Der globale Speichermarkt steckt in einer schweren Versorgungskrise. Die Preise für Festplatten schießen nach oben – angetrieben vom unersättlichen Datenhunger der Künstlichen Intelligenz. Analysten warnen: Die Ära des billigen Speicherplatzes ist vorbei.
Strukturwandel: Vom Ramsch- zum Premium-Produkt
Die Finanzwelt hat die Zeichen der Zeit erkannt. Führende Institute wie Citigroup und Bank of America haben ihre Einschätzung für die Festplatten-Hersteller Western Digital und Seagate deutlich nach oben korrigiert. Der Grund: eine „gesündere Preissituation“ und eine robuste Nachfrage aus Rechenzentren.
„Dies ist kein kurzfristiger Preissprung, sondern ein fundamentaler Wandel“, erklärt ein Marktbeobachter. Das Duopol der beiden Hersteller verleihe ihnen eine nachhaltige Preismacht, die in früheren Hardware-Zyklen so nicht bestand. Die Aktienkurse reagierten bereits – besonders Western Digital profitiert vor der anstehenden Veröffentlichung der Quartalszahlen.
Der Treiber ist die KI. Für das Training riesiger Modelle sind gewaltige Datenmengen nötig. Die wirtschaftliche Alternative, Petabytes auf teuren Solid State Drives (SSDs) zu speichern, ist kollabiert. Die Hyperscaler kehren zurück zu den traditionellen magnetischen Scheiben, dem sogenannten „Spinning Rust“.
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Preisexplosion: 46 Prozent teurere Festplatten
Die Zahlen sind dramatisch: Seit September 2025 sind die Durchschnittspreise für Festplatten um etwa 46 Prozent gestiegen. Betroffen sind alle Segmente – von Consumer-NAS-Laufwerken bis zu Helium-gefüllten Enterprise-Modellen.
Ursache ist die wachsende Preisschere zwischen Flash- und Magnetspeichern. Enterprise-SSDs sind pro Terabyte mittlerweile etwa 16-mal teurer als Festplatten. Diese Diskrepanz wird durch einen Mangel an NAND-Flash verschärft. Halbleiterhersteller verlagern ihre Kapazitäten auf High Bandwidth Memory (HBM) – den Speicher, den KI-Prozessoren benötigen.
Die Folge: Rechenzentren kaufen verfügbare Festplatten-Lagerbestände aggressiv auf, um „Data Lakes“ für Large Language Models zu füllen. Der Run leert die Handelskanäle. Hersteller priorisieren ihre großen Hyperscale-Kunden, während kleinere Unternehmen und Privatkunden mit hohen Aufschlägen und langen Wartezeiten kämpfen.
Lieferketten unter Druck: Der Kampf um 32 Terabyte
Das Problem ist nicht nur die Nachfrage, sondern auch die Logistik. Berichten zufolge versendet Western Digital mehr Ware per Schiff statt per Flugzeug. Das verlängert die Lieferzeiten um 6 bis 10 Wochen und verschärft die Knappheit auf dem Spotmarkt.
Trotzdem schreitet die Innovation voran. Seagate brachte am 21. Januar eine neue Serie von 32-TB-Festplatten auf den Markt. Die Hochkapazitäts-Laufwerke nutzen konventionelle magnetische Aufzeichnung (CMR) und richten sich gezielt an den wachsenden Speicherbedarf von KI-Überwachung und Enterprise-Rechenzentren.
Doch die neuen Rekord-Laufwerke kommen in einen Markt, in dem die Produktionslinien bereits nahezu ausgelastet sind. Ihr Vorteil: Sie helfen Betreibern, den Speicher pro Quadratmeter Rackplatz zu maximieren – ein entscheidender Faktor bei begrenztem physischem Raum.
Prognose: Engpässe bis mindestens Ende 2026
Marktforscher wie TrendForce sind sich einig: Die angespannte Versorgungslage und hohen Preise werden das gesamte Jahr 2026 anhalten. Die Umleitung von Halbleiter-Kapazitäten auf KI-Chips wird den Markt für günstigere SSD-Komponenten weiter austrocknen und den Druck auf den Festplattenmarkt aufrechterhalten.
Für IT-Einkäufer und Verbraucher heißt das: Das Fenster für günstigere Preise hat sich geschlossen. Die Produktionskapazitäten für 2026 sind größtenteils von Hyperscalern wie Google, Microsoft und Amazon vorbestellt. Der „Trickle-Down“-Effekt für den breiteren Markt bleibt minimal.
Unternehmen müssen sich auf längere Beschaffungszyklen und dauerhaft höhere Speicherkosten einstellen. Der „KI-Goldrausch“ hat Daten derart monetarisiert, dass das physische Medium zu einem der kritischsten und knappsten Assets der digitalen Wirtschaft geworden ist: die bescheidene Festplatte.
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