EU zwingt Mobilfunkbranche zu mehr Cybersicherheit

Neue EU-Richtlinien wie NIS-2 und der Cyber Resilience Act verpflichten Mobilfunkanbieter zu massiven Investitionen in Netz- und Datensicherheit. Die Branche warnt vor Belastungen für den 5G-Ausbau.

Die Europäische Union verschärft den Druck auf Mobilfunkbetreiber. Neue Gesetze wie die NIS-2-Richtlinie und der Cyber Resilience Act zwingen die Branche zu massiven Investitionen in den Schutz ihrer Netze und Kundendaten. Hintergrund sind immer raffiniertere Cyberangriffe, die die digitale Infrastruktur bedrohen.

Cyberangriffe unterstreichen die Dringlichkeit

Die Notwendigkeit robusterer Sicherheit zeigte sich zuletzt Ende Januar 2026. Ein gezielter Angriff traf die mobile Infrastruktur der Europäischen Kommission. Fast zeitgleich machte ein großes Datenleck beim niederländischen Anbieter Odido Schlagzeilen. Dabei wurden sensible Kundendaten wie Namen, Adressen und IBAN-Nummern gestohlen.

Anzeige

Wenn bei Odido sensible Kundendaten in falsche Hände geraten sind, ist der Schutz Ihres eigenen Smartphones wichtiger denn je. Der kostenlose Ratgeber „Die 5 wichtigsten Schutzmaßnahmen für Ihr Android-Smartphone“ erklärt Schritt für Schritt, wie Sie WhatsApp, Online-Banking & Co. vor Datenklau schützen – ohne teure Zusatz-Apps. Gratis-Ratgeber: 5 Schutzmaßnahmen für Ihr Android herunterladen

Diese Vorfälle befeuern die Forderung nach strengeren Regeln. Doch die Branche warnt: Zu viel Regulierung könnte den Netzausbau ausbremsen.

NIS-2: Neue Pflichten für kritische Infrastrukturen

Im Zentrum steht die NIS-2-Richtlinie. Sie ist seit Ende 2025 in Deutschland in Kraft und muss bis Anfang 2026 umgesetzt werden. Die Richtlinie stuft Mobilfunknetze nun explizit als kritische Infrastruktur ein.

Das bedeutet für die Betreiber:
* Sie müssen strenge Risikomanagementmaßnahmen nachweisen.
* Ihre Lieferketten müssen abgesichert werden.
* Bei Sicherheitsvorfällen gelten umfassende Meldepflichten.

Unternehmen müssen sich zudem beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) registrieren. Bei Verstößen drohen hohe Strafen von bis zu 10 Millionen Euro oder 2 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.

Branchenverband warnt vor Überlastung

Die Interessenvertretung der Mobilfunkbetreiber, die GSMA, übte scharfe Kritik. Im Januar 2026 warnte der Verband vor unrealistischen Fristen und enormen finanziellen Belastungen.

Die pauschalen Vorgaben würden hohe Summen binden, die dann für den dringend benötigten 5G-Ausbau fehlten. Statt starrer Regeln fordert die GSMA einen risikobasierten Ansatz. So könnten Ressourcen gezielt dort eingesetzt werden, wo die größten Gefahren lauern.

Cyber Resilience Act: Sicherheit ab Werk

Ein weiterer Baustein ist der Cyber Resilience Act. Dieses Gesetz verpflichtet Hersteller von Smartphones, Routern und anderen vernetzten Geräten, Sicherheit von Anfang an mitzudenken („Security by Design„).

Die Vorgaben sind konkret:
* Produkte müssen mit sicheren Standardeinstellungen ausgeliefert werden.
* Hersteller müssen für mindestens fünf Jahre Sicherheitsupdates bereitstellen.

Ergänzt wird der Rechtsrahmen durch den Cyber Solidarity Act. Er soll die grenzüberschreitende Abwehr von Angriffen verbessern und einen „European Cyber Shield“ schaffen. Die EU-Agentur ENISA koordiniert die Maßnahmen und analysiert die Bedrohungslage.

Ein Wettlauf gegen die Zeit

Für die Mobilfunkbetreiber beginnt nun eine Phase intensiver Anpassung. Die Fristen sind knapp, die Herausforderungen enorm. Nicht nur die eigenen Systeme, sondern die gesamte globale Lieferkette muss auf den Prüfstand.

Analysten erwarten einen signifikanten Anstieg der Cybersecurity-Ausgaben in der Branche. Die Frage ist: Schützen die Investitionen das Vertrauen der Kunden und Europas digitale Souveränität? Oder bremsen sie die dringende Modernisierung der Netze aus? Der Wettlauf zwischen Regulierung und Bedrohung ist in vollem Gange.