Die Europäische Union und Deutschland verstärken den Druck, um die Abhängigkeit von US-Technologie zu verringern. Neue Richtlinien sollen nicht-europäische KI aus dem öffentlichen Sektor und kritischer Infrastruktur zurückdrängen.
Diese Woche hat das Europäische Parlament mit überwältigender Mehrheit einen Bericht zur technologischen Souveränität angenommen. Er fordert die EU-Kommission auf, die gravierenden Abhängigkeiten von ausländischen Technologieanbietern zu kartieren und abzubauen. Laut dem Bericht bezieht die EU über 80 Prozent ihrer digitalen Produkte, Dienstleistungen und Infrastrukturen aus Nicht-EU-Ländern – ein alarmierender Wert für die politischen Entscheidungsträger.
Die Vision eines europäischen Tech-Stacks
Hinter der Initiative steht die Strategie, einen eigenständigen europäischen Technologiestack – einen „Eurostack“ – aufzubauen. Dieser soll von Halbleitern über Cloud-Computing bis hin zu Künstlicher Intelligenz reichen. Ziel ist es, die digitale Zukunft des Kontinents selbst in der Hand zu halten.
Die Sorge gilt der Dominanz weniger US-Konzerne. Im Cloud-Markt etwa teilen sich amerikanische Giganten den Löwenanteil, während europäische Anbieter nur eine kleine Nische besetzen. Diese Abhängigkeit setzt sich bei den leistungsstarken KI-Modellen fort, die zunehmend in Wirtschaft und Verwaltung Einzug halten.
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„Die Lücke bei der KI-Anwendung im Vergleich zu den USA birgt konkrete Risiken“, warnten Experten diese Woche im Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss. Dazu zählten sie Datendiebstahl und unfaire Handelsbedingungen.
Deutschland als „Ankerkunde“ für Europa
Deutschland nimmt eine Vorreiterrolle ein. Die Bundesregierung will die öffentliche Beschaffung als Hebel nutzen, um europäische Tech-Firmen zu stärken. Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte eine Strategie an, den Staat zum „Ankerkunden“ für souveräne digitale Werkzeuge zu machen.
Verträge der öffentlichen Hand sollen gezielt an europäische Anbieter vergeben werden. So soll ein stabiler Markt für europäische KI- und Cloud-Lösungen entstehen, der Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit ermöglicht. Die nationale KI-Strategie wird bereits mit Milliarden für Forschung und Entwicklung unterstützt.
Doch der Weg ist steinig. Kürzlich scheiterte der „Datenatlas Bund“, ein Portal zum verbesserten Datenaustausch zwischen Behörden. Das Projekt zeigt die praktischen Schwierigkeiten großer Digitalvorhaben.
Gemeinsame Kraftanstrengung für europäische KI
Die digitale Souveränität ist eine gesamteuropäische Aufgabe. Eine Initiative von Frankreich, Deutschland und der EU-Kommission zielt darauf ab, öffentliche und private Gelder zu bündeln. Gemeinsam sollen leistungsfähige, verlässliche KI-Modelle entwickelt werden, die europäischen Werten entsprechen.
Diese Kooperation ist notwendig, denn die Entwicklung von Spitzen-KI übersteigt die finanziellen Möglichkeiten des öffentlichen Sektors. Erfolg ist nur mit erheblichem privatem Investment möglich.
Der Ansatz passt zum europäischen KI-Gesetz (AI Act), das derzeit in den Mitgliedstaaten umgesetzt wird. Das Regelwerk soll einen rechtlichen Rahmen für vertrauenswürdige KI schaffen. Befürworter sehen darin einen potenziellen Wettbewerbsvorteil für Europa.
Ein Jahrzehnt des Umbaus?
Die aktuellen Forderungen sind das Ergebnis jahrelang wachsender Bedenken in Brüssel und Berlin. Themen wie Datenschutz, Cybersicherheit und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit haben die Debatte vom Nischenthema zur zentralen Säule der EU-Wirtschaftssicherheitsstrategie gemacht.
Die EU-Kommission muss nun auf das Parlamentsmandat reagieren. Erwartet werden konkrete Vorschläge: Bevorzugung EU-ansässiger Anbieter bei Ausschreibungen, mehr Förderung für europäische Tech-Champions und gemeinsame Standards für souveräne KI.
Analysten gehen davon aus, dass ein vollständiger Wandel hin zu einem souveränen „Eurostack“ ein Jahrzehnt oder länger dauern könnte. Doch der politische Wille ist da. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Deutschland und seine Partner die ambitionierten Ziele in praktische Politik übersetzen können.
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