Der Softwarekonzern bringt die KI Claude von Anthropic in den Agent Mode von Excel – und eröffnet damit rund 750 Millionen Nutzern völlig neue Automatisierungsmöglichkeiten.
Die Ankündigung fiel auf der Microsoft Build 2026 am heutigen Montag. Claude übernimmt künftig komplexe Aufgaben direkt in der Tabellenkalkulation: Formeln generieren, Daten bereinigen, Analysen durchführen und automatisierte Workflows erstellen. Das dürfte besonders für Unternehmen interessant sein, die täglich mit großen Datenmengen hantieren.
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Mehr als 11.000 Modelle im Foundry-Katalog
Die Integration ist Teil einer größeren Expansion des Microsoft Foundry-Katalogs. Dieser umfasst mittlerweile über 11.000 Modelle von Anbietern wie OpenAI, Anthropic und Google. Die Abrechnung erfolgt token-basiert – gezahlt wird also nur für die tatsächlich genutzte Rechenleistung.
Parallel dazu rollt Microsoft die dritte Welle von Microsoft 365 Copilot aus. Claude-Modelle sind nun auch für Enterprise-Kunden verfügbar. Ein erstes prominentest Beispiel: Die PT Bank Syariah Indonesia (BSI), größte islamische Bank Indonesiens, setzt die Tools bereits ein. Das Management erhofft sich davon Effizienzgewinne bei der Dokumentenerstellung, Datenanalyse und internen Kommunikation.
Anthropic rüstet bei Desktop-Automation auf
Erst Anfang Juni hatte Anthropic eine neue Funktion namens Skills vorgestellt. Dabei handelt es sich um wiederverwendbare Anweisungen, die sich für sich wiederholende Aufgaben eignen. Ein Anwendungsbeispiel: Ein Beleg-Extraktor, der Daten von Kassenzetteln erfasst und automatisch in Excel-Tabellen überführt.
Um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden, verdoppelt Anthropic ab dem 5. Juni die Nutzungskontingente für Claude Cowork. Die Fünf-Stunden-Rolling-Window-Quote für Pro-, Team- und Enterprise-Nutzer gilt bis zum 5. Juli 2026. Claude Cowork ist speziell für die Automatisierung von Aufgaben in Excel, Webbrowsern und lokalen Dateien optimiert – während Claude Code das primäre Werkzeug für die Softwareentwicklung bleibt.
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Strategische Wende: Microsoft baut eigene Modelle
Die Integration kommt zu einem strategisch bedeutsamen Zeitpunkt. Anthropic hatte am 1. Juni 2026 vertraulich einen Börsengang (IPO) angemeldet. Laut aktuellen Marktdaten vom Juni 2026 hält ChatGPT mit 54,7 Prozent weiterhin die Führung, doch Claude hat seinen Nutzerstamm im ersten Quartal um 306 Prozent gesteigert und liegt nun bei 8,2 Prozent Marktanteil.
Trotz der vertieften Partnerschaft arbeitet Microsoft gleichzeitig daran, die Abhängigkeit von externen KI-Anbietern zu reduzieren. Auf der Build-Konferenz stellte der Konzern sein hauseigenes Reasoning-Modell MAI-Thinking-1 vor. In Blindtests habe das Modell Claude Sonnet 4.6 geschlagen und bei Programmier-Benchmarks die Leistung von Claude Opus 4.6 erreicht.
Bereits am 2. Juni 2026 wurde MAI-Code-1-Flash in GitHub Copilot integriert. Das kleine Modell mit nur 5 Milliarden Parametern soll leistungsstarke Code-Assistenz bieten – und dabei bis zu 60 Prozent weniger Tokens verbrauchen als bisherige Drittanbieter-Integrationen.

