Ein neuer Roboter will nicht in Fabriken schuften, sondern mit Menschen interagieren. Das Startup Fauna Robotics hat mit „Sprout“ einen menschenähnlichen Roboter entwickelt, der speziell für den Einsatz in Hotels, Schulen oder sogar Privathaushalten gedacht ist. Die ehemaligen Meta- und Google-Ingenieure hinter dem Unternehmen setzen damit auf Sicherheit und Zugänglichkeit – und stellen sich gegen den aktuellen Trend reiner Industrieautomaten.
Vom Labor in die Lebenswelt: Ein Roboter zum Anfassen
Im Mittelpunkt steht eine grundlegende Neuausrichtung. Während Konkurrenten auf Stahl und Kraft setzen, setzt Fauna Robotics auf weiche Materialien und ein „Safety-First“-Design. Sprout ist nur 1,07 Meter groß, wiegt knapp 23 Kilogramm und ist mit einer weichen, grünen Schaumstoffhülle überzogen. Das minimiert Verletzungsrisiken und macht Berührungen sicher – sogar für Kinder.
Die Technik im Inneren ist dennoch hoch entwickelt. Ein NVIDIA Jetson AGX Orin-Modul steuert 29 Freiheitsgrade, die Gehen, Tanzen und Springen ermöglichen. Sensoren und stereoskopische Kameras erfassen die Umgebung. Entscheidend ist die „nachgiebige“ Motorsteuerung: Statt gegen Widerstände anzukämpfen, weicht der Roboter aus. So navigiert er sicher in der unvorhersehbaren menschlichen Umgebung.
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Strategie: Die Lücke im Dienstleistungssektor füllen
Die Marktstrategie von Fauna Robotics ist bewusst konträr. Statt in Logistik und Fertigung zielt das Unternehmen auf den Dienstleistungssektor ab, der in den USA über 80 Prozent der Arbeitskräfte stellt. Für 50.000 US-Dollar ist die „Creator Edition“ nun erhältlich – ein Preis, der Unternehmen aus Hospitality und Einzelhandel sowie Forschungsinstitute ansprechen soll.
Erste Partner wie Disney und Boston Dynamics testen bereits Anwendungen. Die Vision: Sprout soll Gäste im Hotel empfangen, Produkte im Laden präsentieren oder als interaktive Figur in Freizeitparks agieren. Damit adressiert Fauna das, was sie als „Deployment Gap“ bezeichnet: die Schwierigkeit, Roboter aus kontrollierten Fabrikhallen in den unordentlichen Alltag zu bringen.
Ein Ökosystem aus Freundlichkeit statt Stärke
Die Inspiration der Gründer kommt nicht von Terminator-Figuren, sondern von freundlichen Sci-Fi-Charakteren wie WALL-E. Dieser Fokus auf einen Roboter, „mit dem man gerne Zeit verbringt“, könnte zum entscheidenden Unterschied werden. Die zunächst für Entwickler gedachte Edition ist ein strategischer Schachzug. Ein stabiles, sicheres Hardware-Fundament soll eine Flut von Software-Innovationen auslösen.
Die Zukunft von Sprout liegt nun in den Händen der Entwicklergemeinschaft. Bewährt sich die Plattform in ersten Pilotprojekten, könnte sie eine ganz neue Roboterkategorie etablieren: Maschinen, die nicht nur für uns, sondern mit uns arbeiten. Der lang gehegte Traum eines persönlichen Haushaltsroboters rückt so vielleicht ein Stück näher.





