European Network for Payments: Fünf Systeme verbinden 13 Länder

Das Schweizer Angebot verbindet Mastercard- und Visa-Karten für direkte Überweisungen; Europas ENP vernetzt fünf Zahlungssysteme in 13 Ländern.

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Die Digitalisierung des mobilen Bezahlens gewinnt in Europa an Tempo. Neben paneuropäischen Bestrebungen zeigen sich auch in einzelnen Märkten neue infrastrukturelle Ansätze.

In der Schweiz starteten Mastercard und Payinit am 31. August 2026 einen Dienst für direkte Zahlungen von Person zu Person (P2P), wie das Fachportal itbusiness.ch in einem Bericht vom 5. November 2026 rekapitulierte. Das System erlaubt Überweisungen unter Verwendung von Mobiltelefonnummern oder E-Mail-Adressen, ohne dass Kontodaten der Empfänger erforderlich sind.

Payinit setzt auf mehrgleisige Infrastruktur

Hinter dem Schweizer Angebot stehen als Träger die Viseca Payment Services sowie die Cornèr Bank. Technisch basiert die Lösung auf OpenPay Send des IT-Dienstleisters Opentech. Mastercard steuert hierfür seine Dienste Move und Credential Services bei.

Ein wesentliches Merkmal des neuen Modells ist die Reichweite über nationale Grenzen hinaus: Die P2P-Zahlungen sind auch für grenzüberschreitende Transaktionen ausgelegt. Zudem ist das System nicht als geschlossenes Netzwerk konzipiert. Die Plattform steht weiteren Schweizer Kartenherausgebern sowie mobilen Zahlungsanbietern offen und ist neben Mastercard-Karten auch für das Konkurrenzsystem Visa ausgelegt.

Hohe Marktanteile internationaler Zahlungsnetzwerke

Die Kooperation unterstreicht die anhaltend starke Position globaler Kartensysteme bei modernen Bezahlverfahren in Europa. Wie Piero Cipollone von der Europäischen Zentralbank (EZB) darlegte, hängen 13 Länder des Euro-Raums bei stationären Kartenzahlungen vollständig von Anbietern außerhalb der EU ab. Laut Zahlen der EZB entfielen bereits im Jahr 2022 rund 61 Prozent aller Transaktionen im Euro-Raum auf internationale Kartensysteme.

Eine ähnliche Marktstruktur zeigt sich auch in anderen Regionen. Für Norwegen hielt Torbjørn Hægeland von der Norges Bank fest, dass internationale Karten im Zahlungsverkehr weiter an Boden gewinnen, während das nationale System BankAxept für reguläre Onlinekäufe nicht genutzt werden kann.

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Lars Erik Tellmann vom Zahlungsdienstleister Nets (Nexi Group) betonte in diesem Zusammenhang, dass rund zwei Drittel aller Kartenzahlungen in Norwegen und Europa über globale Anbieter abgewickelt werden.

Europäische Initiativen zur Vernetzung

Parallel zu den Angeboten der globalen Kartennetzwerke formieren sich regionale Gegenmodelle, um nationale Systeme miteinander zu verbinden. Nexi ist unter anderem Mitgründer der European Payments Initiative (EPI) und am Projekt Wero beteiligt. Als europäische Allianz startete im September das European Network for Payments (ENP) mit Sitz in Madrid, ein Joint Venture von EPI und EuroPA.

Das ENP verfolgt das Ziel, bestehende Mobilzahlungslösungen zusammenzuschließen. Es verknüpft fünf Systeme in 13 Ländern: Bizum (Spanien), Bancomat (Italien), SIBS-MB WAY (Portugal), Vipps MobilePay (Norwegen, Dänemark, Schweden, Finnland) sowie Wero (Deutschland, Belgien, Frankreich, Niederlande, Luxemburg, Österreich).

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Nach Betreiberangaben deckt die gemeinsame Infrastruktur über 70 Prozent der Bevölkerung der Europäischen Union und Norwegens ab und erreicht rund 130 Millionen aktive Nutzer. Der Rollout des Netzwerks ist stufenweise geplant und setzt – ähnlich wie das Schweizer Payinit-Angebot – zunächst auf P2P-Überweisungen, bevor Zahlungen im Onlinehandel und im stationären Handel folgen sollen.