Figma und Anthropic stellen KI-Tools vor, die selbstständig mitarbeiten – und nicht nur Befehle ausführen.
Die digitale Arbeitswelt erlebt einen grundlegenden Wandel. Auf der Config 2026 in San Francisco präsentierte der Design-Spezialist Figma am Mittwoch eine neue Generation von KI-Funktionen. Zeitgleich brachte der KI-Entwickler Anthropic einen digitalen Assistenten für die Kollaborationsplattform Slack auf den Markt. Beide Unternehmen setzen auf sogenannte „Agentic AI“ – Systeme, die eigenständig handeln statt nur zu reagieren.
Figma erweitert die Design-Plattform
Der bisher als reines Designtool bekannte Dienst wird massiv ausgebaut. Künftig lassen sich auf der Plattform nicht nur Grafiken erstellen, sondern auch Code bearbeiten, Animationen entwickeln und 3D-Elemente integrieren. Herzstück der Neuerungen ist der Figma Design Agent, der ab sofort als offene Beta für professionelle Nutzer zur Verfügung steht.
Das Tool erlaubt es, per Texteingabe generative Plugins zu erstellen oder Shader-Effekte mit WebGPU zu programmieren. Wiederverwendbare Arbeitsabläufe – sogenannte „Skills“ – sollen die Effizienz steigern. Besonders spannend für Entwickler: Die neue Funktion Code Layers, die im Juli 2026 erscheint, ermöglicht die direkte Code-Bearbeitung auf der Design-Oberfläche.
CEO Dylan Field betonte, dass Figma zwar eigene kleine KI-Modelle trainiert, aber weiterhin auf externe Modelle von OpenAI, Anthropic und Google angewiesen ist. Das hat seinen Preis: Die Bruttomarge des Unternehmens sank 2025 von 92 auf 86 Prozent – eine direkte Folge der hohen Kosten für KI-Berechnungen.
Finanzielle Erfolge trotz Margendruck
Die Investitionen zahlen sich jedoch aus. Im ersten Quartal 2026 steigerten die Amerikaner den Umsatz um 46 Prozent auf umgerechnet rund 307 Millionen Euro. Bereits im gesamten Geschäftsjahr 2025 hatte Figma die Milliarden-Euro-Marke geknackt.
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Doch nicht alle sind zufrieden. Der aktivistische Investor Findell Capital fordert eine Überprüfung der Unternehmensführung. Der Hintergrund: Mike Krieger, Chief Product Officer von Anthropic, verließ am 14. April 2026 den Figma-Verwaltungsrat. Nur drei Tage später brachte Anthropic mit Claude Design ein eigenes Konkurrenzprodukt auf den Markt.
Die Aktie des Unternehmens fiel daraufhin auf ein 52-Wochen-Tief von umgerechnet 15,30 Euro, bevor sie sich auf rund 17,50 Euro stabilisierte. Analysten der Citigroup bleiben optimistisch und bestätigen die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 33 Euro.
Anthropic bringt KI-Kollegen für Slack
Parallel zu den Neuigkeiten aus der Design-Welt launchte Anthropic am Dienstag Claude Tag – einen KI-Assistenten, der direkt in Slack arbeitet. Anders als herkömmliche Chatbots ist Claude Tag ein permanentes Mitglied in den Kanälen. Nutzer können ihn direkt ansprechen, er lernt mit der Zeit den Kontext und kann im sogenannten Ambient-Modus eigenständig Aufgaben erledigen.
Das Tool basiert auf dem Modell Claude Opus 4.8 und wird die bisherige Claude-Slack-App ersetzen, die Anthropic am 3. August 2026 einstellt. Das Unternehmen gibt an, dass die interne Produktentwicklung bereits stark auf Claude Tag setzt: Rund 65 Prozent aller Code-Änderungen würden von der KI generiert oder freigegeben.
Wettbewerb verschärft sich
Die Marktforschung zeigt einen spannenden Trend: Laut dem Mai-Index der Finanzplattform Ramp zahlen inzwischen 34,4 Prozent der Unternehmen für Anthropic-Dienste, während es bei OpenAI 32,3 Prozent sind. Ein Indiz dafür, dass der Wettbewerb im KI-Markt neu ausbalanciert.
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OpenAI und GitKraken ziehen nach
Auch die Konkurrenz schläft nicht. OpenAI enthüllte am Mittwoch seinen ersten eigenen KI-Prozessor namens Jalapeño. Der Chip, entwickelt mit Broadcom, ist ein spezialisierter ASIC für KI-Berechnungen. OpenAI plant den Einsatz bis Ende 2026 und verspricht eine höhere Leistung pro Watt als aktuelle Standardchips.
Im Entwicklerbereich brachte GitKraken am Dienstag das Code Flow Framework auf den Markt. Es soll KI-generierten Code vom Planungsstadium bis zur Produktion verwalten. Gleichzeitig launchte das Unternehmen Kepler, eine Umgebung speziell für die Entwicklung von KI-Agenten.

