Die EU-Kommission startet diese Woche entscheidende Verhandlungen über technische Standards für die Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten. Mit den Workshops will Brüssel die Verbreitung von Deepfakes eindämmen und das Vertrauen in digitale Medien stärken.
Freiwilliger Verhaltenskodex als Vorstufe zum Gesetz
Im Kern geht es um einen freiwilligen Verhaltenskodex, der noch vor den verbindlichen Rechtsvorschriften im August 2026 gelten soll. Die heute beginnenden Expertentreffen sind Teil eines siebenmonatigen Prozesses, der praktikable Lösungen für die Transparenzvorgaben des EU-KI-Gesetzes entwickeln soll. Ziel ist ein digitales Ökosystem, in dem Nutzer klar zwischen menschlichen und künstlich erzeugten Inhalten unterscheiden können.
Die Grundlage bildet Artikel 50 des KI-Gesetzes, der strenge Transparenzpflichten für Anbieter und Nutzer generativer KI-Systeme vorschreibt. Synthetische Audio-, Video-, Bild- und Textinhalte müssen maschinenlesbar gekennzeichnet werden. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 15 Millionen Euro oder drei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
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Mehrschichtige Wasserzeichen als Lösung
Ein zentrales Thema der Workshops ist die technische Machbarkeit verschiedener Wasserzeichen-Technologien. Der erste Entwurf des Verhaltenskodex vom Dezember 2025 stellt klar: Keine einzelne Kennzeichnungstechnik erfüllt derzeit alle Anforderungen an Wirksamkeit, Robustheit und Interoperabilität.
Daher setzen die Experten auf einen mehrschichtigen Ansatz. Verschiedene Wasserzeichen-Methoden sollen kombiniert werden, um ein widerstandsfähigeres System zu schaffen. Die Lösungen müssen unauffällig sein, die Inhaltsqualität nicht beeinträchtigen und effizient genug für eine breite Anwendung. Besondere Herausforderung: Wasserzeichen verschiedener KI-Systeme müssen untereinander kompatibel sein – eine Standardisierung, die es bisher nicht gibt.
Ambitionierter Zeitplan bis Sommer 2026
Der Entwicklungsprozess läuft auf Hochtouren. Nach dem Start im November 2025 arbeiten zwei Arbeitsgruppen an den Pflichten für KI-Anbieter und Nutzer. Auf die aktuellen technischen Workshops folgt im März 2026 ein zweiter Entwurf. Der finale Verhaltenskodex soll bis Juni 2026 vorliegen.
Ab dem 2. August 2026 werden die Transparenzvorgaben dann verbindlich. Ein Vorschlag der EU-Kommission („Digital Omnibus“) könnte Bestandsystemen eine sechsmonatige Übergangsfrist bis Februar 2027 gewähren – dieser muss jedoch noch das Gesetzgebungsverfahren durchlaufen.
Globale Auswirkungen und praktische Hürden
Die EU-Standards dürften weltweit Strahlkraft entfalten. Technologiekonzerne werden ihre Modelle oft global an europäische Vorgaben anpassen – ein Phänomen, das als „Brussels Effect“ bekannt ist. Damit positioniert sich die EU als De-facto-Regulierer im KI-Bereich.
Doch es gibt Zweifel: Sind die Wasserzeichen-Technologien bereits ausgereift genug? Kritiker warnen vor technischen Limitierungen und der Anfälligkeit für Entfernung. Das KI-Büro der EU muss praktikable Lösungen mit heutiger Technologie finden, ohne Verbraucher mit wirkungslosen Maßnahmen zu verwirren. Gleichzeitig zeigt Brüssel mit ersten Durchsetzungsmaßnahmen bereits Entschlossenheit bei der Umsetzung des KI-Gesetzes.
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