Der Umsatz stieg um 46 Prozent auf 333,4 Millionen Euro – angetrieben von der rasanten Verbreitung der KI-Funktionen bei Großkunden.
Das Unternehmen, das erst im vergangenen Jahr an die Börse ging, verzeichnet damit das zweite Quartal in Folge ein beschleunigtes Wachstum. Haupttreiber ist die breite Einführung der Suite „Figma Make“ sowie ein neues Abrechnungsmodell für KI-Features. Für das Gesamtjahr 2026 hebt Figma seine Prognose nun auf 1,42 bis 1,43 Milliarden Euro an – deutlich über den ursprünglichen Erwartungen der Börse.
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KI erreicht die Massen
Besonders beeindruckend ist die Durchdringung der KI-Tools in den großen Unternehmen. Rund 60 Prozent der Kunden mit einem Jahresumsatz von über 93.000 Euro nutzen Figma Make inzwischen wöchentlich. Im Vorquartal lag dieser Wert noch bei knapp über 50 Prozent.
Die Zahl der wöchentlich aktiven Nutzer von Figma Make stieg innerhalb eines Quartals um 70 Prozent. „Mit verbesserten KI-Fähigkeiten schrumpft der Abstand zwischen einer Idee und ihrer Umsetzung“, sagte CEO Dylan Field in der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen. Das Tool habe die Experimentierphase hinter sich gelassen und sei im täglichen Produktionsbetrieb großer Designteams angekommen.
Bemerkenswert: Die KI erschließt Figma völlig neue Nutzergruppen. Fast 60 Prozent aller mit Figma Make erstellten Dateien im Jahr 2025 stammen von Nicht-Designern – etwa Produktmanagern oder Marketingfachleuten. Das Verhältnis von Designern zu anderen Mitarbeitern hat sich seit 2022 verdoppelt: Auf einen Designer kommen heute drei bis vier weitere Nutzer.
Neue Abrechnung: Wer viel KI nutzt, zahlt extra
Am 18. März vollzog Figma einen strategischen Kurswechsel. Das Unternehmen führte KI-Guthabenlimits für alle Nutzertypen ein – weg vom reinen Abomodell, hin zu einem Hybridmodell mit verbrauchsabhängigen Gebühren für intensive KI-Nutzung.
Die ersten Zahlen zeigen: Die Kunden bleiben trotz der neuen Kosten. Über 75 Prozent der Nutzer in den teureren Tarifen, die zuvor ihre Freikontingente überschritten hatten, nutzen die KI-Tools auch nach der umstellung weiter. Zur Unterstützung hat Figma erweiterte Verwaltungsfunktionen und flexiblere Vertragsstrukturen für Großkunden eingeführt.
Die neue Monetarisierung soll die hohen Infrastrukturkosten der rechenintensiven KI-Features decken. Zwar belasten diese Investitionen vorübergehend die operative Marge – für 2026 prognostiziert das Unternehmen acht bis neun Prozent. Die Anleger reagierten dennoch positiv: Die Figma-Aktie stieg im nachbörslichen Handel um bis zu 16 Prozent.
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Vom Design-Tool zur Plattform
Figma ist längst nicht mehr nur eine Zeichenfläche. Das Produktportfolio wuchs innerhalb eines Jahres von vier auf acht Hauptprodukte. Zu den Neuzugängen zählen:
- Figma Weave: Eine kreative KI-Suite für Bilder, Videos und Animationen, entstanden aus der Übernahme des Startups Weavy
- Model Context Protocol (MCP): Ermöglicht KI-Agenten und Entwicklern den direkten Zugriff auf Figma-Dateien
- Figma Slides: Ein Präsentationstool, das die Kollaborations-Engine von Figma nutzt und in Großunternehmen bereits etablierte Präsentationssoftware verdrängt
Besonders das MCP-Tool verzeichnet ein starkes Wachstum: Die Zahl der wöchentlich aktiven Nutzer stieg innerhalb von drei Monaten um das Fünffache. Kunden, die den MCP-Server einsetzen, wuchsen bei ihren „Full Seat“-Lizenzen rund 70 Prozent schneller als andere.
Marktposition und Wettbewerb
Figmas Entwicklung ist auch eine Erfolgsgeschichte nach dem geplatzten Verkauf an Adobe. Ende 2023 war die 20-Milliarden-Euro-Übernahme gescheitert. Seit dem Börsengang Anfang 2024 mit einer Bewertung von 12,5 Milliarden Euro setzt das Unternehmen auf aggressives Produktwachstum und Expansion, besonders in Europa und Asien.
Heute sitzt Figma in über 80 Prozent der Fortune-100-Unternehmen. Die Netto-Geldbindungsrate – ein zentraler Indikator für Kundenzufriedenheit – erreichte im ersten Quartal mit 139 Prozent den höchsten Stand seit über zwei Jahren.
Doch die Konkurrenz schläft nicht. Wettbewerber wie Anthropic bringen mit „Claude Design“ eigene KI-Design-Tools auf den Markt. Figma beobachtet diesen Trend genau: Die Fähigkeit von KI-Modellentwicklern, eigene Modelle zu trainieren und mit Designprodukten zu koppeln, könnte die traditionellen Software-Paradigmen herausfordern.
Ausblick: KI als Betriebssystem für Produktentwicklung
Für das zweite Quartal 2026 erwartet Figma einen Umsatz zwischen 348 und 350 Millionen Euro. Das Management kündigte an, den Rest des Jahres auf die tiefere Integration von KI-Agenten in die „Figma Canvas“ und die Verfeinerung des KI-Guthabensystems zu konzentrieren.
Die hohen Forschungs- und Entwicklungsausgaben für KI werden die kurzfristige Rentabilität weiter belasten. Doch mit liquiden Mitteln von 1,7 Milliarden Euro zum Jahresende 2025 ist Figma gut gewappnet. In einer Zeit, in der Code zur Ware wird, positioniert sich das Unternehmen mit seiner KI-gestützten Plattform als das unverzichtbare „Betriebssystem“ für die digitale Produktentwicklung.

