Euro-Office: Europäische Allianz fordert Microsoft mit kostenloser Suite heraus

Neun europäische Firmen bringen mit Euro-Office eine quelloffene Alternative zu Microsoft 365 auf den Markt.

Neun Unternehmen aus fünf EU-Staaten bringen diesen Sommer eine freie Büro-Software auf den Markt. Das Ziel: Digitale Souveränität für Europa.

Die Kosten für Software-Lizenzen steigen rasant – und mit ihnen der Unmut in europäischen Unternehmen und Behörden. Ein Konsortium aus neun Firmen, darunter IONOS, Nextcloud und Proton, will nun gegensteuern. Im Sommer 2026 soll Euro-Office erscheinen: eine kostenlose, quelloffene Alternative zu Microsoft 365 und Google Workspace. Die Suite basiert auf ONLYOFFICE und steht unter der GNU AGPLv3-Lizenz – die Free Software Foundation hat das Projekt bereits abgesegnet.

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Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Denn während die europäische Allianz auf Zusammenarbeit setzt, treiben die großen US-Anbieter ihre Preise in die Höhe.

Microsoft zieht die Preisschraube an

Ab dem 1. Juli 2026 werden die Abo-Preise für Microsoft 365 deutlich steigen. Business Basic kostet dann 6,50 Euro pro Nutzer – ein Plus von 16,7 Prozent. Business Standard schlägt mit 13 Euro zu Buche (plus zwölf Prozent). Für die Enterprise-Klasse mit Copilot-Integration werden stolze 92 Euro pro Monat fällig.

Hinzu kommt: Microsoft Publisher wird zum 1. Oktober 2026 eingestellt. Wer die Software nach diesem Datum auf einem neuen Rechner nutzen will, hat Pech gehabt. Der Konzern empfiehlt den Umstieg auf LibreOffice Draw, Canva oder Scribus.

Kein Wunder also, dass viele Anwender nach Alternativen suchen. Office 2021 Professional wird derzeit für knapp 28 Euro gehandelt – der ursprüngliche Preis lag bei 205 Euro. Ein klares Zeichen: Die Bereitschaft, dauerhaft hohe Abogebühren zu zahlen, sinkt.

Open-Source-Boom in Europa

Die Bewegung hin zu freier Software ist längst keine Nische mehr. In Frankreich haben bereits 330.000 Beschäftigte im Bildungssektor auf Nextcloud umgestellt. Ziel der Regierung: die Nutzerzahl auf 1,2 Millionen zu steigern. Nextcloud selbst konnte 2025 zwei Millionen neue Nutzer gewinnen.

Auch die Basis-Technologie von Euro-Office macht Fortschritte. ONLYOFFICE 9.4.0 ist im Mai 2026 erschienen und bringt wichtige Neuerungen: Die bisherige Begrenzung auf 20 Nutzer in der Community Edition ist gefallen. Dazu kommen ein kroatisches Interface, Dark Mode für Tabellen und 25 neue Präsentationsdesigns. IT-Administratoren freuen sich über die vereinfachte Architektur – RabbitMQ oder externe Datenbanken sind nicht mehr nötig.

Google setzt auf KI-Agenten

Während Europa auf Stabilität und Kosteneffizienz setzt, treiben die US-Konzerne die KI-Integration voran. Auf der Google I/O am 19. Mai 2026 präsentierte der Suchmaschinenriese eine radikale Neuausrichtung seiner Workspace-Produkte.

„AI Ultra“ heißt der neue Premium-Tarif für 100 US-Dollar im Monat – mit fünffachen Nutzungslimits, Gemini 3.5 Flash und 20 Terabyte Speicher. Herzstück ist Gemini Spark, ein rund um die Uhr verfügbarer KI-Agent, der mit über 30 Drittanbieter-Tools wie Adobe, Asana und Uber zusammenarbeitet. Ab nächster Woche steht er US-Abonnenten zur Verfügung.

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Mit Antigravity 2.0 bringt Google zudem eine eigenständige Desktop-App für macOS, Linux und Windows auf den Markt. Sie soll mit KI-Codierassistenten wie OpenAI Codex konkurrieren und erreicht laut Hersteller eine Verarbeitungsgeschwindigkeit von 289 Tokens pro Sekunde.

Die klassischen Alternativen leben

Nicht jeder braucht die neueste KI. Apache OpenOffice kommt trotz seines Alters auf über 390 Millionen Downloads. Die Version 4.1.16 bleibt eine verlässliche Wahl für alle, die eine lokale, schlanke Office-Lösung suchen.

WordPress Workspace startete am 19. Mai 2026 als Beta für den Mac. Die Desktop-App bietet Sprach-zu-Text-Funktionen, direkte Medien-Uploads und einen WordPress-Agenten – maßgeschneidert für Content-Ersteller.

Was bringt die Zukunft?

Der Erfolg von Euro-Office wird davon abhängen, wie reibungslos der Umstieg von Microsoft 365 gelingt. Während Google und Microsoft auf allgegenwärtige KI-Agenten setzen, bleibt für viele europäische IT-Abteilungen die Kostenkontrolle und Datenhoheit das drängendste Thema.

Die nächsten Monate werden zeigen, ob der europäische Weg – mehr Kontrolle, weniger Abhängigkeit – die Mehrheit der Anwender überzeugt. Für die zwei Millionen Europäer, die bereits Nextcloud nutzen, und die Millionen weiteren, die das Euro-Office-Konsortium ansprechen will, steht fest: Die Zukunft der Produktivität liegt nicht zwingend in immer smarterer KI – sondern in zugänglicher, souveräner Open-Source-Software.