EU-Souveränität: Kommission plant 200 Milliarden Euro für Cloud und KI

Die EU-Kommission stellt ein milliardenschweres Maßnahmenpaket vor, um die Abhängigkeit von US-Cloud-Anbietern zu beenden und die digitale Souveränität zu stärken.

Juni 2026 ein umfassendes Maßnahmenpaket vorgestellt, das die Abhängigkeit von US-amerikanischen und asiatischen Technologiekonzernen drastisch reduzieren soll. Der „European Technological Sovereignty Package“ umfasst gleich mehrere Gesetzesinitiativen – darunter den Cloud and AI Development Act (CADA) und den Chips Act 2.0 – sowie neue Strategien für Open-Source-Software und die Digitalisierung des Energiesektors.

Cloud-Markt: Drei US-Konzerne dominieren Europa

Der Cloud and AI Development Act bildet das Herzstück des Pakets. Ziel ist es, die Rechenzentrumskapazitäten der EU innerhalb von fünf bis sieben Jahren zu verdreifachen. Langfristig peilt die Kommission eine Kapazität von 65 Gigawatt an – ein ambitionierter Plan, der gewaltige Investitionen erfordert.

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Bis 2036 sollen 200 Milliarden Euro an privaten Investitionen fließen. Weitere 100 Milliarden Euro sind für Projekte im Bereich Cloud-Dienste, künstliche Intelligenz und den Bau von Gigafabriken vorgesehen. Zwei Milliarden Euro stellt die Kommission direkt für Forschung und Entwicklung bereit.

Der Vorstoß kommt nicht von ungefähr: Mehr als 80 Prozent der in der EU genutzten digitalen Produkte stammen derzeit von ausländischen Anbietern. Besonders krass ist die Lage im Cloud-Markt: Drei US-Unternehmen – Amazon, Microsoft und Google – kontrollieren rund 70 Prozent des europäischen Sektors. Europäische Unternehmen geben schätzungsweise 264 Milliarden Euro jährlich für US-Cloud-Software aus.

Vier-Stufen-Modell für mehr Souveränität

Das Paket führt ein neuartiges Souveränitäts-Rahmenwerk für Cloud- und KI-Dienste ein. Es umfasst vier Schutzstufen, die sicherstellen sollen, dass kritische öffentliche Arbeitslasten nicht gefährdet werden. Ein zentrales Motiv: die Verhinderung eines sogenannten „Kill-Switch“-Szenarios, bei dem ausländische Anbieter gezwungen sein könnten, lebenswichtige Dienste abzuschalten.

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen machte deutlich, dass die EU sich nicht länger von externen Anbietern abhängig machen könne – insbesondere nicht bei Krankenhäusern, Energienetzen und Sicherheitssystemen.

Die strengste Stufe des neuen Rahmens würde Unternehmen faktisch ausschließen, die ausländischen Gesetzen wie dem US-Cloud Act unterliegen. Diese Regelungen können mit europäischen Datenschutzstandards kollidieren. Allerdings schätzt die Kommission, dass nur etwa ein Prozent der öffentlichen Dienste diesen höchsten Schutz benötigen werden. Für andere kritische öffentliche Aufträge soll künftig europäische Software und Hardware bevorzugt werden.

Chips Act 2.0: Europas Halbleiter-Offensive

Der Chips Act 2.0 verfolgt ein ehrgeiziges Ziel: Der europäische Anteil am globalen Halbleitermarkt soll sich bis 2030 auf 20 Prozent verdoppeln. Um dies zu erreichen, sind Investitionen in Höhe von 120 Milliarden Euro nötig.

Die überarbeitete Verordnung konzentriert sich darauf, die Nachfrage nach EU-eigenen Chips zu steigern und gezielt Kapazitäten für KI-bezogene Halbleiter aufzubauen. Branchenprognosen zufolge werden KI-Komponenten bis 2030 mehr als 70 Prozent des gesamten Halbleitermarktes ausmachen.

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Open Source und grüne KI

Neben der Hardware-Offensive setzt Brüssel auf Open-Source-Software: Eine neue Strategie soll den öffentlichen Sektor dazu bewegen, verstärkt auf quelloffene Lösungen zu setzen. Parallel dazu hat die Kommission einen 20-Milliarden-Euro-Fahrplan für die Integration von KI in den Energiesektor vorgelegt. Ziel ist ein nachhaltigeres und digitalisiertes Stromnetz.

Unterstützung kommt von 13 europäischen Cloud-Anbietern, die ihre Zustimmung zu den Souveränitätszielen der Kommission signalisiert haben. Ob das Paket tatsächlich den Durchbruch bringt, wird sich zeigen – die Abhängigkeit von US-Tech-Giganten ist tief verwurzelt, und der Aufbau eigener Kapazitäten wird Jahre dauern.