Famedly Matrix-Messenger: BSI-zertifiziert für Behörden im Deutschland-Stack

Europäische Open-Source-Projekte wie Matrix-Messenger, Postcard und Helium bieten Alternativen zu US-Diensten, zeigen aber unterschiedliche Reifegrade.

In den vergangenen Tagen sind mehrere europäische Alternativen zu marktbeherrschenden US-Anwendungen in den Fokus von Tech-Publikationen gerückt. Von Messengern über E-Mail-Clients bis zu Browsern und Office-Software werden derzeit verschiedene Projekte getestet und bewertet, die Nutzern und Behörden Unabhängigkeit von US-dominierten Diensten bieten sollen.

Matrix-Messenger im Deutschland-Stack

Der Berliner Anbieter Famedly GmbH sorgte für Aufmerksamkeit, weil sein Matrix-basierter Messenger in den sogenannten Deutschland-Stack integriert wird. Grundlage ist die Entscheidung B-2026/03-IT des IT-Planungsrats, die mehr als 50 offene Standards umfasst.

Bereits 2024 hatte die BWI GmbH das Konzept mit Messaging Layer Security (MLS) als geeignet bewertet; es entspricht laut Famedly den BSI-Richtlinien für den Geheimhaltungsgrad VS-NfD, ohne dass ein VPN notwendig wäre. Famedly verweist zudem darauf, den nach eigenen Angaben ersten zertifizierten TI-Messenger im Gesundheitswesen entwickelt zu haben.

Neuer E-Mail-Client für GNOME

Der Entwickler gxanshu hat mit Postcard einen neuen E-Mail-Client für die GNOME-Desktopumgebung vorgestellt. Die Anwendung ist in Python geschrieben und nutzt GTK4 sowie libadwaita für die Oberfläche, während imaplib und smtplib für die Protokollanbindung, SQLite für die Datenhaltung, WebKitGTK für die Darstellung und libsecret für die Passwortverwaltung zum Einsatz kommen.

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Postcard unterstützt IMAP und SMTP, jedoch keine POP- oder EWS-Konten; Gmail-Zugänge lassen sich über GNOME Online Accounts einbinden. Funktionen wie PGP-Verschlüsselung, ein Kalender oder clientseitige Filter fehlen bislang.

Die Entwicklung ist aktiv, innerhalb von zwei Wochen erschienen fünf Updates. Installieren lässt sich Postcard als Flatpak aus einem eigenen Repository – auf Flathub ist die Anwendung wegen eines dortigen Verbots von KI-generiertem Code nicht verfügbar.

Office-Alternative unter Kritik

Auch im Bereich Office-Software gibt es Bewegung: Das Projekt Euro-Office wirbt für eine europäische Open-Source-Alternative zu US-amerikanischen Office-Paketen. Nach dem Start geriet das Angebot jedoch in die Kritik, weil eine anhaltende Abhängigkeit von Microsoft-Technologien bestehen bleibe.

Chromium-basierter Browser mit Fokus auf Privatsphäre

Der Open-Source-Browser Helium basiert auf Chromium und bietet vier verschiedene Layouts, vertikale Tabs, eine Split-View-Funktion sowie einen rahmenlosen Modus. Werbung, Tracker und Cookie-Banner werden standardmäßig blockiert; dafür ist uBlock Origin integriert, ohne dass eine bezahlte Allowlist zum Einsatz kommt.

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Allerdings fehlen Helium bislang eine Synchronisationsfunktion, eine mobile Version, Widevine-DRM sowie ein Passwort-Manager. Der Browser steht für Windows und macOS zur Verfügung, für Linux existiert derzeit eine Beta-Version.

Einordnung

Die genannten Projekte zeigen, wie unterschiedlich der europäische Vorstoß gegen die Oracle-Dominanz US-amerikanischer Mobile- und Desktop-Anwendungen ausfällt: Während Famedly mit institutioneller Rückendeckung durch den IT-Planungsrat und BSI-konforme Zertifizierungen punktet, handelt es sich bei Postcard und Helium um community-getriebene Projekte einzelner Entwickler beziehungsweise kleinerer Teams, die noch nicht den vollen Funktionsumfang etablierter Konkurrenten erreichen.

Euro-Office wiederum verdeutlicht, dass auch bei erklärtem Unabhängigkeitsanspruch technische Abhängigkeiten von US-Anbietern bestehen bleiben können. Für Nutzer, die auf europäische Lösungen setzen wollen, bedeutet dies: Die Auswahl wächst, doch Funktionsumfang und Reifegrad unterscheiden sich je nach Projekt teils erheblich.