Euro-Office: Kostenlose Open-Source-Alternative startet als Desktop-App

Die Open-Source-Suite läuft nun lokal auf drei Betriebssystemen; Nextcloud kündigte zudem einen kollaborativen Tabelleneditor an.

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Euro-Office, die kostenlose Open-Source-Alternative zu Microsoft Office, steht Anwendern nicht mehr ausschließlich als Webanwendung zur Verfügung, sondern liegt nun auch als nativer Desktop-Client für Windows, macOS und Linux vor. Die Software basiert auf OnlyOffice und geht auf eine europäische Koalition zurück, der unter anderem Nextcloud, IONOS, Proton, Open-Xchange, Office.eu und Tuta angehören.

Architektur und Funktionsumfang der Desktop-Software

Die Programmsuite umfasst vier zentrale Anwendungen: Document für die Textverarbeitung, Classeur für Tabellenkalkulationen, Présentation für Vortragsfolien sowie ein PDF-Modul. Die Software gewährleistet die Kompatibilität mit dem verbreiteten Dateiformat .docx. Neben dem Offline-Betrieb auf lokalen Rechnern besteht die Möglichkeit zur Cloud-Anbindung an Nextcloud oder ownCloud.

Der Bezug der Installationsdateien erfolgt über GitHub. Auf Systemebene werden für Windows sowohl x64- als auch ARM64-Architekturen unterstützt, während unter macOS ausschließlich Geräte mit Apple Silicon lauffähig sind.

Verzahnung im europäischen Cloud-Ökosystem

Parallel zur Bereitstellung der Desktop-Clients treiben die beteiligten Partner die Integration ihrer Dienste voran. Nextcloud kündigte am 26. Oktober 2026 Nextcloud Spreadsheet an, einen kollaborativen Tabelleneditor innerhalb von Nextcloud Office, der Dateien in den Formaten XLSX, XLS und ODS öffnen und speichern kann.

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Die Tabellensoftware bietet Echtzeit-Co-Editing, Kommentare, automatische Speicherung, eine Versionshistorie, Makros, Diagrammerstellung sowie föderiertes Bearbeiten über mehrere Nextcloud-Server hinweg.

Nextcloud Spreadsheet ist als Teil von Nextcloud Office unter dem Zusatz „powered by Euro-Office“ konzipiert und wird ab Nextcloud Hub 26 Spring parallel zu Collabora Online betrieben. Auch hierfür existieren Desktop-Clients für Linux, macOS und Windows mit Offline-Bearbeitungsmöglichkeiten.

Zum Zeitpunkt der Ankündigung lagen allerdings weder Versionsnummer noch Changelog oder ein öffentliches Software-Repository vor; die Lizenz wurde von Nextcloud als quelloffen deklariert, aber nicht namentlich benannt.

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Bereits am 1. Oktober 2026 starteten der deutsche E-Mail-Dienst Tuta und Nextcloud eine wechselseitige Integration: Eine Tuta-Mail-App erschien im Nextcloud App Store, während ein Nextcloud-Plug-in in Tuta Mail integriert wurde. Dies erlaubt das direkte Speichern von Anhängen in der Cloud und das Erzeugen von Videokonferenz-Links über Nextcloud Talk innerhalb des Kalenders, wobei die Datenhaltung in deutschen Rechenzentren oder auf eigener Infrastruktur verbleibt.

Praxistests und Hürden im öffentlichen Sektor

Das Bestreben nach digitaler Souveränität spiegelt sich auch in europäischen Behörden wider, verläuft in der Praxis jedoch unterschiedlich. Eine Machbarkeitsstudie der Schweizer Bundeskanzlei vom 2. September 2026 stufte eine browserbasierte Open-Source-Arbeitsumgebung nach einem Test mit 172 Teilnehmern aus mehreren Departementen als grundsätzlich geeignet ein.

Ab Ende 2027 sollen rund 3.000 Beschäftigte in kritischen Prozessen mit der Lösung arbeiten; für die erste phase ist ein Budget von rund 9 Millionen Schweizer Franken parallel zu Microsoft 365 vorgesehen. Getestet wurde openDesk, das seit 2024 Behörden zur Verfügung steht und für das bereits über 200.000 Lizenzen verkauft wurden.

Andererseits zeigen frühere Initiativen auch technische Fallstricke. Bei einem Pilotprojekt mit Collabora in einem dänischen Ministerium traten erhebliche Kompatibilitätsprobleme auf, darunter fehlerhafte Absatzstile, unsichtbare Vorlagenstile, fehlende oder unerwartet fett dargestellte Schriftarten, leere Dokumente beim Öffnen von Finanzministeriumsdateien sowie fehlerhafte Druckausgaben.

Im Jahr 2026 nutzt kein Mitarbeiter des betroffenen dänischen Ministeriums die getestete Lösung mehr, wenngleich Collabora-Chef Michael Meeks erklärte, der Testlauf sei lediglich pausiert und ein Neustart vor Jahresende 2026 anvisiert.