EU-Staaten drängen auf schärfere Altersgrenzen für Social Media

Portugal und andere EU-Staaten forcieren strengere Zugangsregeln für Jugendliche. Die EU-Kommission prüft nun erstmals eine verbindliche, harmonisierte Lösung für den gesamten Binnenmarkt.

Portugals Vorstoß für eine Altersbeschränkung ab 16 Jahren befeuert eine europaweite Bewegung. Die EU-Kommission prüft nun erstmals eine verbindliche, gemeinsame Lösung.

Die Debatte um strengere Alterskontrollen für soziale Medien in Europa gewinnt massiv an Fahrt. Als jüngstes EU-Land legte Portugal einen Gesetzentwurf vor, der für Minderjährige unter 16 Jahren die Zustimmung der Eltern vorschreibt. Diese nationale Initiative unterstreicht einen europaweiten Trend zum Schutz junger Nutzer und erhöht den Druck auf Brüssel, eine harmonisierte EU-Regelung zu schaffen.

Hintergrund sind wachsende Sorgen um die mentale Gesundheit und Entwicklung von Kindern. Politiker verweisen auf Risiken wie Cybermobbing, Angststörungen und schädliche Inhalte. Die Frage ist nicht mehr, ob schärfere Grenzen kommen, sondern wie sie im europäischen Binnenmarkt umgesetzt werden.

Nationale Alleingänge schaffen Flickenteppich

Immer mehr Mitgliedstaaten warten nicht länger auf Brüssel. Portugals Initiative reiht sich in eine Serie nationaler Vorstöße ein. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez kündigte erst diesen Monat an, das Mindestalter von 14 auf 16 Jahre anzuheben, um Kinder vor dem „digitalen Wilden Westen“ zu schützen.

Auch Frankreichs Parlament beschloss ein Verbot für unter 15-Jährige ohne elterliche Erlaubnis. Dänemark und Griechenland arbeiten an einer Grenze von 15 Jahren, Österreich erwägt 14 Jahre. Dieser Aktivismus zeigt die Dringlichkeit, mit der Regierungen das Problem angehen. Doch die unterschiedlichen Altersgrenzen – zwischen 14 und 16 – schaffen einen regulatorischen Flickenteppich. Dies verstärkt die Rufe nach einer einheitlichen EU-Lösung.

Brüssel erwägt Kehrtwende mit Expertengremium

Als direkte Reaktion kündigte die EU-Kommission vergangene Woche eine mögliche Kehrtwende an. Im Zuge eines Aktionsplans gegen Cybermobbing vom 10. Februar wurde ein neues Expertengremium zum Kinderschutz eingesetzt. Es soll bis zum Sommer Empfehlungen für harmonisierte Altersgrenzen vorlegen.

Das ist bedeutsam. Bislang setzte die Kommission auf freiwillige Leitlinien der Digital Services Act (DSA). Das Gesetz verpflichtet große Plattformen zwar, Risiken für Minderjährige zu bewerten, legt aber kein verbindliches Zugangsalter fest. Der Druck der Mitgliedstaaten hat offenbar zu einem Umdenken geführt. Das Gremium ebnet den Weg für eine mögliche, einheitliche EU-Regelung.

Digitale Brieftasche soll Altersprüfung revolutionieren

Gleichzeitig arbeitet Brüssel an der technischen Umsetzung. Geplant ist ein EU-weites, datensparsames Altersverifikationssystem. Die Lösung soll mit den für Ende 2026 erwarteten EU Digital Identity Wallets kompatibel sein.

Eine Art „Mini-Wallet“ in einer vertrauenswürdigen App würde dann bestätigen, dass ein Nutzer alt genug ist – ohne Namen, Geburtsdatum oder andere sensible Daten preiszugeben. Diese Methode wird gegenüber dem Scannen von Ausweisdokumenten bevorzugt. Pilotprojekte in mehreren Mitgliedstaaten testen die Technologie bereits.

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Spagat zwischen Schutz, Privatsphäre und Kompetenzen

Die Diskussion bewegt sich in einem Spannungsfeld. Das primäre Ziel ist der Schutz Minderjähriger, gestützt durch Studien zu negativen Auswirkungen auf Psyche und Schlaf. Dies muss jedoch mit dem Recht auf Privatsphäre und dem Grundsatz der Datensparsamkeit der DSGVO in Einklang gebracht werden.

Hinzu kommt eine rechtliche Grauzone: Manche Experten bezweifeln, dass die EU für eine einheitliche Altersgrenze überhaupt zuständig ist. Dies falle in die nationale Kompetenz der Mitgliedstaaten. Diese Unsicherheit erklärt, warum viele Länder eigene Gesetze vorantreiben.

Ausblick: Unausweichliche Verschärfung zeichnet sich ab

Die parallelen Entwicklungen auf nationaler und EU-Ebene machen strengere, durchsetzbare Altersgrenzen wahrscheinlich. Die Empfehlungen des EU-Expertengremiums im Sommer werden richtungsweisend sein.

Unterdessen schreiten die Gesetzgebungsverfahren in Portugal, Frankreich und Spanien voran. Plattformen wie TikTok reagieren bereits und kündigen ausgefeiltere Alterserkennungssysteme für Europa an. Die kommenden Monate werden entscheidend die digitale Zukunft der europäischen Jugend prägen – weg von Selbstregulierung, hin zu verbindlicher digitaler Verantwortung.