In der Debatte um die technologische Souveränität und Sicherheit US-amerikanischer Regierungseinrichtungen hat der Abgeordnete John Moolenaar (R-Mich.), Vorsitzender des China-Ausschusses im Repräsentantenhaus, ein striktes Verbot chinesischer Software in Bundesbehörden gefordert.
Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, betonte Moolenaar, dass keine Bundesbehörde ein chinesisches KI-Modell nutzen dürfe. Hintergrund der scharfen Kritik ist die Entdeckung, dass das Federal Register, das offizielle Amtsblatt der US-Regierung, zeitweise ein Modell des chinesischen Technologiekonzerns Alibaba in seine IT-Infrastruktur integriert hatte.
Das Federal Register, das unter der Verwaltung der National Archives and Records Administration (NARA) steht, bot Mitte September 2026 das Modell Qwen3:0.6B von Alibaba Cloud als Option innerhalb seines Suchmodus für vorgeschlagene Bundesvorschriften an.
Die Verwendung des Modells wurde am 15. September 2026 durch Screenshots auf der Plattform X öffentlich bekannt. Nach der Verbreitung dieser Informationen und aufkommender Kritik wurde das Tool zeitnah wieder entfernt; entsprechende Suchoptionen waren laut Berichten und Quellcode-Archiven bereits am 16. und 17. September 2026 nicht mehr erreichbar.
Technische Hintergründe und die Rolle der „Shadow Dependency“
Bei dem eingesetzten Modell Qwen3:0.6B handelt es sich nicht um das Flaggschiff-Produkt von Alibaba, sondern um ein sogenanntes Open-Weight-Modell mit rund 600 Millionen Parametern. Diese Version ist darauf ausgelegt, lokal betrieben werden zu können.
Berichten zufolge sei die Software nicht durch eine bewusste Entscheidung der Behördenleitung implementiert worden. Stattdessen sei das Tool als eine Art versteckte Software-Abhängigkeit, eine sogenannte „shadow dependency“, in den Code des Federal Register gelangt.
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Weder die NARA noch das Weiße Haus machten bislang detaillierte Angaben zum exakten Zeitpunkt des Deployments, dem Betrieb oder dem genauen Weg der Datenverarbeitung. Experten wiesen jedoch darauf hin, dass die im Federal Register verarbeiteten Inhalte ohnehin öffentlich zugänglich sind.
Ankur Chander von der Georgetown University sieht daher kein unmittelbares Sicherheitsrisiko durch den Zugriff auf die Daten selbst. Auch Senator Mark Warner (D-VA) erklärte, die entscheidende Frage sei, ob US-Daten im Zuge der Nutzung die definierten Sicherheitsgrenzen verlassen hätten.
Sicherheitswarnungen und politische Einordnung
Der Vorfall ereignete sich nur acht Tage nach der Veröffentlichung einer offiziellen Sicherheitswarnung (Advisory AA26-251A) durch das FBI, die NSA und die CISA.
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In diesem Dokument warnten die Behörden vor einer aggressiven und bösartigen Kampagne, in der unter anderem die Unternehmen Alibaba, DeepSeek, Moonshot AI, MiniMax, StepFun und Z.AI genannt wurden. Laut der Warnung seien bereits seit Ende 2024 Milliarden von Token in Millionen von Interaktionen beobachtet worden.
Daniel Castro von der Information Technology and Innovation Foundation (ITIF) bezeichnete den Vorgang als eine der unglaublichsten Entwicklungen, die er in diesem Bereich gesehen habe.
Während politische Stimmen wie Moolenaar auf ein vollständiges Verbot drängen, kommentierten Beobachter in sozialen Netzwerken den Vorfall auch mit Blick auf die Kostenstruktur: Ein Nutzer merkte an, dass selbst die US-Regierung offenbar Schwierigkeiten habe, die Token-Preise amerikanischer KI-Anbieter zu finanzieren.
China wiederum forderte die USA auf, verstärkt auf die Bedürfnisse der Wirtschaft zu hören. Als Konsequenz aus dem Vorfall fordern IT-Experten nun verstärkt die Einführung einer verbindlichen Software-Bill-of-Materials (SBOM) sowie regelmäßige Audits der Lieferketten, um unbemerkte Software-Abhängigkeiten in kritischen Regierungssystemen künftig zu verhindern.

