Die Europäische Kommission hat Meta per einstweiliger Anordnung verpflichtet, Drittanbietern von KI-Assistenten wieder kostenlosen Zugriff auf die WhatsApp Business API zu gewähren. Damit greifen die Wettbewerbshüter durch, weil der US-Konzern seinen eigenen Dienst Meta AI gegenüber ChatGPT oder Copilot bevorzugt haben soll.
Wiederherstellung des Marktzugangs
Die am 10. Juni 2026 bekannt gegebene Maßnahme zwingt Meta, innerhalb von fünf Werktagen den technischen Zugang für konkurrierende KI-Chatbots wiederherzustellen – zu den Bedingungen, die vor dem 15. Oktober 2025 galten. Damals begann das Unternehmen, externe Dienste von der Messaging-Plattform auszuschließen oder den Zugang an hohe Gebühren zu knüpfen.
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Nach vorläufiger Einschätzung der Kommission hat Meta seit Anfang 2023 eine dominante Stellung auf dem Markt für Kommunikations-Apps im Europäischen Wirtschaftsraum. Durch die Sperrung von Schnittstellen für fremde KI-Entwickler habe Meta versucht, den Wettbewerb auszuschalten und die Infrastruktur für die eigene KI-Lösung zu reservieren.
Während Drittanbieter blockiert wurden, blieb der hauseigene Assistent Meta AI weiterhin für Nutzer verfügbar. Das dürfte die Wettbewerbshüter besonders gestört haben.
Hintergrund des Kartellverfahrens
Die Untersuchung gegen Meta läuft seit Dezember 2025. Mehrere Unternehmen – darunter The Interaction Company, Agentik sowie ein spanischer KI-Entwickler – hatten Beschwerde eingereicht. Ihr Vorwurf: Meta monopolisiert den Markt für KI-gestützte Kundeninteraktion auf WhatsApp.
Zwar bot Meta im Frühjahr 2026 einen kostenpflichtigen Zugang zur API an. Doch die EU-Kommission bewertete dieses Modell als unzureichend und wettbewerbshemmend. Die nun verhängte einstweilige Maßnahme soll schwere Schäden für den Wettbewerb abwenden, während das Hauptverfahren mit dem Aktenzeichen AT.41034 noch läuft.
Es handelt sich erst um die zweite derartige Anordnung der Kommission in über 20 Jahren. Ein vergleichbarer Fall betraf 2019 das Unternehmen Broadcom.
Drohende Milliardenstrafen
Die Anordnung ist für Meta bindend. Sollte der Konzern die Frist bis Mitte Juni 2026 verstreichen lassen, ohne den kostenfreien Zugang für Dienste wie ChatGPT, Perplexity oder Copilot wieder zu öffnen, drohen massive Sanktionen.
Die Kommission kann Geldbußen von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes verhängen. Bei einem Umsatz von über 185 Milliarden Euro (Geschäftsjahr 2025) entspräche das einer Summe im zweistelligen Milliardenbereich.
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Zusätzlich drohen tägliche Zwangsgelder von bis zu fünf Prozent des durchschnittlichen Tagesumsatzes – solange Meta die Maßnahme nicht umsetzt.
Reaktion des Unternehmens
Meta hat bereits angekündigt, rechtliche Schritte gegen die Entscheidung einzuleiten. Vertreter des Konzerns bezeichnen die Anordnung als regulatorischen Übergriff und weisen die Vorwürfe der Wettbewerbsverzerrung zurück.
Die Maßnahme bleibt trotz angekündigter Rechtsmittel wirksam. Sie ist vorerst bis zum Abschluss der kartellrechtlichen Untersuchung befristet – längstens jedoch bis zum Sommer 2029.

