Firebird baut Armenien mit Milliarden zu globaler KI-Macht aus

Ein US-gefördertes 4-Milliarden-Euro-Projekt soll Armenien zu einem der fünf größten KI-Rechenzentren der Welt machen und die wirtschaftliche Abhängigkeit von Russland verringern.

Ein US-gefördertes 4-Milliarden-Euro-Projekt soll das Land zu einem der fünf größten KI-Rechenzentren der Welt machen – und seine Abhängigkeit von Russland verringern.

In einer strategischen Neuausrichtung setzt Armenien voll auf künstliche Intelligenz. Mit massiver Unterstützung aus Washington baut das Land im Südkaukasus einen Supercomputer-Cluster, der zu den größten der Welt zählen soll. Das US-Unternehmen Firebird gab die zweite Phase seines Megaprojekts bekannt, die das Gesamtinvestitionsvolumen auf rund 4 Milliarden Euro hochtreibt. Kernstück ist die Lieferung Zehntausender modernster NVIDIA-Grafikprozessoren (GPUs), für die die US-Regierung spezielle Exportlizenzen erteilt hat.

Geopolitisches Signal während Vizepräsidenten-Besuch

Die Bekanntgabe fiel in eine hochrangige diplomatische Mission. Während eines Besuchs in Jerewan verkündete US-Vizepräsident JD Vance gemeinsam mit Armeniens Ministerpräsident Nikol Paschinjan die Pläne. „Diese Partnerschaft markiert einen Neuanfang und schafft neue Märkte und Arbeitsplätze für beide Nationen“, so Vance. Paschinjan betonte, man setze damit eine im August unterzeichnete Absichtserklärung zur Zusammenarbeit in Halbleitern und KI konkret um.

Die Genehmigung für den Export der 41.000 zusätzlichen NVIDIA GB300-Chips ist ein politisches Signal. Hochmoderne Halbleitertechnologie unterliegt strengen Exportkontrollen. Die Freigabe zeigt das strategische US-Interesse, Armenien als technologischen Partner im Südkaukasus zu etablieren.

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Aufstieg in die Top-Liga der KI-Rechenzentren

Bis Ende 2026 soll die Anlage in der Industriestadt Hrazdan auf insgesamt etwa 50.000 GPUs anwachsen. Diese Rechenpower würde Armeniens KI-Cluster unter die fünf größten weltweit katapultieren. Die Infrastruktur wird mit Servern von Dell Technologies aufgebaut.

Die erste Projektphase 2025 umfasste noch 500 Millionen Euro. Die nun angekündigte Vervierfachung der Investition beschleunigt die Vision rasant. Die „KI-Fabrik“ soll die nötige Leistung für die Entwicklung und den Betrieb modernster KI-Modelle im großen Maßstab liefern. Sie ist als Hub für Innovation, Wissenschaft und Unternehmertum konzipiert, der lokale Start-ups fördert und Akademie mit Industrie verbindet.

Wirtschaftliche Neuverankerung im Westen

Das Projekt ist Teil einer möglichen Investitionswelle aus den USA von über 13 Milliarden Euro – fast die Hälfte des armenischen Bruttoinlandsprodukts. Die Strategie ist klar: Die traditionelle wirtschaftliche Abhängigkeit von Russland soll zugunsten einer Bindung an westliches Kapital und Know-how schwinden. Neben der KI-Initiative wurde auch eine milliardenschwere zivile Nuklearkooperation vereinbart.

Das Geschäftsmodell von Firebird, gegründet von armenischen Unternehmern, sieht vor, rund 80 Prozent der Rechenkapazität an internationale Kunden, vor allem US-Firmen in der Region, zu vermarkten. Der Rest soll das heimische Tech-Ökosystem stärken. Armenien will sich so als wettbewerbsfähige KI-Exportplattform positionieren.

Herausforderung nationale KI-Strategie

Während der Besuch Vances weitere Annäherungen brachte – etwa einen Deal für US-Militärdrohnen und Pläne von Alphabet für YouTube-Monetarisierung im Land –, sehen Experten auch Herausforderungen. Um die historische Chance voll auszuschöpfen, brauche Armenien eine klare, einheitliche nationale KI-Strategie.

Die Entwicklung lokaler Talente und ein robuster regulatorischer Rahmen werden entscheidend sein, um die Risiken zu managen und den Nutzen zu maximieren. Gelingt dies, könnte das Firebird-Projekt nicht nur Armeniens Wirtschaft neu definieren, sondern den gesamten Südkaukasus zu einem überraschenden Schwerpunkt im globalen Wettlauf um KI-Infrastruktur werden.