Die Europäische Union will eigene Smartphones bauen. Hinter dem Plan steckt das Ziel, die Abhängigkeit von US-Tech-Konzernen wie Google und Apple zu beenden und ein sicheres, europäisches Mobilfunk-Ökosystem zu schaffen.
Aktuelle Regulierungsmaßnahmen der EU-Kommission zeigen diesen strategischen Wandel. Sie gehen weit über Software hinaus und zielen auf Hardware von Grund auf. Getragen wird die Bewegung von Politik, Wirtschaft und Open-Source-Communitys.
Software: Betriebssysteme ohne Google und Apple
Das Herzstück sind alternative mobile Betriebssysteme. Sie setzen auf Open-Source-Technologie und strengen Datenschutz. Bekannte Projekte sind:
* /e/OS von der französischen Murena Foundation
* Volla OS aus Deutschland
Diese Systeme basieren oft auf dem Android Open Source Project (AOSP), entfernen aber alle Google-Dienste. Stattdessen nutzen sie eigene, datenschutzfreundliche Alternativen für Cloud oder App-Stores.
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Hersteller wie Fairphone, Volla oder Shiftphone liefern Geräte bereits mit diesen Systemen aus. Ihr Fokus liegt auch auf Nachhaltigkeit und Reparierbarkeit. Die große Hürde bleibt die „App-Lücke“: Viele populäre Apps sind auf Google-Dienste angewiesen, was die Alltagstauglichkeit einschränkt.
Hardware: Der milliardenschwere Kampf um Chips
Ein eigenes Betriebssystem reicht nicht. Die Abhängigkeit bei kritischen Hardware-Komponenten – vor allem Halbleitern – ist eine strategische Schwachstelle. Fast alle Lieferketten werden von außereuropäischen Anbietern kontrolliert.
Dagegen soll der „European Chips Act“ helfen. Mit über 43 Milliarden Euro aus öffentlichen und privaten Mitteln will die EU die heimische Halbleiterproduktion bis 2030 verdoppeln. Das Ziel: ein Weltmarktanteil von 20 Prozent.
Große Investitionsprojekte sind bereits angekündigt. Analysten halten das Vorhaben jedoch für äußerst ehrgeizig. Hohe Energiekosten und langwierige Genehmigungsverfahren in Europa stellen zusätzliche Hürden dar.
Warum die EU jetzt auf Unabhängigkeit drängt
Die geopolitische Lage verschärft den Druck. Die Tech-Rivalität zwischen den USA und China hat Europas eigene Verwundbarkeit offengelegt. Einem Bericht zufolge ist die EU bei rund 80 Prozent ihrer digitalen Technologien von ausländischen Anbietern abhängig.
Diese Abhängigkeit betrifft Wirtschaft, kritische Infrastrukturen und staatliche Institutionen. Die Debatte ist daher auch eine sicherheitspolitische. Initiativen wie die Umstellung der Landesverwaltung in Schleswig-Holstein auf Open-Source-Software zeigen den wachsenden politischen Willen.
Die größte Hürde: Das fehlende Ökosystem
Trotz politischer Unterstützung steht Europa vor einer Herkulesaufgabe. Die Dominanz von iOS und Android beruht auf ihren riesigen, gewachsenen Ökosystemen aus Apps, Entwicklern und Diensten.
Eine europäische Alternative muss eine kritische Masse an Nutzern und App-Entwicklern anziehen – ein klassisches Henne-Ei-Problem. Ohne nahtlosen Zugriff auf Apps wie WhatsApp oder Banking-Anwendungen bleibt ein alternatives System für die Breite unattraktiv.
Ein Marathon für Europa
Die Etablierung einer echten Alternative ist ein langfristiges Projekt. Die nächsten Schritte sind die Umsetzung der „Chips Act“-Investitionen in konkrete Produktion und die weitere Stärkung der Software-Initiativen.
Für Verbraucher könnten in den kommenden Jahren vermehrt europäische Nischenprodukte auf den Markt kommen. Ob daraus eine massenmarkttaugliche „dritte Kraft“ wird, hängt davon ab, ob Europa seine Kräfte konsequent bündelt.
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