Ab Anfang 2027 müssen alle Smartphones und Tablets, die in der EU verkauft werden, über vom Nutzer austauschbare Akkus verfügen. Die neue Verordnung ist Teil des Kreislaufwirtschafts-Aktionsplans und zielt darauf ab, die wachsenden Berge an Elektroschrott zu reduzieren. Rund 150 Millionen Smartphones und 24 Millionen Tablets werden jährlich in der EU abgesetzt – ein Wechsel der Bauweise hätte enorme Auswirkungen auf Hersteller und Verbraucher.
Technische Vorgaben und Fristen
Die Verordnung 2023/1542 schreibt vor, dass Hersteller ab dem 18. Februar 2027 sicherstellen müssen, dass Endnutzer Akkus mit handelsüblichen Werkzeugen entfernen und ersetzen können. Ist Spezialwerkzeug nötig, müssen die Hersteller es kostenlos zur Verfügung stellen.
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Permanentkleber zur Befestigung von Akkus sind ab dann tabu – eine klare Ansage an Branchengrößen wie Apple und Samsung, die bisher oft auf Verklebungen setzen. Die EU verlangt zudem, dass Ersatzakkus mindestens fünf Jahre nach Produktionsende eines Modells lieferbar sein müssen. Reparaturanleitungen und wichtige Ersatzteile müssen sogar zehn Jahre lang verfügbar bleiben.
Marktforscher rechnen mit Einsparungen von umgerechnet rund 20 Milliarden Euro bis 2030, da Verbraucher seltener Neugeräte kaufen müssten. Die Niederlande haben bereits angekündigt, die EU-Regeln eins zu eins umzusetzen.
Ausnahmen für langlebige Akkus
Die Verordnung sieht eine wichtige Hintertür vor: Geräte, deren Akkus nach 1.000 vollständigen Ladezyklen noch mindestens 80 Prozent ihrer Kapazität halten, sind von der Pflicht zum wechselbaren Akku befreit. Branchenkreisen zufolge arbeiten Apple und Samsung bereits an entsprechenden Technologien.
Das könnte zu einer Zweiteilung des Marktes führen: Premium-Hersteller setzen auf hochwertige Akkuchemie und behalten wasserdichte, versiegelte Gehäuse. Mittelklasse- und Einstiegsgeräte müssten dagegen wieder auf zugänglichere Bauweisen umstellen. Doch auch für ausgenommene Geräte gelten die Pflichten zur Ersatzteilversorgung und Reparaturdokumentation.
Die Regelung betrifft nicht nur Smartphones, sondern auch schnurlose Telefone und Smartglasses. Die Hersteller stehen vor der Herausforderung, Zugänglichkeit mit schlanken Designs und IP-Zertifizierungen für Wasser- und Staubschutz zu vereinbaren.
Sicherheitslücken und Software-Updates
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Parallel zu den Hardware-Vorgaben sorgt ein Sicherheitsvorfall für Aufsehen. Apple veröffentlichte Ende April 2026 ein Notfall-Update, iOS 26.4.2, das eine kritische Sicherheitslücke schließt. Die Schwachstelle CVE-2026-28950 betraf die Benachrichtigungsdatenbank: Selbst gelöschte Nachrichten hinterließen Textfragmente in den Systemprotokollen.
Der Fall wurde bekannt, als Ermittler in einem texanischen Bundesverfahren im Juli 2025 gelöschte Signal-Nachrichten aus den Benachrichtigungslogs eines iPhones wiederherstellen konnten. Der Patch, der zwischen dem 22. und 26. April ausgerollt wurde, verbessert nun die Datenbereinigung. Auch ältere Geräte wie das iPhone XR und das erste iPhone SE erhalten mit iOS 18.7.8 ein Update.
Android-Umstellung und neue Bedrohungen
Im Android-Lager bahnt sich eine noch größere Veränderung an: Ab Juli 2026 löst Google Messages Samsung Messages als Standard-App auf über 1,3 Milliarden Geräten ab. Ziel ist die Vereinheitlichung des RCS-Standards (Rich Communication Services), der täglich über 600 Millionen Ende-zu-Ende-verschlüsselte Unterhaltungen unterstützt. Die Plattform setzt zudem auf KI-gestützte Spam-Erkennung, die angeblich 98 Prozent der unerwünschten Nachrichten blockiert.
Nokia mit überraschendem Wachstum
Die Telekommunikationsbranche zeigt ein gespaltenes Bild. Nokias Quartalszahlen für das erste Quartal 2026 weisen einen Umsatz von 4,497 Milliarden Euro aus – ein Plus von zwei Prozent. Während das Radio Access Network (RAN) stagnierte, legte das optische Netzgeschäft um 20 Prozent auf 821 Millionen Euro zu. Treiber sind die massiven Investitionen von Hyperscalern in KI-Infrastruktur, die laut Prognosen die 700-Milliarden-Dollar-Marke überschreiten sollen.
Nischenplayer setzen auf Sicherheit
Auf dem Mobile World Congress in Barcelona (2. bis 5. März 2026) präsentierte HIROH ein natives Ende-zu-Ende-verschlüsseltes Kommunikationssystem. Das HIROH Phone für 999 Dollar bietet Post-Quanten-Resilienz und Enterprise-Verschlüsselung für alle Sprach- und Videoanrufe.
Nothing begann am 24. April 2026 mit dem Rollout von Nothing OS 4.1 für die Phone (3)- und Phone (2)-Serie. Das Update basiert auf Android 16 und führt mit Essential Voice eine Sprach-zu-Text- und Übersetzungsfunktion ein – allerdings nur für neuere Modelle. Parallel testet Google bereits Android 17, dessen QPR1 Beta 1 seit dem 22. April für Pixel-Geräte verfügbar ist und Probleme mit VoIP-Audioverzerrungen sowie Systemstabilität beheben soll.
Ausblick: Das Jahr 2027 wird zum Wendepunkt
Je näher der Februar 2027 rückt, desto stärker dürften die Hersteller sowohl an Akkuchemie als auch an mechanischen Lösungen arbeiten. Die EU erlaubt mit der Doppelstrategie aus wechselbaren Akkus und langlebigen Hochleistungszellen bewusst Flexibilität.
Für den Herbst 2026 zeichnen sich bereits erste Konsequenzen ab: Gerüchte über neue Faltgeräte deuten auf extrem flache Bauweisen von rund 9,23 Millimetern im gefalteten Zustand hin – trotz des zusätzlichen Platzbedarfs für zugängliche Akkus.
Die Kombination aus strengeren Hardware-Regeln in Europa und immer häufigeren Sicherheitsupdates bei iOS und Android macht die kommenden Monate zu einer Zerreißprobe für die Mobilfunkbranche. Sie muss den Spagat schaffen zwischen hochentwickelten KI-Funktionen und der gesetzlichen Pflicht zu langlebiger, reparierbarer Hardware. Die EU rechnet mit erheblichen wirtschaftlichen und ökologischen Vorteilen – das Jahr 2027 dürfte erst der Anfang einer grundlegenden Transformation sein.





