Kriminelle schicken Boten direkt zur Haustür – Senioren besonders gefährdet.
Das Internet Crime Complaint Center (IC3) des FBI hat am heutigen Samstag eine dringende Warnung veröffentlicht: Immer häufiger setzen Betrüger persönliche Kuriere ein, um Bargeld oder Wertgegenstände direkt bei ihren Opfern abzuholen. Diese Entwicklung markiert einen gefährlichen Wandel – weg von rein digitalen Transaktionen hin zu physischen Übergaben, die Bankkontrollen und Krypto-Überwachung umgehen sollen.
Die Masche: Wie die Täter vorgehen
Besonders Senioren stehen im Fokus dieser Betrugswelle. Die Täter geben sich am Telefon als Regierungsbeamte, FBI-Agenten oder Mitarbeiter bekannter Technologiekonzerne aus. Sie überzeugen ihre Opfer, dass deren Ersparnisse in Gefahr seien oder dass Gebühren für einen angeblichen Gewinn anfielen. Statt einer Überweisung oder Krypto-Zahlung vereinbaren sie jedoch die Abholung durch einen Boten.
Um den Vorgang seriös wirken zu lassen, verwenden die Kuriere oft Codewörter oder Bestätigungsnummern. Bei einer verdeckten Operation in Omaha am 30. Juni 2026 nutzten die Täter etwa das Codewort „Kahreem“. Die Aktion führte zur Festnahme von Kerwin Kerr und Shanna Kerr, die versucht hatten, 473.000 Dollar von einer fiktiven älteren Frau einzutreiben.
Jüngste Festnahmen: Gold, Schmuck und Krypto
Die FBI-Warnung kommt nicht von ungefähr – eine Serie von Festnahmen unterstreicht das Ausmaß des Problems. Am 1. Juli 2026 wurden Aiyaz Pirani, Pareshkumar Patel und Mahendrasinh Diya im Bundesstaat Virginia festgenommen. Die Männer hatten ein älteres Ehepaar zur Herausgabe von Gold und Schmuck gedrängt, angeblich zur „Überprüfung“. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Bande für Schäden von über einer Million Euro verantwortlich ist.
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Bereits im März 2026 verhaftete die Polizei in Westlake, Ohio, zwei Männer. Eine 78-jährige Frau war von falschen Agenten überzeugt worden, Gold zu kaufen – angeblich zur sicheren Aufbewahrung. Das Opfer verlor fast 200.000 Euro, bevor die Polizei mit Imitat-Gold die Täter in eine Falle lockte.
Millionenschäden: Senioren tragen die Hauptlast
Die Dimension des Betrugs ist enorm. Laut IC3-Daten aus dem Jahr 2025 erreichten die Verluste durch Internetkriminalität 20,877 Milliarden Dollar – allein Krypto-Betrug machte 11,37 Milliarden Dollar aus. Anlagebetrug verursachte Schäden von 8,65 Milliarden Dollar. Menschen ab 60 Jahren sind überproportional betroffen: Sie verloren im vergangenen Jahr schätzungsweise 7,75 Milliarden Dollar.
Neben den Kurier-Betrügereien beobachten Sicherheitsexperten einen Anstieg gewaltsamer Erpressung. Das Blockchain-Sicherheitsunternehmen CertiK berichtet von sogenannten „Wrench-Attacks“ – Überfälle, bei denen Täter Opfer entführen oder angreifen, um an Krypto-Schlüssel zu gelangen. Zwischen Januar und April 2026 entstand dadurch ein Schaden von über 100 Millionen Dollar – ein Anstieg um 41 Prozent.
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Gegenmaßnahmen: Neue Gesetze und Klagen
Städte und Bundesstaaten reagieren mit verschärften Regeln. Seit dem 1. Juli 2026 gilt in San Antonio eine Verordnung, die an 193 Bitcoin-Automaten zweisprachige Warnhinweise vorschreibt. Die Stadt verzeichnete zwischen Januar 2024 und April 2026 Verluste von rund 39 Millionen Dollar durch Betrug an diesen Geräten.
Parallel dazu reichte der Generalstaatsanwalt von Missouri am heutigen Samstag Zivilklage gegen GPD Holdings ein, den Betreiber der CoinFlip-Kioske. Der Vorwurf: Das Unternehmen habe Betrug ermöglicht. In North Carolina verabschiedete das Parlament den Virtual Currency Kiosk Protection Act, der tägliche Einzahlungslimits von 2.000 Dollar für Neukunden und eine 30-tägige Rückerstattungsfrist für Betrugsopfer vorsieht.
In einem weiteren Fall beschlagnahmten US-Behörden kürzlich über 61 Millionen Dollar in der Kryptowährung Tether (USDT) – die Beute einer Romance-Scam-Bande. Die Ermittlungen, die in Raleigh, North Carolina, begannen, nutzten Blockchain-Analysen, um die Gelder aus mehreren digitalen Geldbörsen zurückzuholen.

