Finanztipps von KI: 57% Fehlerquote bei persönlichen Fragen

70 Prozent lehnen KI bei Geldgeschäften ab, während Tests hohe Fehlerquoten zeigen und Verbraucher persönliche Beratung stärker schätzen.

Beim Umgang mit dem eigenen Geld setzen die Menschen in Deutschland weiterhin auf menschliche Expertise statt auf Algorithmen. Laut der Postbank Digitalstudie 2026 lehnen 70 Prozent der Befragten den Einsatz von künstlicher Intelligenz für Überweisungen, Geldanlagen oder die Finanzberatung ab.

Obwohl bereits 54 Prozent der Bundesbürger KI generell in ihrem Alltag nutzen, bleibt die Skepsis bei sensiblen Finanzangelegenheiten ausgeprägt: Drei Viertel der Befragten vertrauen einer persönlichen Beratung nach wie vor mehr als Systemen auf Basis künstlicher Intelligenz.

Generationsunterschiede und Sorge vor Manipulation

Die Zurückhaltung gegenüber automatisierter Finanzverwaltung zieht sich zwar durch die gesamte Bevölkerung, unterscheidet sich jedoch nach Altersgruppen. Wie die Erhebung zeigt, können sich unter den Personen unter 40 Jahren immerhin 46 Prozent vorstellen, Banküberweisungen über einen Sprachassistenten abzuwickeln.

Bei den älteren Befragten stößt dieser Ansatz hingegen auf breite Ablehnung: 72 Prozent von ihnen verneinen eine solche Nutzung. Ein wesentlicher Treiber für das Misstrauen ist die Unsicherheit im Umgang mit den Systemen. Lediglich 36 Prozent der Teilnehmenden trauen sich zu, Manipulationen durch künstliche Intelligenz sicher zu identifizieren.

Hohe Fehlerquoten bei automatisierten Finanztipps

Die Zurückhaltung der Verbraucher deckt sich mit aktuellen Untersuchungen zur Verlässlichkeit von Sprachmodellen bei Geldthemen. Eine Untersuchung von Saturn verdeutlicht erhebliche Defizite automatisierter Auskünfte: In dem Test beantworteten KI-Systeme 57 Prozent der Fragen zu persönlichen Finanzen fehlerhaft.

Bei mehrstufigen Fragestellungen stieg die Fehlerquote sogar auf 88 Prozent an. Untersucht wurden 121 Fragen an 18 verschiedene Modelle, darunter ChatGPT, Gemini, Claude und Copilot, mit insgesamt über 10.000 Antworten.

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Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den Softwarevarianten. Kostenlose Systeme wiesen eine Fehlerquote von 63 Prozent auf, während kostenpflichtige Angebote mit 49 Prozent Fehlern abschnitten. Das beste Ergebnis erzielte Claude Opus 5 im Reasoning-Modus, lieferte jedoch ebenfalls in 39 Prozent der Fälle falsche Antworten.

Demgegenüber steht ein trend zur eigenständigen Informationsbeschaffung: Einer weltweiten Umfrage von EY unter 18.000 Verbrauchern zufolge setzen bereits 49 Prozent der Befragten künstliche Intelligenz für Spar- und Investitionsentscheidungen ein.

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Diskrepanz zwischen Algorithmen und Öffentlichkeit

Dass KI-Systeme und Menschen Finanzinstitute grundlegend anders bewerten, belegt eine Studie von RepTrak. Darin vergaben Modelle wie Claude, ChatGPT und Gemini für sieben Banken auf einer 100-Punkte-Skala eine durchschnittliche Bewertung von 37,6 Punkten, während die informierte Öffentlichkeit denselben Instituten im Schnitt 70,0 Punkte attestierte.

Den höchsten KI-Wert erzielte Ally mit 52,1 Punkten, gefolgt von Chase mit 50,3, Truist mit 42,6, der Bank of America mit 39,6 und Chime mit 37,3 Punkten. Am Ende der Skala lagen Wells Fargo mit 22,2 sowie die TD Bank mit 19,4 Punkten.

In der öffentlichen Wahrnehmung erreichte Chime mit 71,5 Punkten den Höchstwert, während Wells Fargo mit 55,5 Punkten am niedrigsten bewertet wurde. Besonders eklatant fiel der Unterschied beim Verhalten der Institute aus: Im Bereich Unternehmensführung und Verhalten vergaben die KI-Modelle im Schnitt lediglich 26,1 Punkte, verglichen mit 68,0 Punkten durch die Öffentlichkeit.