zentrale Rolle spielt, zeigt jedoch, wie schwer der vollständige Abschied von marktbeherrschenden US-Programmen im behördlichen Alltag fällt.

