Der Beratungsriese EY und der Technologiekonzern Microsoft bündeln ihre Kräfte: Mit einem Milliardeninvestment wollen sie Unternehmen von KI-Experimenten zur echten Produktivität führen.
Die Ankündigung am heutigen Donnerstag markiert eine deutliche Eskalation der seit Jahren bestehenden Partnerschaft. Gemeinsam investieren EY und Microsoft über eine Milliarden Euro in den nächsten fünf Jahren. Ziel ist es, die künstliche Intelligenz aus der Experimentierphase zu holen und in messbare Geschäftsergebnisse zu verwandeln. Im Kern geht es um „agentische KI“ – Systeme, die eigenständig handeln und nicht nur Texte generieren.
Ein neues Engineering-Modell: „Forward Deployed Engineers“
Das Herzstück der Initiative ist ein neues Arbeitsmodell. Microsoft entsendet spezialisierte Ingenieure direkt zu den Kundenprojekten von EY. Diese „Forward Deployed Engineers“ arbeiten Seite an Seite mit den Beratern vor Ort. Die Idee: Technische Architektur und geschäftliche Anforderungen sollen von Anfang an perfekt aufeinander abgestimmt sein.
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Die Unternehmen nennen diesen Ansatz „Hypervelocity Engineering“. Es geht um Hochgeschwindigkeit bei der Entwicklung und Einführung von KI-Lösungen. Statt monatelanger Vorbereitung sollen Unternehmen ihre Systeme deutlich schneller umstellen können. Die Teams konzentrieren sich auf die größten Hebel im Unternehmen – dort, wo KI den größten Unterschied macht.
EY als „Client Zero“ – Testlabor für Microsofts neueste Technologien
EY übernimmt eine besondere Rolle: Der Beratungskonzern fungiert als „Client Zero“ für Microsofts neueste Enterprise-Tools. Das bedeutet, EY testet und validiert die Technologien im eigenen Haus, bevor sie auf den Markt kommen. EY war einer der ersten Nutzer der neuen Microsoft 365 E7 Suite, einem Paket für anspruchsvolle Sicherheits- und KI-Anforderungen.
Nach einer erfolgreichen Pilotphase rollt EY nun Microsoft 365 Copilot für seine gesamte Belegschaft von über 400.000 Mitarbeitern aus. Erste Ergebnisse sind vielversprechend: Eine Testgruppe von 150.000 Nutzern verzeichnete einen Produktivitätsanstieg von 15 Prozent. Die eingesparte Zeit floss direkt in die Arbeit mit Kunden und in Weiterbildungsprogramme.
Durch diese interne Transformation will EY seinen Kunden zeigen, was möglich ist. Das Unternehmen versteht sich als Blaupause für „Frontier Firms“ – Organisationen, die KI erfolgreich skalieren und dauerhaft nutzen.
Fokus auf fünf Schlüsselindustrien
Die Milliardeninvestition zielt gezielt auf bestimmte Branchen ab. Im Fokus stehen zunächst:
- Finanzdienstleistungen
- Industrie und Energie
- Konsumgüter und Einzelhandel
- Öffentlicher Sektor
- Gesundheitswesen
Diese Sektoren zeichnen sich durch komplexe regulatorische Anforderungen und große Datenmengen aus – ideale Bedingungen für den Einsatz intelligenter Systeme.
Die konkreten Anwendungen sind vielfältig: Im Finanz- und Steuerbereich sollen KI-Agenten Daten dynamisch analysieren und Steuerprozesse automatisieren. In der Personalabteilung geht es um die Optimierung der Talentakquise. Lieferketten sollen durch vorausschauende Analysen effizienter werden. Und in der Risikobewertung verspricht die Integration von „Trusted Data Fabrics“ mit Microsofts Power Platform präzisere Prüfungen.
Strategischer Kontext: Eine Partnerschaft mit Geschichte
Die heutige Ankündigung ist kein isolierter Schritt. Bereits in den vergangenen Jahren hatte EY massiv in sein KI-Ökosystem investiert, unter anderem mit einer Milliardeninvestition in die hauseigene Plattform EY.ai. Diese frühere Phase konzentrierte sich auf die Integration von KI in firmeneigene Technologien wie EY Fabric.
EY-Chefin Janet Truncale betonte, dass es nun darum gehe, Kunden zu helfen, den Schritt von einfachen Experimenten zu messbaren Geschäftsergebnissen zu schaffen. Microsoft-Manager Judson Althoff hob hervor, dass die Kombination aus vertrauenswürdiger KI-Plattform und Branchenexpertise den entscheidenden Unterschied mache. Der „Client Zero“-Ansatz stelle sicher, dass die Technologien in einem komplexen globalen Unternehmen erprobt seien, bevor sie an Kunden ausgeliefert werden.
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Ausblick: Der Wettlauf um die nächste KI-Phase
Die Branche beobachtet diesen Schritt genau. Analysten sehen darin einen Beleg für einen grundlegenden Wandel: Nach der ersten Welle der Begeisterung für generative KI fordern Unternehmen nun Systeme, die mehr können als Texte schreiben. Agentische KI – Systeme, die eigenständig Entscheidungen treffen und handeln – gilt als der nächste große Schritt.
Mit der Milliardeninvestition positionieren sich EY und Microsoft als führende Kräfte in dieser neuen phase. Der Fokus auf branchenspezifische Lösungen und die enge Verzahnung von Technologie und Beratung könnten zum neuen Standard werden. Für die Beratungsbranche bedeutet dies einen verschärften Wettbewerb: Wer sowohl die technische Expertise als auch die strategische Beratung für KI liefern kann, wird die Nase vorn haben.

