Euro-Office 1.0: Europäische Alternative zu Microsoft Office startet

Europäische Tech-Allianz launcht Open-Source-Büro-Suite Euro-Office 1.0 als Antwort auf US-Dominanz.

Ein Konsortium europäischer Technologieunternehmen hat mit Euro-Office 1.0 eine Open-Source-Büro-Suite veröffentlicht, die als regionale Alternative zu den dominierenden US-Produktivitätsplattformen antreten soll. Das Projekt, ein Fork der OnlyOffice-Software, wird von namhaften Playern wie Nextcloud, IONOS, Proton, Tuta und OpenProject getragen.

Die browserbasierte Suite bietet Editoren für Dokumente, Tabellenkalkulationen und Präsentationen sowie einen PDF-Editor. Entwickler arbeiten bereits an nativen Desktop- und Mobile-Anwendungen für künftige Versionen.

Integration und Markteinführung

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Bereits einen Tag nach der Veröffentlichung am 9. Juni integrierte Nextcloud die Suite in seine Hub 26 Spring-Plattform. Nutzer können dort zwischen Euro-Office, das auf Kompatibilität mit Microsoft-Office-Formaten setzt, und Collabora Online wählen, das das offene Open Document Format (ODF) bevorzugt. Nextcloud betont, dass Euro-Office eine andere Architektur nutze, die die Leistung in Webbrowsern verbessern soll.

Die Ausroll-Strategie ist ambitioniert: IONOS plant die Integration bis Spätsommer 2026, XWiki soll im vierten Quartal folgen. Parallel dazu betreibt EUfforic Europe BV mit Office EU einen separaten kommerziellen Hosting-Dienst.

Die öffentliche Entwicklungsgeschichte reicht bis zum 8. September 2025 zurück. Zum Zeitpunkt des Launches umfasste das Projekt 22 öffentliche Repositories – das zentrale Dokumenten-Server-Repository verzeichnete über 1.400 Stars auf GitHub.

Streit um digitale Souveränität und Standards

Die Veröffentlichung hat eine hitzige Debatte in der Open-Source-Community entfacht. The Document Foundation, die Organisation hinter LibreOffice, kritisierte das Projekt scharf. Italo Vignoli wies die Vermarktung als „erste europäische Open-Source-Büro-Suite“ zurück und verwies auf die langen Traditionen von StarOffice, OpenOffice.org (gegründet 2001) und LibreOffice (gegründet 2010).

Noch schwerer wiegt ein anderer Vorwurf: Kritiker sehen Euro-Office als faktischen Verbündeten proprietärer Anbieter, weil die Suite Microsofts OOXML (DOCX, XLSX, PPTX) als Standardformat nutzt. Wahre digitale Souveränität erfordere dagegen den Einsatz von ODF, um langfristige Abhängigkeiten zu vermeiden.

Das Konsortium kontert: Die Priorisierung von Microsoft-Kompatibilität sei eine strategische Entscheidung, um die Hürden für Nutzer zu senken, die aus proprietären Ökosystemen wechseln wollen. Die aktuelle Version unterstützt ODF bereits – eine tiefere Integration sei für den nächsten Entwicklungszyklus geplant.

Technische Basis und Governance

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Das Projekt entstand nach der Beilegung eines Lizenzstreits mit OnlyOffice über Branding und die AGPL-3.0-Lizenz. Analysen des Codes zeigen jedoch: Euro-Office ist noch stark vom Ursprungsprojekt abhängig. Rund 98,6 Prozent des Dokumenten-Engines und 99,2 Prozent des Live-Service-Codes stammen aus OnlyOffice.

Da dieses Codebase überwiegend von russischen Entwicklern stammt, stellen Sicherheitsexperten die Behauptung vollständiger europäischer Unabhängigkeit infrage. Nextcloud kündigte an, der Code werde einer gründlichen Überprüfung unterzogen, um europäischen Standards zu entsprechen.

Die aktualisierte Nextcloud-Hub-Umgebung bringt zudem neue Governance-Funktionen wie rechtliche Haltefristen und Vertraulichkeitskennzeichnungen sowie einen KI-Assistenten, der den Anforderungen des EU AI Act entspricht.