Das Kupferkabel-Zeitalter ist Geschichte: Finnland beendet die Ära der analogen Festnetztelefonie.
Am 30. Juni 2026 legte der letzte große Netzbetreiber des Landes sein veraltetes Kupfernetz still. Damit endet eine Ära, die in Finnland bis in die 1880er Jahre zurückreicht. Der symbolische letzte Anruf im nationalen Analog-Netz wurde von Elisa-CEO Topi Manner an Jarkko Saarimäki getätigt – ein formeller Schlussstrich unter ein Kapitel Telekommunikationsgeschichte.
Vom Massenphänomen zur Nische
Zu Hochzeiten in den frühen 1990er Jahren zählte Finnland rund 2,9 Millionen aktive Analoganschlüsse. Doch die Zeiten änderten sich rasant. Zum Zeitpunkt der Abschaltung verzeichnete Elisa nur noch wenige tausend verbliebene Kunden. Der Ausstieg war ein mehrjähriger Prozess: Telia stellte sein Kupfernetz bereits 2019 ab, der Anbieter DNA folgte Anfang 2026. Ehemalige Festnetzkunden wurden aufgefordert, ihre Rufnummern auf Mobilfunkverträge zu übertragen.
Ganz tot ist das Kupferkabel in Finnland aber noch nicht. Kleine regionale Anbieter wie Kimito Telefon versorgen weiterhin eine Handvoll Kunden – rund 370 Anschlüsse. Das Unternehmen rechnet mit einer Betriebsdauer von drei bis fünf Jahren, bevor auch hier Glasfaser das Kupfer endgültig ersetzt.
Wirtschaftlicher Druck treibt den Wandel
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Die Abkehr von analogen Systemen ist vor allem eine Frage der Kosten. Branchendaten zufolge ist die Wartung traditioneller Kupfernetze zwei- bis siebenmal teurer als der Betrieb moderner Glasfasersysteme. Hinzu kommt: Kupferleitungen fallen fünf- bis zehnmal häufiger aus als digitale Alternativen. Zwar ist der Schrottwert von Kupfer in den letzten Jahren gestiegen – die hohen Unterhaltskosten treiben den Wechsel zu Glasfaser und Mobilfunk dennoch massiv an.
Finnland reiht sich damit in eine wachsende Liste von Ländern ein, die ihre analogen Festnetze bereits stillgelegt haben: Japan, Spanien, Norwegen, Estland und die Niederlande sind vorangegangen. Weltweit laufen ähnliche Prozesse:
- Großbritannien: Die vollständige Abschaltung des Analog-Netzes ist für Januar 2027 geplant.
- Italien: Der Kupfer-Rückzug soll zwischen 2028 und 2036 abgeschlossen sein.
- Polen: Die Zahl der Festnetzanschlüsse sank 2025 um 9,6 Prozent auf 1,6 Millionen – bei einer Glasfaser-Abdeckung von 80,1 Prozent der Haushalte.
- USA: In Kalifornien sind noch rund drei Prozent der Haushalte auf das Kupfernetz angewiesen. AT&T gibt jährlich etwa eine Milliarde Euro für die Wartung dieser Altlasten aus und hat bei der Bundesregierung beantragt, von staatlichen Auflagen zur Aufrechterhaltung traditioneller Festnetzdienste befreit zu werden.
Milliarden-Investitionen in die Zukunft
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Während die alten Netze verschwinden, fließt das Geld in den Breitbandausbau. In Deutschland sicherte sich der Anbieter Deutsche Glasfaser im Juli 2026 mit einem Refinanzierungsdeal über 1,2 Milliarden Euro seine langfristige Zukunft. Gestützt von den Investoren EQT und Omers, bestätigte der Londoner High Court die Umschuldung – die Finanzierung des Unternehmens ist damit bis Mitte der 2030er Jahre gesichert. Im Zuge dieser Neuaufstellung verlässt CEO Andreas Pfisterer das Unternehmen, Jens Schulte-Bockum übernimmt als Interims-Chef.
Parallel dazu erreichen lokale Glasfaserprojekte neue Meilensteine. In den Gemeinden Heitersheim, Eschbach und Gallenweiler beschleunigte sich der Ausbau im zweiten Quartal 2026 deutlich. Das 2021 gestartete Projekt wird mit 4,2 Millionen Euro aus EU-Mitteln gefördert. Die Telekom Süd kann dort nun Geschwindigkeiten von bis zu 10 Gbit/s anbieten. Die lokalen Erschließungskosten liegen bei rund 1.200 Euro pro Haushalt.

