Die britische Finanzaufsichtsbehörde FCA plant eine deutliche Verschärfung ihrer Aufsichtsregeln für den Technologiesektor: Die bestehende Meldepflicht für schwerwiegende Vorfälle soll künftig auch auf signifikante Ausfälle von Systemen mit Künstlicher Intelligenz sowie auf sogenannte Beinahe-Vorfälle ausgeweitet werden. Dies kündigte Jessica Rusu, Chief Data, Information and Intelligence Officer der FCA, am 19. Oktober 2026 auf der Bloomberg UK Policy Series an.
Rusu betonte dabei die Risiken autonom agierender Modelle. Derartige agentische Systeme erforderten eine kontinuierliche, bedingte Überprüfung, da sich ein System, das bei der Inbetriebnahme noch sicher erschien, bei einer Skalierung, unter Marktstress oder nach einem Modellwechsel anders verhalten könne. Beinahe-Meldungen für agentische KI seien laut dem KI-Minister zudem eine Angelegenheit von nationaler Sicherheitspriorität.
Strengere Anforderungen an Institute und Technologieanbieter
Die Regulierungsbehörde stellte klar, dass sich Finanzunternehmen nicht hinter der Komplexität moderner Algorithmen verlassen dürfen. Institute benötigen für jedes eingesetzte System verantwortliche Manager, eine menschliche Aufsicht, Stresstests sowie funktionierende Notfallpläne. Der bloße Verweis darauf, dass ein Fehler durch das System verursacht wurde, reiche als Erklärung nicht aus.
Gleichzeitig wandte sich Rusu am 19. Oktober 2026 an die Entwickler von Basismodellen: Diese sollten klare, verhältnismäßige und konsistente Hinweise anbringen, sobald ihre Werkzeuge Finanzinformationen oder -beratung ausgeben.
Die FCA weitet ihre formelle Zuständigkeit zwar nicht auf allgemeine KI-Modelle aus, will jedoch unmissverständlich klarstellen, dass Antworten aus solchen Werkzeugen nicht den Schutz einer regulierten Finanzberatung genießen.
Der Handlungsbedarf ist hoch: Nach Angaben der Aufsicht nutzen vier von fünf unerfahrenen Anlegern im Alter zwischen 18 und 40 Jahren KI für Investments, während lediglich 40 % der Verbraucher wissen, dass bei Ratschlägen allgemeiner Systeme kein Regressanspruch besteht.
Praxisbeispiele und neue Leitlinien für die Branche
Flankierend veröffentlichte die Behörde Praxisbeispiele unter dem Titel „AI in financial services: good practices and areas for improvement“, die Orientierung bieten sollen, ohne neue formelle Anforderungen festzulegen.
Als vorbildlich hebt der Leitfaden unter anderem den Einsatz von KI-Werkzeugen zur Erkennung von Vulnerabilitätsindikatoren hervor, etwa anhand von Schlüsselwörtern, Ausgabenmustern oder digitalen Hürden.
Ebenso positiv bewertet die Aufsicht eine Wahlmöglichkeit für Kunden zwischen automatisierter Hilfe und menschlichem Support, klare Eskalationspfade, unabhängige Ethikgremien sowie Backup-Infrastrukturen bei Drittanbietern. Zudem müssten Führungskräfte im Rahmen des Senior Managers Regime (SMF) die Verantwortung für Risiken bereits ab der Designphase dokumentiert und auditierbar tragen.
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Schlechte Praxis zeigte sich laut FCA am 19. Oktober 2026 dort, wo Technologie ohne klaren Zweck eingeführt wird, vulnerable Kunden ausgeschlossen werden oder überzogene Leistungsversprechen vorliegen. Kritisiert wurde auch, wenn Governance-Strukturen erst nach dem Einsatz nachgerüstet oder Überwachungsprozesse nicht an Systemanpassungen angeglichen wurden.
Hohe Marktdurchdringung treibt Aufsicht und Politik
Der Druck auf den britischen Finanzsektor, der 2025 mit 223,6 Milliarden Pfund rund 8 % der nationalen Wirtschaftsleistung erbrachte – der vierthöchste Anteil innerhalb der OECD –, wächst durch die rasante Verbreitung der Technologie. Eine gemeinsame Erhebung der FCA und der Bank of England ergab, dass bereits 86 % der Finanzunternehmen KI nutzen.
Auch die Politik befasst sich mit dem Thema: KI-Minister Kanishka Narayan erklärte am 19. Oktober 2026, die Regierung wolle gemeinsam mit Parlament und Experten ein Regime gegen KI-Cyberbedrohungen und Risiken durch Kontrollverlust prüfen.
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Steven Adler von Guidelight AI Standards verwies vor Abgeordneten darauf, dass die Aufsicht von der Luftfahrt lernen könne, in der Meldungen von Beinahe-Vorfällen in den meisten Rechtsordnungen verpflichtend sind. Im Januar forderte das Treasury Committee zudem Stresstests für KI-Marktschocks.
Laut Alexandra Jones vom Ministerium für Wissenschaft, Innovation und Technologie (DSIT) hat die Regierung jedoch noch keine spezifischen Maßnahmen in den Cyber Security and Resilience Bill aufgenommen; Anpassungen würden weiterhin geprüft.
Die FCA plant nun die Ausarbeitung eines Regelwerks für agentische Finanzdienstleistungen, das Aspekte wie Agenten-Identität, Vollmachten und Transaktionsausführungen umfasst.
Gleichzeitig rüstet die Behörde intern auf: Sie will künftig selbst als automatisierter Regulator agieren und KI-Werkzeuge zur Überwachung von 60.000 Firmen zur Geldwäschebekämpfung einsetzen, die 2028 in ihre Zuständigkeit fallen.
Zudem sollen automatisierte Agenten bei der Aufsicht über rund 9.000 kleinere Firmen für Transaktionsmeldungen im Großkundensektor helfen. Maschinenlesbare Schnittstellen zur Datenerfassung ergänzen seit dem 19. Oktober 2026 die im August gestartete Handbook-API.

