Faraday Future startet mit autonomen Lieferrobotern

Der Elektroauto-Hersteller Faraday Future beginnt mit der Auslieferung autonomer Lieferroboter und tritt in einen von etablierten Playern wie Serve Robotics geprägten Wachstumsmarkt ein.

Der Elektroauto-Hersteller Faraday Future beginnt nächste Woche mit den ersten Auslieferungen seiner autonomen Lieferroboter. Das Unternehmen aus Kalifornien drängt damit in den boomenden Markt der automatisierten Logistik, der sich weltweit im Umbruch befindet.

In einem wöchentlichen Update für Investoren bestätigte das Unternehmen am Sonntag, alle notwendigen Zertifizierungen für den Verkauf und die Auslieferung der Roboter abgeschlossen zu haben. Man zeige sich zuversichtlich, den Auslieferungs- und Hochlaufplan wie geplant umsetzen zu können. Die ersten Geräte werden an mehrere US-Händler geliefert, mit denen bereits Absichtserklärungen unterzeichnet wurden. Für Faraday Future ist der Schritt Teil einer strategischen Neuausrichtung, um skalierte Auslieferungen zu beschleunigen, die Cashflow-Situation zu verbessern und eine symbiotische Beziehung zwischen Roboter- und Elektrofahrzeuggeschäft zu schaffen.

Etablierte Player festigen ihre Präsenz

Der Markt für autonome Lieferungen ist bereits in Bewegung. Serve Robotics, ein Spin-off von Uber, baut seinen Fuhrpark in großen US-Städten massiv aus und betreibt mittlerweile eine der größten Flotten für Gehweg-Lieferungen. Ende 2025 erreichte das Unternehmen sein Ziel, über 2.000 Roboter mit Level-4-Autonomie einzusetzen – Systeme, die komplexe städtische Umgebungen zuverlässig navigieren können. Treibende Kraft hinter dieser Expansion sind Partnerschaften mit den Liefergiganten Uber Eats und DoorDash.

Auch der Pionier Starship Technologies demonstriert weiter die Akzeptanz der Technologie. Eine Umfrage vom Januar 2026 ergab eine Zustimmungsrate von 97 Prozent für seine Roboter auf US-College-Campussen, besonders in der Generation Z. Weltweit hat Starship mit über 2.700 Robotern bereits mehr als neun Millionen Lieferungen abgeschlossen und expandiert unter anderem mit Uber Eats in Großbritannien und andere europäische Märkte.

Technologie und Wettbewerb heizen das Rennen an

Das Wachstum wird durch Fortschritte in künstlicher Intelligenz und Robotik ermöglicht. Die Bots von Serve Robotics sind für Level-4-Autonomie ausgelegt, operieren also eigenständig in definierten Gebieten, können aber in unerwarteten Situationen auf menschliche Fernbediener zurückgreifen. Das Unternehmen erschließt sogar neue Einnahmequellen wie Werbung auf den Robotern.

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Die Wettbewerbslandschaft ist vielfältig. Während DoorDash neben Partnerschaften auch einen eigenen Lieferroboter entwickelt, setzt der Mitbewerber Nuro nun auf eine Lizenzstrategie. Statt eigene Fahrzeuge zu bauen, lizenziert man das „Nuro Driver“-Autonomiesystem an Autohersteller. Eine Partnerschaft mit Uber und Lucid Motors für eine künftige Robotaxi-Flotte wurde bereits angekündigt.

Praxishürden und öffentliche Akzeptanz als Schlüssel

Trotz der technischen Fortschritte ist der Einsatz in realen städtischen Umgebungen eine Herausforderung. Komplexe Kreuzungen, unvorhersehbares Wetter und unerwartete Hindernisse testen die Systeme. Ein aktuelles Video vom 18. Februar zeigte einen Roboter von Coco Robotics, der sich durch eine überflutete Straße in West Hollywood kämpfte. Das Unternehmen betont zwar, seine wetterfesten Roboter könnten Umleitungen vornehmen, doch der Vorfall unterstreicht die praktischen Schwierigkeiten.

Die öffentliche Wahrnehmung und regulatorische Rahmenbedingungen bleiben entscheidend für den flächendeckenden Einsatz. Die hohen Zustimmungsraten auf Campus sind vielversprechend, doch die Akzeptanz in belebten Innenstädten ist ein fortlaufender Prozess. Unternehmen müssen eng mit Kommunen zusammenarbeiten, um sichere und unauffällige Operationen zu gewährleisten – eine Grundvoraussetzung für die Genehmigung neuer Einsatzgebiete.

Wachstumsprognosen und der Weg zur Profitabilität

Das laufende Jahr könnte ein Wendepunkt für die Branche werden. Der Markteintritt von Faraday Future wird aufmerksam verfolgt, während etablierte Anbieter wie Serve und Starship ihre Skalierung vorantreiben. Analysten prognostizieren ein kräftiges Wachstum: Der globale Markt für Lieferroboter könnte von rund 800 Millionen Euro im Jahr 2025 auf über 3,2 Milliarden Euro bis 2030 anwachsen.

Im Fokus steht nun die Verbesserung der Stückkostenökonomie und das Erreichen von Profitabilität im großen Maßstab. Serve-CEO Ali Kashani verwies Anfang 2026 darauf, dass weiteres Wachstum zu positiven Stückkosten führen könne. Mit fortschreitender KI-Entwicklung soll die Abhängigkeit von menschlicher Fernsteuerung sinken, was die Betriebskosten weiter drückt. Der Anblick kleiner, elektrischer Roboter auf Gehwegen und Straßen dürfte so zu einem immer gewöhnlicheren Bild städtischen Lebens werden.