Excel erhält Claude: Microsoft baut KI-Assistent massiv aus

Microsoft integriert Anthropics Claude in Excel. KI-Kompetenz wird zur Schlüsselqualifikation im Finanzsektor.

Auf der Entwicklerkonferenz Microsoft Build 2026 gab das Unternehmen bekannt, dass der KI-Assistent Claude des Konkurrenten Anthropic künftig im „Agent Mode“ von Excel verfügbar sein wird. Das Ziel: automatisierte Datenbereinigung, Formelgenerierung und komplexe Analysearbeit – direkt in der Tabellenkalkulation.

Nutzer können Claude künftig nutzen, um Formeln zu erklären oder neu zu schreiben sowie Arbeitsabläufe direkt in der Excel-Umgebung zu generieren. Die Abrechnung erfolgt token-basiert, ähnlich wie bei anderen Modellen im Microsoft Foundry-Katalog, der mittlerweile mehr als 11.000 KI-Modelle umfasst.

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Warum Excel trotz Spezialsoftware unverzichtbar bleibt

Die Integration fortschrittlicher KI-Modelle wie Claude und Microsofts eigenem Copilot in Excel kommt nicht von ungefähr. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass Tabellenkalkulationen trotz spezialisierter Unternehmenssoftware weiterhin dominieren. Eine AFP-Studie aus dem Jahr 2025 ergab, dass 96 Prozent der Finanzplaner täglich oder wöchentlich auf Excel zurückgreifen. Im Gegensatz dazu nutzen nur 51 Prozent spezielle EPM-Software (Enterprise Performance Management).

Die Branche hat erkannt: Der Versuch, Excel zu ersetzen, ist gescheitert. Stattdessen setzen Anbieter nun auf Integration. Rund 90 Prozent der Finanzexperten nutzen Excel parallel zu anderen Planungsplattformen. Branchenbeobachter betonen, dass KI-Tools tiefgehende Excel-Kenntnisse für komplexe Aufgaben zunehmend überflüssig machen – die Modelle übernehmen die Logik und Datenstrukturierung.

KI-Kompetenz wird zur Einstellungsvoraussetzung

Der Bedarf an KI-affinen Fachkräften verändert auch die Personalpolitik großer Unternehmen. Auf dem Liquidity Summit 2026 erklärte OpenAI-Finanzchefin Sarah Friar, sie würde künftig keine Finanzmitarbeiter mehr einstellen, die nicht sowohl Excel als auch KI-Tools wie Codex beherrschen. Laut Friar machen Wissensarbeiter inzwischen rund 20 Prozent der Codex-Nutzer aus – ein Segment, das dreimal schneller wächst als andere Nutzergruppen. Der Deloitte Finance Trends 2026 bestätigt diesen trend: KI- und Automatisierungsfähigkeiten gelten als die gefragtesten Kompetenzen im Finanzsektor.

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Großprojekte in der Praxis

Die Integration von KI in Arbeitsabläufe läuft bereits auf breiter Front:

  • NHS England: Der britische Gesundheitsdienst rollt Microsoft 365 Copilot für mehr als 500.000 Mitarbeiter aus. Eine Studie mit 90 NHS-Organisationen und 30.000 Beschäftigten ergab eine durchschnittliche Zeitersparnis von 43 Minuten pro Tag bei Verwaltungsaufgaben. Der vollständige Rollout soll bis Oktober 2026 abgeschlossen sein.

  • KPMG: Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und Anthropic haben am 8. Juni 2026 eine globale Allianz geschlossen. Claude wird in die KPMG-Kundenplattform integriert, zunächst für die Bereiche Steuern und Private Equity. Das Unternehmen plant, das Tool für 276.000 Mitarbeiter verfügbar zu machen.

  • PT Bank Syariah Indonesia (BSI): Die indonesische Bank nutzt Microsoft 365 Copilot bereits für Datenanalyse und interne Produktivität in Teams, SharePoint und OneDrive.

Google und Spezialanbieter ziehen nach

Der Wettbewerb um KI-gestützte Tabellenkalkulation verschärft sich. Google hat am 8. Juni 2026 sein NotebookLM-Tool aktualisiert. Mit dem neuen Gemini 3.5-Modell und einer verbesserten Architektur können Nutzer Daten und Analysen nun direkt in das Excel-Format (.xlsx) exportieren – neben PowerPoint und PDF. Das Update enthält zudem eine sichere Cloud-Umgebung für Code-Ausführung und die Möglichkeit, Quellen über die Google-Suche zu finden.

Auch spezialisierte Anbieter steigen ein. Expensify hat am 8. Juni 2026 eine MCP-Integration (Model Context Protocol) gestartet, die KI-Assistenten wie ChatGPT und Claude den Zugriff auf Ausgabendaten per natürlicher Sprache ermöglicht. ZoomInfo wiederum hat seine Vertriebsdaten in Claude integriert, sodass Nutzer über einen nativen Connector auf verifizierte Unternehmens- und Kontaktsignale zugreifen können.

Die Entwicklung zeigt: Der Kampf um die Vorherrschaft im Bereich der Büro-KI ist voll entbrannt – und Excel bleibt das Schlachtfeld.