Excel im Web: Sitzungen verzehnfacht, Microsoft verdient 34 Mrd. Euro

Microsofts Excel-Webnutzung verzehnfacht sich, während neue KI-Features in Tabellenkalkulationen den Finanzsektor verändern.

Cloud-basierte Tabellenkalkulationen und generative KI verändern die digitale Arbeitswelt grundlegend.

Microsoft verzeichnet einen rasanten Anstieg der Nutzung von Excel fürs Web – die Sitzungszahlen haben sich in den vergangenen sechs Jahren verzehnfacht. Der Konzern führt diesen Erfolg auf die strategische Neuausrichtung zurück, die bereits 2018 mit dem Fokus auf Cloud-Entwicklung begann. Doch nicht nur Microsoft treibt die Entwicklung voran: Auch Google und spezialisierte KI-Startups drängen mit neuen Funktionen auf den Markt.

Microsoft setzt auf KI für Profis

Die Excel-Produktgruppe hat neue Copilot-Funktionen speziell für den Finanzbereich vorgestellt. Dazu gehören Schnittstellen zu den Datenanbietern FactSet und Morningstar sowie ein eigener „Plan with Copilot“-Modus. Diese Neuerungen folgen auf eine Design-Anpassung: Die Copilot-Oberfläche wurde auf Anregung der Nutzer hin in das Menüband integriert, nachdem schwebende Schaltflächen für Kritik gesorgt hatten.

Die Bezahl-KI-Funktionen finden zunehmend Abnehmer. Schätzungen zufolge haben rund 3,3 Prozent der 450 Millionen Microsoft-365-Nutzer ein kostenpflichtiges Copilot-Abonnement abgeschlossen. Das gesamte KI-Geschäft von Microsoft erzielt inzwischen einen Jahresumsatz von umgerechnet über 34 Milliarden Euro.

Xero integriert sich in Microsofts KI-Welt

Am 5. Juli 2026 kündigte die Buchhaltungsplattform Xero eine Integration mit Microsoft 365 Copilot an. Ein KI-Agent ermöglicht es Nutzern, Live-Finanzdaten – darunter Gewinn- und Verlustrechnungen, Liquiditätspositionen und Forderungen – direkt in Excel, Word und PowerPoint abzurufen. Der Start erfolgt mit reinem Lesezugriff; direkte Verknüpfungen zur Xero-Plattform erlauben anschließende Aktionen.

Google zieht mit neuen Funktionen nach

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Auch Google hat seine Produktivitätssuite aufgerüstet. Seit dem 5. Juli 2026 unterstützt Google Sheets den nativen Import von 3D-Balkendiagrammen aus Excel. Bisher wurden diese beim Import in zweidimensionale Darstellungen umgewandelt – die Formatierung bleibt nun erhalten.

Im Juli 2026 führte Google Workspace zudem eine verbesserte KI-Workflow-Integration ein. Herzstück ist ein einheitlicher Drag-and-Drop-Builder mit über 200 neuen Konnektoren. Das System nutzt das große Sprachmodell Gemini und setzt auf Vertex AI für die Erkennung von Anomalien. Ziel ist es, die Einrichtungszeit für komplexe, ereignisgesteuerte Trigger deutlich zu verkürzen.

Spezialisierte KI-Modelle für Tabellenkalkulationen

Ende Juni 2026 veröffentlichte Google Research TabFM 1.0.0 – ein sogenanntes „Zero-Shot“-Basismodell für Tabellendaten. Anders als herkömmliche Modelle, die für jeden Datensatz neu trainiert werden müssen, arbeitet dieses Tool mit kontextbezogenem Lernen und kann Klassifikations- und Regressionsaufgaben direkt in Tabellenkalkulationen ausführen.

Der Markt für Tabellenkalkulationen erlebt zunehmend Konkurrenz durch KI-native Plattformen. Anthropic brachte Ende Juni/Anfang Juli 2026 Claude Science als Beta-Version auf den Markt – eine Multi-Agenten-KI für die Forschung. Die Plattform greift auf über 60 wissenschaftliche Datenbanken zu und nutzt ein System aus Generalisten- und Spezialisten-Agenten, um Datenaufbereitung und Literaturrecherchen in der Genomik und Pharmakologie zu automatisieren.

Finanzbranche treibt KI-Einsatz voran

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Besonders stark ist der Einfluss dieser Werkzeuge im Finanzsektor. Einer Umfrage aus dem Jahr 2026 zufolge setzen bereits 56 Prozent der Finanzverantwortlichen KI ein. Unternehmen wie Levi Strauss und Amazon nutzen maschinelles Lernen und generative KI für Umsatz- und Steueranalysen. Branchendaten zeigen, dass KI-gestützte Prognosen die Fehlerquote im Vergleich zu herkömmlichen manuellen Tabellenkalkulationen um 25 bis 50 Prozent senken können.

Während traditionelle Plattformen wie Excel und Google Sheets weiterhin dominieren, entstehen neue KI-native Systeme. Sie unterscheiden sich grundlegend von den etablierten Anbietern: KI fungiert hier als zentrale Betriebsebene mit autonomen Agenten und integrierter Governance – nicht als bloßes Zusatzfeature oder Plugin.