EU-Verordnung zwingt Apple zu radikaler Reparatur-Wende

Die EU-Richtlinie zwingt Apple zum Ende der Serialisierung. iPhones werden reparierbarer, doch neue Hürden wie der Aktivierungsschlüssel für Komponenten entstehen.

Bis Juli 2026 müssen Smartphones reparierbar sein – Apple beugt sich dem Druck aus Brüssel.

Die Europäische Union hat mit ihrer „Right to Repair“-Richtlinie einen globalen Standard geschaffen. Bis zum 31. Juli 2026 müssen Hersteller wie Apple ihre Geräte so konstruieren, dass unabhängige Werkstätten und Privatpersonen sie reparieren können. Das bedeutet das Ende einer jahrelangen Praxis: der umstrittenen „Parts Pairing“-Sperre.

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Das Ende der Serialisierung

Bislang verknüpfte Apple jedes Ersatzteil per Software mit dem Logic Board eines iPhones. Wer einen Bildschirm oder Akku austauschte, verlor Funktionen oder bekam lästige Warnmeldungen. Dieses „Parts Pairing“ machte selbst einfache Reparaturen zu einem teuren Hindernis.

Der Wendepunkt kam im Frühjahr 2024. Nachdem der US-Bundesstaat Oregon mit dem SB 1596-Gesetz die erste explizite Anti-Pairing-Regelung verabschiedet hatte, lenkte Apple ein. Im April 2024 kündigte der Konzern an, ab dem iPhone 15 den Einsatz gebrauchter Originalteile zu erlauben. John Ternus, Apples Hardware-Chef, erklärte, das Unternehmen habe zwei Jahre an einer Lösung gearbeitet, die Reparaturen ermöglicht, ohne Sicherheit und Privatsphäre zu gefährden.

EU-Regeln als globaler Maßstab

Während US-Bundesstaaten punktuelle Verbote erließen, schuf die EU einen durchgängigen Rahmen. Seit Juni 2025 gelten neue Ökodesign-Vorschriften für Smartphones und Tablets. Die Anforderungen sind streng:

  • Akkus müssen nach 800 Ladezyklen noch mindestens 80 Prozent ihrer Kapazität haben
  • Hersteller müssen 15 verschiedene Ersatzteile für mindestens sieben Jahre nach Produktionsende vorhalten
  • Displays und Rückseiten müssen innerhalb von fünf bis zehn Werktagen lieferbar sein

Die im Jahr 2024 verabschiedete Reparatur-Richtlinie verbietet zudem jegliche Software-Sperren oder Hardware-Modifikationen, die Reparaturen behindern. Auch die Preise für Ersatzteile müssen „angemessen“ sein – ein Schlag gegen die geplante Obsoleszenz.

iPhones werden reparierbarer

Die Auswirkungen sind messbar. Das iPhone 16, das im September 2024 auf den Markt kam, erhielt von iFixit eine Reparierbarkeitswertung von 7 von 10 Punkten – ein deutlicher Sprung gegenüber der 4 des iPhone 15. Grund ist unter anderem ein neuartiger elektrisch lösbarer Akkukleber: Ein einfacher 9-Volt-Block reicht, um den Akku zu lösen.

Auch das iPhone 15 wurde nachträglich aufgewertet. Mit der Software „Repair Assistant“ können Nutzer und Werkstätten nun Originalteile direkt am Gerät kalibrieren. Die frühere Pflicht, beim Ersatzteil-Kauf die Seriennummer anzugeben, entfiel – ein schwerer Schlag für das Monopol der Apple-Reparaturkette.

Sicherheit bleibt – aber anders

Apple hat jedoch neue Hürden eingebaut. Seit April 2024 gilt die „Activation Lock“-Sperre auch für einzelne Komponenten. Stammt ein Teil aus einem als gestohlen gemeldeten iPhone, wird die Kalibrierung blockiert. Der Konzern begründet dies mit Forderungen der Polizei, um den Handel mit Diebesgut zu unterbinden.

Kritiker warnen jedoch, dass viele Altgeräte aus Firmenbeständen noch aktiviert sind. Diese Teile könnten dann nicht in den Kreislauf zurückfließen – ein Problem für die Kreislaufwirtschaft.

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Der Blick auf 2027

Die nächste regulatorische Hürde steht bereits bevor. Die EU-Batterieverordnung verlangt ab 2027, dass Smartphone-Akkus mit handelsüblichen Werkzeugen vom Nutzer selbst austauschbar sein müssen.

Der Markt für generalüberholte Elektronik wächst rasant. Schätzungen zufolge wird er bis 2033 auf über 30 Milliarden Euro anwachsen. Die Ära der versiegelten, nicht reparierbaren Geräte neigt sich dem Ende zu. Für iPhone-Besitzer bedeutet das: mehr Wahlfreiheit, günstigere Reparaturen – und ein Ende der ewigen Warnmeldungen nach dem Akku-Tausch.