Microsoft bricht mit einer jahrzehntealten Grundregel von Excel: In einer neuen Testfunktion können mehrere Werte in einer einzigen Zelle gespeichert werden, statt wie bisher genau einem Wert. Die Neuerung wurde von Jake Armstrong, Senior Product Manager für Excel, über LinkedIn und einen Blogbeitrag angekündigt und umfasst drei Werkzeuge: Listen, in Zellen gespeicherte Arrays und verschachtelte Arrays.
Listen, Arrays und neue Funktionen
Listen lassen sich über Insert > List oder per Tastenkombination Strg+J anlegen, wobei die Werte je nach Spracheinstellung durch Komma oder Semikolon getrennt werden. Einzelne Listenelemente sind dabei filterbar: Enthält eine Zelle etwa die Namen Carlos, Henrietta und Jacob, lässt sich gezielt nur nach Carlos filtern. Über die Formel =B2 können Listenwerte zudem gespillt, also über mehrere Zellen ausgegeben werden.
Arrays beliebiger Größe und Form lassen sich künftig nativ in einer Zelle ablegen – sowohl feste Werte als auch Formelergebnisse – und können sogar weitere Arrays enthalten. Eine Formel wie ={1;2;3} bleibt dabei in geschweiften Klammern innerhalb einer einzigen Zelle erhalten. Verschachtelte Arrays sollen zudem verhindern, dass Ergebnisse abgeschnitten werden oder #CALC!-Fehler auftreten.
Parallel führt Microsoft vier neue Funktionen ein: FLATTEN löst Verschachtelungen auf, HAS prüft, ob ein bestimmter Wert vorhanden ist (etwa =HAS(D2,“Carlos“)), HASANY prüft, ob mindestens einer von mehreren Werten vorhanden ist, und HASALL, ob alle gesuchten Werte enthalten sind.
Während neue Funktionen wie verschachtelte Arrays die Tabellenkalkulation revolutionieren, verschwenden viele Anwender im Büroalltag noch immer wertvolle Zeit durch manuelle Klicks. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie mit den richtigen Tastenkombinationen in Excel und anderen Office-Programmen sofort spürbar schneller arbeiten. Bis zu 30 Minuten täglich sparen: Die besten Office-Tastenkombinationen im kostenlosen PDF
Dynamische Berechnungen wie COUNT, AVERAGE, UNIQUE und SORT sowie XLOOKUP sollen laut Microsoft direkt auf Listen und Arrays angewendet werden können, auch bei Verschachtelungen.
Kompatibilität und Einschränkungen
Verschachtelte Arrays erfordern die Einstellung „Compatibility Version 3“, die unter Formeln > Berechnungsoptionen aktiviert wird. Da bestehende Formeln dadurch abweichende Ergebnisse liefern können, lässt sich wahlweise auch Version 1 oder 2 beibehalten.
Mehrere Excel-Standardfunktionen unterstützen die neuen Array-Inhalte bislang nicht: Bedingte Formatierung, Datenvalidierung, Diagramme, PivotTables, Power Query sowie die Suchen/Ersetzen-Funktion. Für PivotTables müssen die Daten vorab per Flatten aufgelöst werden.
Auch außerhalb von Excel selbst entsteht Anpassungsbedarf: Externe Bibliotheken wie openpyxl, pandas und calamine, der CSV-Export sowie Konkurrenzprodukte wie Google Sheets und LibreOffice müssen auf das neue Format reagieren, ebenso ältere Excel-Versionen. Die zugrunde liegende .xlsx-XML-Repräsentation der neuen Datenstruktur hat Microsoft bislang nicht veröffentlicht.
Wer sich mit den komplexen Neuerungen von Excel befasst, erkennt schnell, wie viel Potenzial in einer effizienten Tabellenkalkulation steckt. Mit diesem kostenlosen Starterpaket meistern Sie Formeln und Formatierungen endlich kinderleicht und vermeiden typische Fehler von Anfang an. Excel-Profi in kürzester Zeit: Kostenloser Ratgeber zeigt den schnellsten Weg
Rollout und Hintergrund
Die Funktion befindet sich in der Preview-Phase und ist laut Microsoft nicht für wichtige Arbeitsmappen gedacht. Der Rollout erfolgt als Opt-in im Beta Channel, für Windows ab Version 2610 (Build 20520.20000) und für Mac ab Version 16.114 (Build 26092111).
Die Möglichkeit, mehrere Werte pro Zelle zu speichern, wurde von Nutzern seit Jahren gefordert, unter anderem in Community-Diskussionen aus dem Jahr 2021 und vom November 2022. Joe McDaid, damals Programmmanager für Excel, hatte das bisherige Verhalten mit dem Prinzip der „impliziten Schnittmenge“ erklärt, bei dem Formeln automatisch und unbemerkt nur einen Einzelwert auswählten.
Als Anwendungsfälle nennt Microsoft unter anderem Umfrageauswertungen, die Verschlagwortung von Produktkatalogen sowie Schulungs- und Kunden-Tracker. Statt Zusatzspalten oder duplizierter Datensätze könnte künftig eine einzelne Zelle zusammengehörige Informationen wie mehrere Telefonnummern, Lieferadressen oder E-Mail-Adressen eines Kunden bündeln.
Am Beispiel der Funktion TEXTSPLIT zeigt sich der Unterschied deutlich: Ohne verschachtelte Arrays gibt Excel bislang nur das erste Element pro Zeile aus, mit der neuen Funktion wird pro Zeile ein vollständiges Array gespillt. Die Grenze zwischen klassischer Tabellenkalkulation und Datenbank verschwimmt dadurch zunehmend.

