Die offene Software-Lösung Euro-Office, die als Alternative zu Microsoft konzipiert ist, steht nun auch als Anwendung für Desktop-Systeme bereit. Das Vorhaben sorgte in der Vergangenheit wiederholt für Auseinandersetzungen und trifft nun auf ein verändertes Umfeld bei europäischen IT-Strategien.
Nach der zweiten Amtszeit von Donald Trump verlagerte sich der Schwerpunkt der politischen Diskussion über digitale Souveränität: Während zuvor primär Risiken durch die Abhängigkeit von Hardware-Importen aus China im Vordergrund standen, rückt nun erneut die starke Dominanz US-amerikanischer Software-Anbieter in den Mittelpunkt.
Plattformgründung für freie Büroanwendungen
Parallel zum Ausbau von Einzelprojekten wie Euro-Office schließen sich mehrere europäische Akteure zusammen, um geschäftlichen Anwendern Alternativen zu bieten. In Berlin gründeten sechs Open-Source-Hersteller die Open Productivity Software GmbH. Zweck der Gesellschaft ist es, die Büro- und Kollaborationssuite openDesk bei Unternehmen sowie Betreibern kritischer Infrastrukturen im Markt zu verankern.
Zu den Gründungsgesellschaftern gehören Collabora Productivity für Online-Office, Element für die Matrix-basierte Echtzeit-Kommunikation, Nordeck für Kommunikationslösungen, Open-Xchange für E-Mail und Kollaboration, Univention für das Identitäts- und Zugriffsmanagement sowie XWiki für Wissensmanagement. Zudem sind Dateiverwaltungsdienste von Nextcloud und Projektplanungswerkzeuge von OpenProject in das System eingebunden.
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Die Neugründung ergänzt die Aktivitäten des Zentrums für Digitale Souveränität (ZenDiS), das openDesk im staatlichen Bereich implementiert und im September 2026 ein entsprechendes Partnerprogramm für privatwirtschaftliche Unternehmen initiiert hatte. Die Geschäftsführung übernimmt Gerald Pfeifer, früherer Technologiechef bei Suse. Als erste Kooperationspartner wurden Adfinis, die msg-Gruppe und Smile vorgestellt.
Entwickler reagieren auf Software-Abonnements
Neben institutionellen Vorhaben entsteht auch im Entwicklerumfeld Widerstand gegen proprietäre Lizenzierungsansätze. In Deutschland belaufen sich die Kosten für Microsoft 365 Single auf 99 Euro im Jahr beziehungsweise 10 Euro pro Monat inklusive einem Terabyte Cloud-Speicher.
Brandon Thomas, ein US-Softwareentwickler mit rund 15 Jahren Berufserfahrung, veröffentlichte Anfang Oktober 2026 im Rahmen des Projekts ArtCraft quelloffene Nachbauten der klassischen Microsoft-Programme. Unter den Namen WordCraft, GridCraft und DeckCraft entstanden Alternativen zu Word, Excel und PowerPoint.
Mitgründer Michael Caffrey äußerte im Gespräch mit Fachmedien Bedenken darüber, dass Software zunehmend nur noch angemietet statt dauerhaft erworben werden könne. Die mit Unterstützung des KI-Modells Claude erstellten Programme sind Clean-Room-Implementierungen ohne Quellcode des Marktführers und befinden sich in einer frühen Alpha-Phase.
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WordCraft wurde in Rust sowie für WebAssembly umgesetzt und unterstützt Standardformate wie DOCX, ODT und PDF-Exporte. Erste Tests bescheinigen den Klonen allerdings, noch weit von einer vollwertigen Büro-Alternative entfernt zu sein.
Kompatibilität mit Microsoft-Altformaten
Gleichzeitig passen etablierte Projekte ihre Werkzeuge an Veränderungen im Markt an. Da Microsoft die Unterstützung für Publisher beendet hat, integrierte das freie Paket LibreOffice die Verarbeitung des Dateiformats PUB.
Da es sich um keinen offenen Standard handelt, wurde das Format im Vorfeld über das Document Liberation Project nachkonstruiert. Die dabei entwickelte Programmbibliothek libmspub erlaubt das Öffnen und Konvertieren der Dokumente in das OpenDocument-Format über LibreOffice Draw und das Layoutprogramm Scribus.
Mehr zum Thema bei t3n: „Euro-Office: Was du über die offene Microsoft“

