Europäische Souveränität: ChapsVision gewinnt 10-Mio-Auftrag von DGSI

Frankreichs DGSI und deutsches BfV ersetzen Palantir durch ChapsVision. Der europäische Anbieter plant bis 2030 einen Börsengang.

In der europäischen Sicherheitsarchitektur zeichnet sich eine Abkehr von US-amerikanischen Softwarelösungen ab. Das französische Technologieunternehmen ChapsVision gewinnt zunehmend an Bedeutung als strategische Alternative zu Anbietern wie Palantir. Jüngste Entscheidungen führender Sicherheitsbehörden in Frankreich und Deutschland unterstreichen diesen Trend zur technologischen Souveränität in den Bereichen Überwachungs- und KI-Software.

Der französische Inlandsgeheimdienst DGSI hat ChapsVision als Nachfolger für Palantir ausgewählt. Das Auftragsvolumen für diesen Vertrag beläuft sich auf rund 10 Millionen Euro. Auch in Deutschland setzt das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) künftig auf die Lösungen des französischen Anbieters, um die bisherige Software von Palantir zu ersetzen.

Expansionskurs und staatliche Verankerung

ChapsVision verfolgt einen ambitionierten Wachstumskurs. Seit der Gründung im Jahr 2019 hat das Unternehmen insgesamt 29 Übernahmen getätigt. Aktuell beschäftigt das Haus rund 1.100 Mitarbeiter. Die Kundenstruktur weist eine starke europäische Basis auf: Etwa 65 Prozent der Kunden stammen aus Frankreich, während 20 Prozent in den USA ansässig sind. Ein wesentlicher Teil des Geschäftsmodells stützt sich auf staatliche Institutionen, die rund 45 Prozent des Gesamtumsatzes beisteuern.

Der aktuelle Jahresumsatz von ChapsVision wird mit rund 200 Millionen Euro beziffert. Im Vergleich zum US-Wettbewerber Palantir, der einen Umsatz von 3,9 Milliarden Euro ausweist, ist das Unternehmen zwar deutlich kleiner, strebt jedoch eine massive Skalierung an. Bis zum Jahr 2030 plant die Geschäftsführung einen Börsengang (IPO) mit einem Zielumsatz von einer Milliarde Euro. Zur Finanzierung dieser Strategie wurden bisher rund 275 Millionen Euro von Investoren wie Jolt Capital und der staatlichen Förderbank Bpifrance eingesammelt.

Herausforderungen beim Systemwechsel

Trotz der politischen Bestrebungen zur Unabhängigkeit ist die Migration von bestehenden US-Systemen zu europäischen Lösungen mit erheblichem zeitlichem Aufwand verbunden. Branchenexperten zufolge könnte der Wechsel von Palantir zu ChapsVision einen Zeitraum von 12 bis 18 Monaten in Anspruch nehmen. Dennoch führt das Unternehmen bereits Sondierungsgespräche mit weiteren europäischen Regierungen, darunter Polen, Dänemark, Luxemburg sowie die Schweiz.

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Geschäftsführer Silvano Sansoni hob hervor, dass sich das Unternehmen grundlegend von Palantir unterscheide. Während der US-Riese derzeit an den Finanzmärkten unter Druck steht – die Aktie verzeichnete Ende Juli einen Rückgang von rund 8 Prozent und liegt damit deutlich unter ihrem Höchststand –, positioniert sich ChapsVision als europäische Antwort auf sensible Datenverarbeitungsanforderungen. Berichte über negative Analysteneinschätzungen und Aktienverkäufe durch das Palantir-Management belasten die Stimmung gegenüber dem US-Konzern zusätzlich, auch wenn einige Analystenhäuser weiterhin optimistische Prognosen für dessen kommende Quartalszahlen abgeben.

Flankierende europäische Initiativen

Der Aufstieg von Anbietern wie ChapsVision fällt zusammen mit verschärften regulatorischen Rahmenbedingungen in Europa. Ende Juli trat der EU AI Act in Kraft. Das neu geschaffene KI-Büro, das derzeit über 36 Mitarbeiter verfügt, kann künftig umfassende Dokumentationen und Bewertungen von KI-Modellen verlangen. Bei Verstößen drohen Geldbußen von bis zu 3 Prozent des weltweiten Umsatzes.

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Parallel dazu treibt die EU die Hardware-Infrastruktur voran. Polen hat im Rahmen der InvestAI-Initiative ein Abkommen für eine KI-Gigafabrik unterzeichnet. Die polnische Regierung bewilligte hierfür Mitte Juli Mittel in Höhe von 400 Millionen PLN (rund 92,56 Millionen Euro). Das Projekt sieht eine Anlage mit bis zu 75.000 KI-Beschleunigern vor, die ab 2028 den Betrieb aufnehmen soll. Diese Entwicklungen unterstreichen das Bestreben, eine geschlossene europäische Wertschöpfungskette für künstliche Intelligenz zu etablieren.