Am 9. Juni 2026 stellte ein Konsortium aus Nextcloud, IONOS und Proton die Version 1.0 von Euro-Office vor – eine kollaborative Open-Source-Alternative für Behörden und Unternehmen. Die Software basiert auf einem Abkömmling von ONLYOFFICE und steht unter der AGPL-Lizenz.
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Münchner Vorreiter: 5.000 Mitarbeiter sollen umsteigen
Die Stadt München plant, rund 5.000 Angestellte bis 2027 auf die neue Plattform zu migrieren. Das Projekt wird über drei Jahre mit 12 Millionen Euro gefördert. Bereits in der ersten Woche nach dem Launch verzeichnete die Suite über 80.000 Downloads. Euro-Office bietet browserbasierte Editoren für Tabellenkalkulation, Textverarbeitung und Präsentationen – inklusive nativer Unterstützung für OOXML-Formate wie XLSX.
Die Software ist bereits in den neu veröffentlichten Nextcloud Hub 26 Spring integriert. Mobile und Desktop-Anwendungen befinden sich derzeit in der Entwicklung.
Technische Analyse: Noch viel Arbeit an der Unabhängigkeit
Aktuelle Analysen vom 11. Juni zeigen jedoch: Der Weg zur digitalen Souveränität ist noch weit. Über 98 Prozent des Dokumenten-Engine-Codes stammen von Entwicklern in russischen Zeitzonen. Das Euro-Office-Team habe bislang nur wenige eigene Änderungen eingebracht. Die Entwickler bezeichnen den Fork dennoch als notwendigen Schritt und arbeiten an einer schrittweisen Loslösung vom Ursprungscode.
SoftMaker Office 2026: KI-Funktionen im Beta-Test
Parallel dazu startete SoftMaker am 9. Juni die öffentliche Beta von SoftMaker Office 2026 – kompatibel mit Windows, macOS und Linux. Die Tabellenkalkulation PlanMaker erhält dynamische Arrays sowie neue Funktionen wie Filter, Sort, Unique, Sequence, XReference und XCompare.
Erstmals integriert die Suite ChatGPT für Textassistenz und DeepL für Übersetzungen – allerdings nur im NX Universal-Abonnement. Die Beta läuft bis zum 31. Juli 2026. Für Nutzer, die eine Dauerlizenz bevorzugen, soll die Professional-Version rund 140 Euro kosten, das Upgrade für Bestandskunden etwa 70 Euro.
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Weitere Updates und etablierte Alternativen
Auch der ONLYOFFICE-Entwickler selbst brachte am 9. Juni ein Update: DocSpace 3.7 ermöglicht die KI-gestützte Dateierstellung per Sprachbefehl – über Anbieter wie Google AI, xAI und DeepSeek.
Für unterschiedliche Anwendungsfälle bleiben etablierte Alternativen relevant:
- LibreOffice: Die führende Open-Source-Offline-Lösung mit umfangreicher Ausstattung
- Google Sheets: Standard für Echtzeit-Kollaboration in der Cloud
- WPS Office: Hohe Microsoft-Kompatibilität, aber Werbung in der Gratisversion
- FreeOffice: Leichtgewichtige SoftMaker-Variante für den Basisbedarf
- CryptPad Office: Verschlüsselte Alternative für datenschutzbewusste Nutzer
- Apache OpenOffice: Stabilität geht vor – dafür seltener aktualisiert
Ausblick: ODF-Support und Cloud-Integration
Noch in diesem Sommer will IONOS Euro-Office in seine Nextcloud-Workspace-Umgebung einbinden. Das Entwicklungsteam kündigt zudem volle Unterstützung für das OpenDocument-Format (ODF) im nächsten großen Update an. Ob die europäische Büro-Suite ihr Versprechen digitaler Souveränität einlösen kann, wird sich zeigen – der Anfang ist gemacht.

