** Das Projekt namens Euro-Office basiert auf Open-Source-Technologie und soll Unternehmen und Behörden eine echte Alternative zu US-Anbietern bieten. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Microsoft erhöht zum 1. Juli die Preise für Microsoft 365 deutlich.
Die Allianz, zu der IONOS, Nextcloud und Proton gehören, hat Euro-Office als sogenannten Fork der ONLYOFFICE-Suite entwickelt. Das Ziel: digitale Souveränität für Europa. Besonders Frankreich treibt die Ablösung voran – das Bildungsministerium hat bereits 330.000 Mitarbeiter auf Nextcloud umgestellt, insgesamt sollen es 1,2 Millionen werden. Nextcloud verzeichnete 2025 insgesamt zwei Millionen neue Nutzer.
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Strategischer Wandel im Open-Source-Ökosystem
Die Ankündigung fällt mit einem wichtigen Update der zugrundeliegenden Technologie zusammen. Diese Woche erschien Version 9.4 von ONLYOFFICE Docs mit weitreichenden Änderungen. Die Entwickler haben die bisherige Beschränkung auf 20 gleichzeitige Verbindungen in der Community-Version aufgehoben – ein Schritt, der größeren Organisationen den Einstieg erleichtert.
Die neue Version kommt zudem ohne die bisher benötigte Middleware RabbitMQ aus. IT-Administratoren profitieren von einem schlankeren Deployment. Zu den neuen Funktionen gehören ein Dark Mode für Tabellenkalkulationen, 25 neue Präsentationsvorlagen und 20 zusätzliche Folienübergänge. Auch die Formularverwaltung wurde verbessert – inklusive Empfängerzuweisung und Statusverfolgung.
Die Free Software Foundation unterstützt das Recht auf Forking des Codes, insbesondere nach Kontroversen um Marken- und Logoklauseln in ursprünglichen Lizenzvereinbarungen. Diese rechtliche Rückendeckung gibt der Euro-Office-Koalition die Basis für eine eigenständige europäische Identität.
Microsoft erhöht Preise und streicht Dienste
Der Druck auf Unternehmen wächst: Ab dem 1. Juli 2026 steigen die monatlichen Kosten für Microsoft 365 Business Basic um 16,7 Prozent auf 6,50 Euro. Business Standard verteuert sich um zwölf Prozent auf 13 Euro. Für Enterprise-Kunden der Stufe M365 E5 werden sogar 56 Euro pro Nutzer und Monat fällig.
Noch gravierender: Seit dem 15. April 2026 ist der kostenlose Zugang zu Copilot-KI-Funktionen in Word, Excel, PowerPoint und OneNote Geschichte. Wer die KI-Tools weiter nutzen will, muss ein Premium-Abonnement abschließen. Zudem stellt Microsoft die Anwendung Publisher ein – der letzte Nutzungstag ist der 1. Oktober 2026. Dokumente im .pub-Format drohen unlesbar zu werden, Experten empfehlen die Konvertierung oder Alternativen wie LibreOffice Draw.
Hinzu kommt das Ende des Supports für Windows 10 am 14. Oktober 2025. Zwar gibt es noch erweiterte Sicherheitsupdates, doch viele Organisationen stehen vor der Frage: Umstieg auf Windows 11 oder gleich das Betriebssystem wechseln?
Hardware-Offensive und KI-Strategie
Microsoft reagiert auf den Wettbewerbsdruck mit neuen Surface-Geräten. Am 19. Mai 2026 brachte das Unternehmen die Surface AI PCs für Geschäftskunden auf den Markt. Das Surface Pro for Business (13 Zoll) startet bei umgerechnet rund 1.800 Euro, das Surface Laptop for Business bei etwa 1.380 Euro. Beide Modelle setzen auf Intel Core Ultra Series 3 Prozessoren und integriertes 5G.
Eine günstigere Version des Surface Laptop mit 8 GB RAM für rund 1.200 Euro erfüllt allerdings nicht die Hardware-Anforderungen für die volle Copilot+-Zertifizierung. Branchenbeobachter sehen darin einen Zielkonflikt zwischen KI-Ambitionen und den Realitäten der Hardware-Produktion.
Während Microsoft KI tief in Betriebssystem und Office integriert, zeichnet sich bei Tools wie Notepad und dem Snipping Tool eine strategische Rücknahme ab. Google setzt derweil mit seiner „Googlebook“-Initiative weiter auf die Cloud, während Apple mit dezenter KI-Integration im MacBook Neo (ab rund 550 Euro) Erfolge feiert.
Marktanalyse und Ausblick
Euro-Office ist mehr als ein technisches Projekt – es ist die Antwort auf ein zunehmend als restriktiv empfundenes Ökosystem US-amerikanischer Technologiekonzerne. Selbst in den USA wechseln Unternehmen zu Google Workspace: 23 Firmen migrierten kürzlich mit Automatisierungstools von Zenphi, die Power-Automate-Workflows in Tagen statt Monaten übertragen.
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In Europa stehen Souveränität und Kostenkontrolle im Vordergrund. Zwar sind unbefristete Microsoft-Office-2021-Lizenzen bei Drittanbietern noch für rund 28 Euro erhältlich – doch ihnen fehlen die kollaborativen Cloud-Funktionen, die moderne Unternehmen brauchen. Open-Source-Suiten wie ONLYOFFICE und Apache OpenOffice (390 Millionen Downloads nach dem Update 2025) schließen diese Lücke mit voller Kompatibilität zu DOCX und XLSX – ohne wiederkehrende Abogebühren.
Wohin steuert der Bürosoftware-Market?
Mit dem Start der stabilen Version von Euro-Office im Sommer 2026 zeichnet sich eine Fragmentierung des Marktes ab. Die großflächigen Adoptionen im öffentlichen Sektor, insbesondere in Frankreich, werden zum Testfall: Können Open-Source-Koalitionen mit den Funktionen und Sicherheitsstandards der proprietären Giganten mithalten?
Das Info-Tech Research Group warnt: Ohne disziplinierten Umgang mit KI und Governance riskierten Unternehmen, „Inkonsistenz statt Wert“ zu skalieren. Während Microsoft auf der Ignite 2025 in San Francisco den Fokus auf autonome KI-Agenten legen dürfte, geht es für Millionen Nutzer ab dem 1. Juli um eine ganz andere Frage: Kann Euro-Office den Weg zu einer nachhaltigen, kosteneffizienten Alternative ebnen?

