Fair Repair Act: USA und Deutschland starten Offensive für Reparaturrecht

Deutschland und die USA bringen Gesetze auf den Weg, die Hersteller zu Reparaturen verpflichten und Software-Sperren verbieten wollen. Ziel sind mehr Verbraucherrechte und weniger Elektroschrott.

Ein globaler Vorstoß für das Recht auf Reparatur gewinnt an Fahrt. Diese Woche bringen sowohl die USA als auch Deutschland wegweisende Gesetze auf den Weg, die Verbrauchern und unabhängigen Werkstätten mehr Macht geben sollen. Der transatlantische Schulterschluss stellt Software-Sperren der Hersteller und urheberrechtliche Barrieren infrage, die Reparaturen bisher oft verhinderten.

Transatlantischer Gesetzesvorstoß im Februar 2026

Die Dynamik ist auf beiden Seiten des Atlantiks spürbar. In den USA hat Senator Ben Ray Luján den „Fair Repair Act“ eingebracht. Das Bundesgesetz soll Verbrauchern und unabhängigen Betrieben endlich rechtlichen Anspruch auf Werkzeuge, Ersatzteile und Informationen zur Reparatur von Elektronik geben. Ziel ist es, teure Hersteller-Werkstätten als einzige Option abzuschaffen.

Parallel dazu legte das deutsche Bundesministerium der Justiz einen Entwurf zur Umsetzung der EU-Reparaturrichtlinie vor. Künftig müssen Hersteller von Waschmaschinen, Kühlschränken oder Smartphones Reparaturen zu angemessenen Kosten anbieten – auch nach Ablauf der gesetzlichen Gewährleistung. Ein zentraler Anreiz: Wer sich für eine Reparatur entscheidet, erhält ein Jahr Garantieverlängerung. Zudem sollen technische Sperren, die unabhängige Reparaturen blockieren, verboten werden.

Grundlage: Bahnbrechende Urheberrechts-Entscheidung

Beide Initiativen bauen auf einem wegweisenden Schritt der US-Urheberrechtsbehörde von Ende 2024 auf. Damals wurden Ausnahmen vom Digital Millennium Copyright Act (DMCA) beschlossen. Sie erlauben es, Software-Sperren für Diagnose, Wartung und Reparatur zahlreicher Geräte zu umgehen – von medizinischen Geräten über Fahrzeuge bis zu gewerblicher Küchentechnik.

Diese Entscheidung war ein Wendepunkt. Sie befreite Landwirte, Gastronomen oder Krankenhäuser aus der Abhängigkeit von herstellereigenen Technikern. Allerdings gelten die Ausnahmen nur für drei Jahre und müssen regelmäßig erneuert werden. Genau hier setzen die neuen Gesetze an: Sie wollen dauerhafte Rechte schaffen.

Kernkonflikt: Wer kontrolliert die Hardware?

Im Zentrum der Debatte steht eine simple Frage: Wer hat die Hoheit über ein gekauftes Gerät? Hersteller setzen zunehmend auf „Parts Pairing“ – Software, die nicht-autorisierte Ersatzteile erkennt und das Gerät dann stilllegt. Die Unternehmen argumentieren mit Sicherheit und Schutz geistigen Eigentums.

Kritiker sehen darin jedoch vor allem ein Mittel, den Reparaturmarkt zu monopolisieren und den Neukauf zu fördern. Die Folge sind nicht nur höhere Kosten für Verbraucher, sondern auch mehr Elektroschrott. Die neuen Gesetze wollen dieses Machtverhältnis neu justieren: Wer ein Produkt besitzt, soll es auch reparieren dürfen.

Folgen für Industrie und Umwelt

Die Gesetze zwingen Tech-, Hausgeräte- und Autoindustrie zum Umdenken. Geschäftsmodelle, die auf abgeschotteten Ökosystemen basieren, stehen infrage. Hersteller müssten Reparaturanleitungen, Diagnosetools und originale Ersatzteile zu fairen Bedingungen bereitstellen.

Für Verbraucher bedeutete das mehr Wahlfreiheit, niedrigere Kosten und langlebigere Produkte. Für die Umwelt könnte der Effekt enorm sein. Leichter reparierbare Geräte reduzieren den Elektroschrott-Berg, einen der am schnellsten wachsenden Abfallströme weltweit. Die EU geht noch weiter: Bis 2027 soll eine europäische Reparatur-Plattform Verbrauchern die Suche nach qualifizierten Dienstleistern erleichtern.

Ausblick: Ein harter Weg bis zur Umsetzung

Der Weg bis zur Umsetzung bleibt steinig. In den USA muss der Fair Repair Act noch den Kongress passieren – gegen den erbitterten Widerstand mächtiger Tech-Lobbys. In Deutschland soll das Gesetz bis zum 31. Juli 2026 verabschiedet werden und in der größten Volkswirtschaft Europas Maßstäbe setzen.

Eines ist klar: Die Debatte hat die Nische verlassen. Aus einem Aktivistenthema wird ein mainstream Verbraucherrecht. Es geht um nicht weniger als die Frage, wer in der digitalen Ära die Kontrolle über die Technik des Alltags behält – die Konzerne oder die Menschen, die sie täglich nutzen.