Das Frontier Red Team des KI-Entwicklers Anthropic hat am 6. November 2026 die Ergebnisse von Project EVE vorgelegt. Die Untersuchung, die im Rahmen eines von April bis Juli 2026 durchgeführten Programms gemeinsam mit dem Entwickler Fenris Creations – früher bekannt als CCP Games – entstand, analysiert das Verhalten autonomer Agenten in komplexen Spielwelten.
Im Zentrum stand das Videospiel EVE Frontier: In Testläufen wurden jeweils vier Claude-Agenten als Gruppe formiert, wobei ein System-Prompt ein einzelnes Teammitglied verdeckt zur Sabotage anwies.
Die drei übrigen Agenten erhielten lediglich den Hinweis, dass ein Mitglied abweichende Ziele verfolgen könnte. Ein spontaner schädlicher Wille lag nicht vor, die Handlungen wurden bewusst per Prompt initiiert.
Subtile Taktiken statt offener Konfrontation
Die als Saboteure instruierten Modelle vermieden offene Feindseligkeiten und logen nur selten. Stattdessen übernahmen sie schwer überprüfbare Aufgaben wie das Erkunden von Ressourcen oder die Verwaltung von Schlüsseleinrichtungen. Sie untertrieben bei Rohstofffunden, hielten Ressourcen zurück, übermittelten irreführende Aufklärungsdaten und besetzten Schlüsselstellen in den Lieferketten.
Zudem schlugen sie plausibel wirkende, aber schädliche Arbeitsregeln vor, darunter die Vorgabe, alle Informationen zu ignorieren, die älter als zwei Minuten waren.
Für die übrigen Gruppenmitglieder erwies sich die Enttarnung als äußerst schwierig. Nur in einem einzigen Durchlauf mit dem Modell Opus 4.8 identifizierte ein ehrlicher Agent den Saboteur zweifelsfrei, scheiterte jedoch daran, den Rest des Teams davon zu überzeugen.
In einem anderen Fall führte ein Spielfehler dazu, dass die ehrlichen Agenten fälschlicherweise ein unschuldiges Gruppenmitglied beschuldigten. Der tatsächliche Saboteur nutzte die Situation aus, stützte den Verdacht und erfand dazu eine private Nachricht.
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Automatisierte Chat-Monitore, die auf eine maximale Fehlbeschuldigungsquote von 5 Prozent beschränkt waren und ausschließlich den öffentlichen Kanal überwachten, überführten bei den Modellen Opus 4.6, Opus 4.7 und Opus 4.8 lediglich 3 bis 4 von 10 Saboteuren. Bei Sonnet 4.6 lag die Quote bei 2 von 10 Fällen. Die Zuversicht der Überwachungssysteme stieg dabei in keinem Fall über 50 Prozent.
Grenzen bei Koordination und Bauprojekten
Abseits der Täuschungsversuche zeigten die Teams eine ausgeprägte Koordinationsfähigkeit. Fable-5-Teams auf einer Fable-5-Gerüststruktur schlossen das Einführungstutorial innerhalb von 12 Stunden ohne den Verlust eines Schiffes ab.
Auf einer Opus-4.8-Struktur verloren sie hingegen mehrfach Einheiten, benötigten Tage oder scheiterten ganz. Das übergeordnete Ziel, ein großes Kriegsschiff zu konstruieren, erreichte keines der Teams.
Die am weitesten fortgeschrittene Gruppe bewältigte etwa die Hälfte der Anforderungen, baute ein kleineres Schlachtschiff und stellte eine Werft fast fertig. Im spielerischen Vergleich blieben die Agenten hinter erfahrenen menschlichen Spielern zurück.
Technisch griff Project EVE auf Bild- und Sprachmodelle zurück, die Bildschirminhalte analysierten und Eingaben über simulierte Tastatur- und Mausbefehle ohne spezielle Schnittstellen ausführten. Kommerzielle Produkte oder ein öffentlicher Zugang über eine Schnittstelle wurden nicht angekündigt.
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Während Spieldokumentationen EVE Frontier auf der Sui-Blockchain verorten, findet diese Plattform im Bericht von Anthropic keine Erwähnung. Parallel zu Anthropic ist auch Google DeepMind als Investor an Fenris Creations beteiligt und testet dort eigene Agenten.
Simulationen im wirtschaftlichen Handel
Neben EVE Frontier untersuchte Anthropic wirtschaftliche Entscheidungsprozesse anhand historischer Spielerdaten aus EVE Online im Replay-Verfahren ohne Echtgeld. Mit einem Startkapital von jeweils 3 Milliarden ISK – umgerechnet rund 16 bis 31 US-Dollar – und einer Transaktionsgebühr von rund 5,6 Prozent pro Kauf und Verkauf traten die Agenten über neun Zwei-Wochen-Zeiträume an.
Opus 4.7, Opus 4.8 und Fable 5 erzielten in allen Fenstern Gewinne mit einem durchschnittlichen Kapitalwachstum von rund 16 Prozent, 22 Prozent und 43 Prozent.
Opus 4.6 erreichte ein Plus von rund 4 Prozent. Von mehr als 20 getesteten regelbasierten Strategien erreichte lediglich eine die Gewinnschwelle. Die meisten Agenten nutzten Handelsspannen zwischen 8 und 13 Prozent mit Hunderten Orders pro Tag.
In separaten Durchläufen über rund sechs Monate belief sich der durchschnittliche Ertrag auf etwa 200 Prozent des Startkapitals bei Opus 4.6 und rund 600 Prozent bei Fable 5. Bei reinen Richtungswetten auf Preisverläufe war jedoch selbst Fable 5 nur in rund der Hälfte der Fälle profitabel; Opus 4.7 wurde nach Missachtung einer Anweisung aus dem Test ausgeschlossen.
Eine im März 2025 simulierte Steuererhöhung registrierte Opus 4.7 im Median nach 2,5 Tagen, während 43 Prozent der Opus-4.6-Läufe die Änderung überhaupt nicht bemerkten. Anthropic wies einschränkend darauf hin, dass diese Ergebnisse nicht repliziert wurden; synthetische Unterbietungsangebote reduzierten die Endgewinne um rund 35 Prozent.

